Hundeerziehung : Wenn der Hund zum Boss wird

Eintracht unter Frauchens Aufsicht: Hundeerzieherin und-verhaltensberaterin Helga Kastirke in Bolz mit dem Rottweiler Tyson, den Belgischen Schäferhunden Boy und Prinzessin sowie „Flohchen “, einer Bologneser-Hündin, und Chico vom Schwartzen Merlin, einem reinrassigen Belgischen Schäferhund. Fotos: Roland Güttler
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Eintracht unter Frauchens Aufsicht: Hundeerzieherin und-verhaltensberaterin Helga Kastirke in Bolz mit dem Rottweiler Tyson, den Belgischen Schäferhunden Boy und Prinzessin sowie „Flohchen “, einer Bologneser-Hündin, und Chico vom Schwartzen Merlin, einem reinrassigen Belgischen Schäferhund. Fotos: Roland Güttler

Verhaltensberaterin Helga Kastirke aus Bolz über die wichtige Rolle von Herrchen oder Frauchen als Ersatz-Rudelführer

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11. November 2017, 12:00 Uhr

„Soll sich der Hund in seinem Verhalten ändern, muss sich zunächst der Mensch ändern“ – dieser Maxime von Dr. Erik Zimen (†), Mitbegründer von Canis, dem Zentrum für Kynologie in Dillenburg, hat sich Helga Kastirke aus Bolz verschrieben. Sie ist eine von nur drei Personen in MV, die bei Canis über einen Zeitraum von drei Jahren Hundeverhalten studiert haben. Die Anerkennung als Lehrberuf ist laut Kastirke erst im Entstehen. Es gebe den Pferdefachwirt oder den Tierpfleger für Tierheime, aber noch nicht den Verhaltensberater für Mensch mit Hund.

Der Trend beim besten Freund des Menschen gehe hin „nicht nur zu einem Hund, sondern immer mehr zur Mehrfachhaltung von zwei bis zu fünf Hunden“, hat die Expertin ausgemacht. Dabei ist die Zahl der Vierbeiner, ob draußen oder im Haus bzw. in der Wohnung gehalten, eher zweitrangig. Es komme aufs Rollenverhalten an. Herrchen oder Frauchen könnten sich sicher sein, dass ihr Gefährte sie genau beobachte.

„Im Gegensatz zum Pferd als Fluchttier ist der Hund ein Rudeltier und ging schon sehr früh eine Beziehung mit dem Menschen ein“, betont die Bolzerin, die auf einen Knackpunkt verweist: „Hunde leben genetisch geprägt in Hierarchien, müssen einen Rudelführer haben. Im konkreten Fall ist es der Mensch.“ Der Hundebesitzer müsse dem gerecht werden, „will man den Hund nicht als Chef haben“. Wenn das Tier erst einmal die Rolle des Bosses inne habe, lasse sich das nur schwer wieder verändern. Darum appelliert die Expertin, bei Problemen sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu holen.

„Den eigenen Hund erzieht man mit dem Herzen, den fremden Hund mit dem Verstand. Am besten wäre eine Mischung aus beidem“, betont die Hundeverhaltensberaterin, die in Bolz zusammen mit ihrem Lebensgefährten Herbert Kasten die Hundeschule und -pension „Homocanidicus“ unterhält. Zehn Pensionshunde sind genehmigt, in der Hochsaison sind die Plätze meistens ausgebucht, aktuell sind es zwei Pensionshunde. Hinzu kommen sechs eigene Tiere: drei Belgische Schäferhunde, zwei Rottweiler und „Flohchen“, eine Bologneser-Fundhündin.

Seit August 2004 wohnt Helga Kastirke in Bolz. „Zuvor war ich 30 Jahre im Berliner Tierpark, anfangs beim berühmten Professor Dathe, als Tierpflegerin tätig.“ Jeweils acht Jahre war sie im Kindertierpark, wo sie auch mit Jungbären zu tun hatte, sowie im Alfred-Brehm-Haus (tropische Vögel) und im Hirschrevier. Nebenbei betrieb sie am Rande Berlins schon damals privat eine kleines Hundepension. Kastirke: „Der Bedarf war sehr groß. Beim Umzug nach Bolz sagte ich mir ,Das machst du hier auch!‘ Herbert Kasten hatte das Gelände dafür.

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