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Sternberg DDR-Charme an allen Ecken

Von Roland Gttler | 08.06.2017, 21:00 Uhr

Schulsporthalle am Finkenkamp benötigt Komplettsanierung. Dazu muss aber das Finanzpaket von 1,44 Millionen Euro stehen.

Über vier Jahrzehnte hat die Sternberger Schulsporthalle am Finkenkamp auf dem Buckel. Und das sieht man ihr an. Zwar wurde immer wieder mal etwas modernisiert, so gibt’s in der Männer-Umkleide seit einigen Jahren neue Duschen. Auch Teile des Parkettfußbodens wurden ausgewechselt.

Doch der DDR-Charme grüßt an und aus allen Ecken der Sporthalle, die äußerlich wie ein Industriebau wirkt. „Kein Wunder, die wurde einst vom Sternberger Metallbau errichtet“, erzählt Hausmeister Gerhard Schwemm beim gestrigen Rundgang durch „seine“ Halle. Seit 16 Jahren ist der gebürtige Sternberger hier der Hausmeister wie auch in der benachbarten Grundschule. Die Halle, Heimstätte des Sternberger Handballvereins, kennt der 60-Jährige freilich schon viel, viel länger. Seit 25 Jahren ist er ehrenamtlich Trainer, erst beim SV Aufbau, jetzt beim SHV. „Der Sternberger Handball-Vater Uwe Prütz hatte mich dafür gewonnen“, so Schwemm, der selbst mit dem Handballspiel anfing, als er Elf war. Seinerzeit bei Dynamo Sternberg, die Schulsporthalle gehörte bis zur Wende zur Polytechnischen Oberschule „Karl Liebknecht“.

Auch heute noch findet man hier so manches aus DDR-Zeiten: im Foyer hängt das Riesenbild mit Spartakiade-Motiv, welches laut Schwemm „auch nach der Hallensanierung bleibt. Das ist Geschichte“. Im Hausmeister-Büro stehen nicht nur Pokale über Pokale aus Vor- und Nachwendezeit, sondern auch die aus DDR-Kulturhäusern allseits bekannten grün- bzw. gelbkarierten Polsterstühle. Und sie halten immer noch…

Energetisch und auch in anderen Dingen ist mit der Schulsporthalle freilich kein Staat mehr zu machen. Schwemm: „Die Stromkosten sind viel zu hoch und auch weiteres muss unbedingt gemacht werden.“ Auch Heike Schwedt, Leiterin der Grundschule „Alexander Behm“ und Mitglied im Schulverband, zeigte sich gestern sehr erfreut, dass am Abend zuvor die Schulverbandsversammlung einen Grundsatzbeschluss über das 1,44 Millionen teure Gesamtprojekt fasste. Lediglich Borkows Bürgermeisterin Regina Rosenfeld enthielt sich der Stimme.

Für die Kommunen würde sich nach der Hallensanierung die Schulumlage erhöhen. Im Fall von Witzin mit seinen derzeit zwölf Schülern stiege diese jährlich von aktuell 12 000 auf dann 13 008 Euro, rechnete Sternbergs Bürgermeister Armin Taubenheim, zugleich Vorsitzender der Schulverbandsversammlung, vor. Berechnungsgrundlage sind die aufzubringenden 725 000 Euro an Eigenmitteln. Im Gesamtpaket enthalten sind ferner eine 50-prozentige Förderung durchs Land von 487 000 Euro für die energetische Sanierung sowie 300 000 Euro aus der Sportförderung. „Davon werden 75 Prozent gefördert“, so Taubenheim. „Ohne dies wäre das Projekt gar nicht denkbar“, betonte Dabels Bürgermeister Herbert Rohde gegenüber SVZ. Nur darum habe er letztlich zugestimmt. Zudem wurde beim MV-Bildungsministerium ein Antrag auf Sonderbedarfszuweisung von 350 000 Euro angemeldet. Dies würde die Steigerung der Schulumlage halbieren. Zudem seien aktuell die Kreditzinsen äußerst niedrig: 1,39 Prozent bei 15-jähriger Laufzeit. Die Finanzierung ist auf 30 Jahre Rückzahlung angelegt.

Einsparungen sollen durch Wärmedämmung und der Erneuerung der E-Anlage von Leuchtröhren auf LED erreicht werden. Die Bewirtschaftungskosten würden so von jährlich 25 000 auf 15 000 Euro sinken. Des Weiteren ist zur Errichtung von Tribünenplätzen sowie Umkleide- und Sanitärräumen ein eingeschossiger Anbau an der Westseite vorgesehen. Im Paket enthalten ist auch eine Abhebung der Hallengebühr für Vereine von bisher 20 Euro die Stunde auf dann 30. Der Kinder- und Jugendsport bliebe laut Taubenheim „aber auch künftig frei“.