Sternberg : Therapie für psychisch Kranke

Martina Schulz und Michael Stankowitz präsentieren stolz den „Langschläfer“. Fotos: Traudel Leske
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Martina Schulz und Michael Stankowitz präsentieren stolz den „Langschläfer“. Fotos: Traudel Leske

Der Verein „Grenzen-los“ gestaltete einen Weihnachtsbasar in Sternberg. Der Karikaturist Günter Endlich aus Güstrow war zu Gast.

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25. November 2015, 17:46 Uhr

Der AWGWohnblock mit den Aufgängen der Nummern 13 bis 18 am Serrahnsbach in Sternberg sieht auf den ersten Blick öde und verlassen aus. Denn der Zahn der Zeit hat kräftig an dem Gemäuer genagt. Doch hinter selbigem pulsiert das Leben. Und das hat seinen guten Grund. Denn hier hat sich trotz des schlechten Rufes der Wohngegend ein Verein eingemietet, der psychisch und abhängigkeitskranken Menschen einen Anlaufpunkt gibt und ihnen zu einem Weg zurück ins normale Leben verhilft. Es ist der Verein „Grenzen-los e. V.“, der im Jahre 2004 gegründet wurde und seinen Hauptsitz in Zehna hat. Geschäftsführer sind der Sozialwissenschaftler Dr. Martin Böhm und dessen Gattin Kerstin Bunte-Böhm. Insgesamt 18 Dreiraum-Wohnungen wurden hier, über den Block verteilt, angemietet. Und hinzu kommen noch einige Wohnungen, die von Betroffenen eigenständig genutzt werden. „Unser Verein bietet die ganze Palette eines sozialtherapeutischen Therapie-Programms an“, erzählt Dr. Martin Böhm. „Das reicht von Einzel- und Gruppengesprächen zur Krankheits-, Symptom- und Biografie-Bewältigung über soziales Kompetenztraining, Ergotherapie, kognitives Training, Sport und Bewegung, gemeinsame Freizeit-Aktivitäten bis hin zur individuellen Unterstützung bei Kritik und Anregungen.“ Kurzum gesagt: Der Verein fördere seit 2005 die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung dieser psychisch und/oder abhängigkeitskranken Menschen. So werde beispielsweise Unterstützung bei der Haushaltsführung, beim Wohnen und beim Umgang mit Geld gegeben. „Wir begegnen den Nutzern unserer Angebote auf gleicher Augenhöhe, respektvoll, offen, authentisch und wertschätzend“, erklärt Böhm. „Und wir bieten ihnen dabei gleichzeitig die Möglichkeit, ihre Grenzen auszutesten und zu reflektieren, um so ein realistisches Selbst- und Weltbild zu entwickeln. Die Betroffenen erleben innere und äußere Grenzen bewusst und werden bei ihren Entscheidungen durch unsere Mitarbeiter professionell begleitet und unterstützt.“ Ambulante Unterstützung mit Intensiv-Tagesstruktur werde auch in den ihnen eigenen Wohnungen bzw. in ihrer Häuslichkeit gegeben. Das Hauptaugenmerk liegt auf sozialer Akzeptanz und Integration. In Sternberg werden 16 psychisch Kranke betreut. 12 Plätze gibt es in Hagenow und acht in Parchim.

Am Dienstag dieser Woche hatte der Verein die Bevölkerung zu sich ins Haus eingeladen, um einen kurzen Einblick in seine Arbeit hier in Sternberg und im Landkreis Ludwigslust-Parchim geben zu können. Deklariert wurde das Ganze als kleiner Weihnachtsbasar. Im Angebot: Adventskränze, Weihnachtsgestecke, Weihnachtsschmuck, Ton- und Holzwaren und vieles mehr. „All dies haben wir im Rahmen unserer Ergotherapie mit viel Liebe fürs Detail selbst hergestellt“, erzählt Martina Schulz. Sie sei lange krank gewesen und musste viele Medikamente nehmen. „Das möchte ich aber nie wieder“, so die 53-Jährige, einst beschäftigt bei Dauerbackwaren. „Ich habe jetzt meine eigene Wohnung, werde ambulant betreut und komme zur Ruhe. Jetzt geht es mir gut. Und das verdanke ich in erster Linie dem Ehepaar Böhm.“ Diesem Lob konnten sich Heiko Schumann und Michael Stankowitz nur anschließen. „Auch ich habe jetzt meine eigene Wohnung und eine tolle Betreuung“, so Letzterer. Er sei Rangierleiter gewesen, sagt der 57-jährige Rentner. Nun nehme er sein Leben mehr und mehr in die eigenen Hände.

Als besonderer Gast konnte auf dem Weihnachtsbasar der Güstrower Karikaturist Günter Endlich – auch Illus-trator verschiedener Mecklenburger Bücher, unter anderem Kochbücher – begrüßt werden. Die Werke verkaufte er auch und signierte sie mit persönlicher Widmung. Endlich ist der Vater von Kerstin Bunte-Böhm und deshalb auch mit der Materie vertraut. Wer wollte, konnte sich auch von dem Künstler zeichnen lassen. In einer kleinen, zeitweilig eingerichteten Caféteria nebenan gab es Selbstgebackenes, Kaffee, Apfelpunsch sowie Tee und in einer „Suppenküche“ wurde leckere Kartoffelsuppe angeboten.

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