Brüel : Die Stadt wird geputzt

Reden nicht nur über Umweltschutz: Kurze Abstimmung mit Rita Klammer (l.) vor dem Müllsammeln.
Reden nicht nur über Umweltschutz: Kurze Abstimmung mit Rita Klammer (l.) vor dem Müllsammeln.

Müll liegt an Straßen, auf Plätzen, in Hecken, im Bach – ein erster Versuch, in Brüel gemeinsam etwas dagegen zu tun

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25. März 2019, 05:00 Uhr

„Überall liegt Müll und der muss weg“, sagt Rita Klammer. Weil zusammen mehr geschafft werde, hatte die Bürgerschaft zu einem Einsatz am vergangenen Sonnabend in der Stadt Brüel aufgerufen. „Das Müllthema ist global. Alle, die im Bereich Bildung und Erziehung arbeiten, greifen das Thema auf“, sagt sie, selbst im Schuldienst tätig. Als Natur- und Landschaftsführer fühle sie sich auch als Umweltbildner berufen und wolle dies, wenn sie ab Juli Rentner sei, wieder maßgeblich machen.

Eichen könnten über 1000 Jahre alt werden, rund 4000 Jahre dauert es aber, bis eine Glasflasche abgebaut sei. Eine weggeworfene Zigarettenkippe sei frühestens nach einem Jahr verschwunden. Deren Nikotin könne aber 40 Liter Grundwasser verseuchen. Das Wasser im Brüeler Bach fließt in die Warnow und die in die Ostsee...

„Wir reden alle über Natur-und Umweltschutz, aber machen sollen andere“. Der Aufruf zur Müllaktion am Sonnabend sei auch ein bisschen Protest von ihr. „Viele haben gesagt, Müllsammeln in Brüel? Da macht doch keiner mit. Aber die Leute müssen sich doch nicht auf diesen Tag festlegen“, so Klammer. Sie verweist auf Einsätze der Kirche und der Angler, aber auch der Schüler am Freitag. Es gebe schon viele Vereine, bei denen das Erbringen von Arbeitsleistungen in der Satzung stehe, wo noch nicht, gelte es darüber nachzudenken. „Wir wollen dauerhaft Verantwortlichkeiten.“ Sie freue sich über eine Einladung vom Kleingartenverein „Sonnenschein“.

Die kleine Gruppe, die sich am Sonnabend bei Rita Klammer getroffen hatte, sammelte dann entlang des Wipersdorfer Weges und der Wiesen in der Bahnhofstraße, aber auch am Brüeler Bach Müll ein. In Abstimmung mit dem Umweltausschuss wird der Bauhof den auf öffentlichen Flächen zusammengetragenen Unrat am Montag abfahren. Deren Entsorgung bezahle dann die Stadt.

Im Stadtpark: Kronendeckel und Alufolie

Viele Kronendeckel und Zigarettenkippen, aber auch Verpackung von Käse und Wurst, Plasteflaschen und Alufolie sammelten die Brüeler Grundschüler bei ihrem Frühjahrsputz ein - aus organisatorischen Gründen schon am Freitag. Sie trugen Handschuhe und nahmen Zangen zu Hilfe. Frühling, Natur, Wetter, Bäume, das seien alles Themen im Sachkundeunterricht, die beim Frühjahrsputz praktisch angegangen werden, sagt Schulleiterin Silke Aselmeyer. Müll gesammelt wurde von den Erst- bis Viertklässlern auf dem Schulhof, Spielplatz bis hin zum Schulgarten, hinter dem Schulhofzaun und im Stadtpark. „Wir heißen Schule am Stadtpark. Da wollen wir auch einen schönen Stadtpark haben“, so Aselmeyer.

Im Stadtpark
Roswitha Spöhr
Im Stadtpark
 

Am Denkmal: Graffiti und Glas

Vor dem Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen im Stadtpark lagen jede Menge Scherben, die Karl-Heinz Knie und Jan Ritter vom Bauhof zusammenfegten. Das Denkmal selbst war wieder beschmiert. „Bis zu vier Mal im Jahr müssen wir es reinigen“, sagt Bauhofleiter Norbert Krienke. Dafür werde ein Spezialreiniger gebraucht, Kosten rund 150 Euro. Immer wieder würden hier Flaschen zerschlagen, deren Scherben dann aufgesammelt werden müssen. Außer den Bauhofmitarbeitern ist auch Helmut Strauß regelmäßig im Stadtpark unterwegs. Er sammelt Flaschen und Papier ein, harkt die Wege und sorgt an den beiden Denkmälern für Ordnung. Bei der Stadt angestellt ist er nicht, er macht es, weil er es gern ordentlich und sauber hat, wie er sagt. In der ganzen Stadt.

Am Denkmal
Roswitha Spöhr
Am Denkmal
 

Am Roten See: Bratpfanne und Autoreifen

Bei den Mitgliedern des Anglervereins „Roter See“ gehören Arbeitseinsätze zum alljährlichen Pflichtprogramm. Am Sonnabend waren 20 Petrijünger an drei Vereinsgewässern im Einsatz. Am Roten See wurden in Vorbereitung des Anangelns Angelstellen freigeschnitten. Karl-Heinz Tokarz sorgte zudem auf dem Rundweg für gutes Durchkommen. Am Deichelsee wurde die Treppe, die vom Golchener Weg zum Wanderweg herunterführt, ausgebessert. Und natürlich wurde wie bei jedem dieser Einsätze, Müll gesammelt. Erfreulich: Am Roten See mussten die Männer dieses Mal nur drei Säcke mit Unrat füllen, im vergangenen Jahr waren es zwei mehr. Gefunden wurden unter anderen Gläser, Plaste, aber auch Autoreifen und eine Bratpfanne.

Am Roten See
Roswitha Spöhr
Am Roten See
 

Am Brüeler Bach: Flaschen und Plastik

Es war nicht die erste Müllsammlung entlang des Brüeler Baches, die Richard Klammer, Mona Gerotzke und Robert Klammer am vergangenen Sonnabendvormittag durchführten. Erst vor einigen Wochen hatten sie mit dem Kescher etlichen Unrat aus dem Wasser gefischt. „Am meisten waren es kleine Schnapsflaschen und Bierdosen, aber auch Pfandflaschen und sogar eine Bauplane und Autoreifen. Und das alles haben wir auf nur rund 200 Metern entlang des Baches gefunden“, sagt Richard Klammer. Vier volle Müllsäcke wurden bei dem damaligen Einsatz zusammengetragen. Weshalb für die jungen Leute fest stand, dass sie sich für ihre Aktion am Sonnabend wieder einen Abschnitt des Baches vornehmen - nicht zum letzten Mal.

Am Brüeler Bach
Roswitha Spöhr
Am Brüeler Bach
 


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