10 Jahre im (Polizei-)Zeitraffer : Neue Uniform – gleiches Revier

Dezember 2017: Anderes Outfit, aber Fred Steinhusen ist immer noch in Warin.
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Dezember 2017: Anderes Outfit, aber Fred Steinhusen ist immer noch in Warin.

Polizeiobermeister Fred Steinhusen ist seit zehn Jahren der Kontaktbeamte in Warin. „95 Prozent der Einsätze mache ich allein“.

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29. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Polizeiobermeister Fred Steinhusen ist in Warin bekannt wie ein „bunter Hund“ – auch wenn seine Dienstuniform mittlerweile schwarz ist. Seit zehn Jahren arbeitet der 54-Jährige als Kontaktbeamter in der Zwei-Seen-Stadt. „So lange wie kein anderer bisher“, sagt Steinhusen, der im benachbarten Neukloster zu Hause ist, nicht ohne Stolz. Wenn sein Dienstwagen auf dem Parkplatz am Norma in Warin parkt, dann wissen alle Bescheid: Unser „Sheriff“ ist da! Nebenan im Obergeschoss des Geschäftshauses befindet sich die Polizeistation.

Dabei ist der Begriff „Sheriff“ im Grunde genommen out. Wenn man jedenfalls mit Fred Steinhusen im Beisein seines Chefs vom Polizeihauptrevier Wismar, Dr. Andreas Walus, spricht. Der Polizeirat, 34, gebraucht gleich mehrfach den Ausdruck „KoB“  für Kontaktbeamter

2007 zum Vergleich war Steinhusens Dienstkleidung noch „beige Hose, beiges Hemd und grüne Jacke“; heute sehen sie schwarz aus. Grün lackiert war der Polizeiwagen, heute ist er blau. Und auch sonst sind die Jahre – farbmäßig – nicht spurlos an Fred Steinhusen vorbeigegangen; sein Haar ist gräulich geworden. Für einen Mitte-Fünfziger nicht ungewöhnlich.

Was hat sich sonst noch so verändert seit 2007?, will SVZ vom Polizisten vor Ort wissen. „Nur bei Hühnerdiebstählen und ähnlichen kleinen Fällen ermittelt wirklich der Polizist in Warin alleine. Bei größeren wird die Kripo tätig“, diktierte Steinhusen vor einem Jahrzehnt dem damaligen SVZ-Lokalreporter in den Notizblock.

Und heutzutage? „Die großen Fälle werden weiter durch Wismar übernommen, aber 95 Prozent der Einsätze mache ich allein.“ Anzeigen zu Unfällen, Diebstählen oder Beleidigungen aufnehmen, Hinweise zu Tatverdächtigen, Nachermittlungen… Die Anzahl der Strafanzeigen ist weniger geworden, bilanziert er. Und auch bei Verkehrskontrollen etwa wird der Mann von der Polizeistation Warin durch seinen Dienstvorgesetzten hinzugezogen.

Steinhusen hatte hier schon bis 2001 gearbeitet, als es in Warin noch eine Polizeistation mit mehreren Beamten gab. Danach war er im Schichtdienst im Polizeirevier Wismar tätig. Er wollte unbedingt raus aus der Schichtmühle, auch wegen der Familie. Als sich 2007 die Chance zur Rückkehr ergab, ergriff er sie.

Im Laufe der Wariner Zeit kam einiges zusammen. „Mord und Vergewaltigung hatte ich noch nicht, sonst hatte ich alles“, sagt der Neuklosteraner, der es gut findet, nicht am Wohnort zu arbeiten. „Damit abends nicht noch einer an der Haustür klingelt“, so Steinhusen. Das Prinzip bevorzugt auch Walus: „Man muss trennen können zwischen Dienst und Freizeit. Polizisten müssen sich auch entspannen können. Ansonsten würden die Kontaktbeamten ständig mit Problemen konfrontiert.“

Steinhusen ist gerne Polizist – und sehr gerne weiter in Warin. „In zehn Jahren lernt man Leute kennen.“ Und diese ihn… So war er jetzt auf dem Wismarer Weihnachtsmarkt eingesetzt. „Da traf ich natürlich auch Wariner und wurde angesprochen: ,Was machen Sie hier, haben Sie in Warin nicht genug zu tun!‘“.  Seit Sommer dieses Jahres gibt es in der Polizeistation schnelles Internet. Wer Warin kennt, weiß, das war lange ein Problem. „2007 arbeitete ich noch offline. Mit dem Stick ging es jedes Mal nach Wismar, 50 Kilometer hin und zurück. Alles war langwierig, das Einlesen des Sticks dauerte ewig“, bleibt für ihn unvergessen.

Heute würde auf „Präventation mehr geachtet“. Allerdings könnten ihn Senioren mehr ansprechen, hier gebe es „Berührungsängste“.

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