Sternberg : Kunst, die mahnt

Christine de Boom und Stefan Thiel begrüßen die Kunstinteressierten im Rathaus.  Foto: Kerstin Erz
Christine de Boom und Stefan Thiel begrüßen die Kunstinteressierten im Rathaus. Foto: Kerstin Erz

Eine sehr gut besuchte Aktion „Kunst heute“ in Sternberg

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04. Oktober 2019, 05:00 Uhr

„Die Fotografie begleitet uns zur Zeit revolutionär. Doch Fotografie ist das eine. Wir wollen zeigen, was ist nach der Fotografie“, so Christine de Boom, die Leiterin der Gemeinschaft Kunst und Kirche (KuK).

Ihr, als eine der beiden „Art-Guides“, hörten viele Menschen zu, die sich zur Kunst ’ver’führen lassen wollten am 3. Oktober, der auch der Tag der mecklenburgweiten Aktion „Kunst heute“ war.

Unter diesem Dach ging es in der Sternberger Winterkirche um „Kunst nach der Fotografie“. Die Sommerausstellung der Ulrike von Laar war hier ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Ulrike von Laar aus Klein Görnow fotografiert nicht nur so. Sie schaut dabei auf den Boden, sucht sich die kleinsten Partikel der Natur heraus, wie eine Flechte, eine winzige Blume, eine Spinnwebe, etc. Und diese, ihre besten Fotos bearbeitet sie digital, indem sie sie spiegelt, manchmal mehrfach. Und sie sorgt so, mit ihrer Kunst der Fotografie danach ,dafür, dass wir auf die Winzigkeit der Natur aufmerksam werden. Sie zeigt, das gibt es noch.

„Wir kommen ja aus Nordrhein-Westfalen“, erklärt Ulrike von Laar. Dort ist die Natur schon längst nicht mehr die, die wir hier in Mecklenburg noch vorfinden. Vieles gibt es einfach nicht mehr.“ So kann man ihre Bilder auch als Mahnung verstehen, zu sehen, zu bewahren, zu erhalten - die Vielfältigkeit der Natur.

Der zweite „Art-Guide“ war Stefan Thiel. Dankenswerter Weise hatte der Bürgermeister das Rathaus-Foyer für seine Bilder zur Verfügung gestellt. Das Thema des Malers war „Deutsche Landschaften“. Aber nicht irgendwelche Deutsche Landschaften. Stefan Thiel, 1965 in Berlin geboren und groß geworden, war geprägt durch das Erleben seiner Großeltern und Eltern, die den Nazismus an die Macht streben sahen und den 2. Weltkrieg erlebten. Das beschäftigte ihn, und so konfrontierte er sich mit Orten des Verbrechens der Nazizeit, wie z. B. das KZ Buchenwald, fotografierte, um diese Bilder irgendwann einmal künstlerisch umzusetzen. Ebenso die zahlreichen kleinen Orte der Nazi-Verbrechen, die er nach seinem Umzug nach Mecklenburg-Vorpommern aufstöberte. In seinen im Rathaus ausgestellten Bildern fanden die Besucher diese Ort allerdings idyllisch vor, von der Natur zurückgeholt, das Dahinter überwuchert, verdeckt. Man muss erst wissen, was hinter diesen Schwarz-Weiß-Bildern eigentlich steckt, um zu verstehen.

So dachte auch Regine Frohberg, KuK-Mitglied und selbst Künstlerin: „Man sieht eine Schönheit, eine Ruhe, eine Idylle und dann bekommt man die Info, dass hier ein Verbrechen stattfand. Ich finde es ist eine so wunderbare Art von Stefan Thiel, uns bewusst zu machen, nicht zu vergessen!“

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