Jesendorf : Stundenschlag erklingt wieder

Sonnabend, 14.57 Uhr: Martin Maercker (l.) schiebt das Pendel an, während Uhrmachermeister Helmut Schmidt nach der Technik schaut.
Sonnabend, 14.57 Uhr: Martin Maercker (l.) schiebt das Pendel an, während Uhrmachermeister Helmut Schmidt nach der Technik schaut.

Beim Jesendorfer Dorffest wurde die Kirchturmuhr eingeweiht

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19. August 2019, 05:00 Uhr

Nach der Andacht laufen sie alle vor die Kirche und schauen hoch zum Turm. Dort prangt nun ein Zifferblatt. Die Zeiger stehen auf drei Minuten vor 15 Uhr. Die Uhr soll nun in Gang gesetzt werden und um 15 Uhr erstmals schlagen – vier Schläge vorweg, dann die drei Hauptschläge. Doch der Pastor hat seine Andacht 15 Minuten zu früh beendet. Das Warten wird zur Geduldsprobe…

Beim Jesendorfer Dorffest wurde die neue Kirchturmuhr eingeweiht. „Seit über 100 Jahren hat die Kirche keine Uhr mehr gesehen. Das bestätigen die ältesten Einwohner mit ihrer Aussage, sich an keine Uhr erinnern zu können“, so Martin Maercker, der Vorsitzende des Fördervereins zur Rettung der Jesendorfer Kirche. Aber dass es eine gab, beweist das alte, leider nicht mehr reparable Uhrwerk auf dem Kirchturmzwischenboden. Es soll eine Einzeiger-Uhr gewesen sein, so Maercker. Im April gab es für die Kirche und ihren Förderverein einen historischen Moment: Eine Scheckübergabe für eine neue, mechanische Kirchturmuhr. Überreicher waren die Wemag AG Schwerin zusammen mit dem 1. Mecklenburger Uhrenclub sowie der Stiftung Kirchliches Bauen. Doch gleich loslegen mit dem Einbau der Uhr – das war damals nicht möglich. Eine Dohle nistete im Falkenkasten. Erst als die Brut aus dem Nest war, konnte mit dem gar nicht so einfachen Einbau begonnen werden.

Eingebaut wurde nun ein Uhrwerk aus Calw aus dem Jahr 1956. Helmut Schmidt aus Leppin, Uhrmachermeister im Ruhestand, Sammler und Bastler, hatte sie aufgekauft. Und er hat dieses Uhrwerk auch im Jesendorfer Kirchturm eingebaut, nachdem Tischlermeister Wilfried Wilken aus Neukloster die Voraussetzungen geschaffen hatte. „Mit vielen Kräften aus der Gemeinde haben wir es geschafft. Familie Marcel und Frank Fink haben das Podest gebaut, die Feuerwehr aus Warin sorgte mit ihren technischen Möglichkeiten für die sichere Installation des Zifferblattes und Gemeindearbeiter Maik Greve hat kräftig geholfen. Ganz zu schweigen von den vielen Spendern“, so Martin Maercker. „In der letzten Woche war dann der Probelauf und alles ging wunderbar. Letzten Mittwoch mussten wir noch einmal die genaue Zeit einstellen. Plötzlich driftete die Welle etwas weg und schon ging nichts mehr. Da war die Aufregung groß. Aber Helmut Schmidt bekam die Sache wieder in Griff“, erzählt der Vereinsvorsitzende erleichtert.

Und nun standen der Vereinsvorsitzende und der Uhrmachermeister im Turm vor dem Uhrwerkskasten und warteten, dass die Zeit herankommt, dem Pendel einen Schubs geben zu können. 14.55 – 14.56 – 14.57 – Jetzt!
Draußen passierte aber erst einmal nichts. Die läuft nicht. Pastor Kunert wird leicht nervös. Doch, rief plötzlich jemand aus der Menge. Und wirklich, der Zeiger bewegt sich – die Uhr läuft. Zwei Minuten später ist auch ein überraschend leises Schlagen zu hören: vier Vorschläge für die volle Stunde und drei Schläge für 15 Uhr. Damit hat nun Jesendorf wieder eine funktionierende Kirchturmuhr.

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