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Förderschule Jeder nach seinen Fähigkeiten

Von kfri | 21.12.2017, 21:00 Uhr

Das Weihnachtsprogramm der Förderschule Sternberg bezog alle 96 Schüler ein. Blick in die Zukunft mit stellvertretender Schulleiterin

Wer gerade an diesem Tag in die Förderschule Sternberg wollte, konnte so oft klingeln, klopfen oder anrufen wie er wollte, auf dem gesamten Gelände war nirgendwo einer der 20 pädagogischen Mitarbeiter oder 96 Schüler anzutreffen. Die gesamte Schule war mit Mann und Maus, Hausmeister und Sekretärin beim Weihnachtsprogramm, welches in der Aula der benachbarten Kooperativen Gesamtschule Sternberg aufgeführt wurde. „Unsere Räume sind dafür zu klein“, erzählte Elke Prignitz der SVZ, stellvertretende Schulleiterin an der Bildungseinrichtung. „Zum Weihnachtsprogramm kommen ja auch alle Eltern und und zum Teil die Großeltern, die Aula war voll.“

An der Förderschule lernen derzeit 33 Schüler im Bereich „Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“ (G-Teil), der geistig behinderte Kinder und Jugendliche auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereiten soll, und im Bereich „Förderschwerpunkt Lernen“ (L-Teil) 63 Schüler von Klasse drei bis zehn. Das zehnte Schuljahr kann freiwillig abgeschlossen werden, damit erhalten die Schüler die Voraussetzung, um eine normale Ausbildung zu beginnen. „Das waren im letzten Jahr acht Schüler und in diesem Jahr werden es auch wieder acht sein“, weiß Elke Prignitz.

Beim Weihnachtsprogramm führte die Abschlussstufe des G-Teils das Märchen „Rotkäppchen und der Wolf“ in einer modernen Fassung auf, die Lehrerin Gudrun Schmidt geschrieben und einstudiert hat. „In dieser Version hat Rotkäppchen ein Handy und wird die ganze Zeit von einem rosa Häschen beschützt“, lacht Elke Prignitz.

Der L-Teil hatte ein Programm mit Weihnachtsliedern und Geschichten vorbereitet, vier Schüler spielten sogar auf der Gitarre, weitere zwei auf der Melodica. Lukas und Ronja führten durch das Programm.

„Das Schöne ist, dass bei uns alle Schüler mit einbezogen werden. Jeder nach seinen Fähigkeiten, ist ja unser Leitspruch“, sagt Elke Prignitz, die mit Leib und Seele Lehrerin an der Förderschule ist. Trotzdem der inklusive Unterricht - alle Schüler sollen gemeinsam an einer Schule unterrichtet werden - in Mecklenburg-Vorpommern begonnen hat, blickt sie in Bezug auf den Bestand ihrer Einrichtung optimistisch in die Zukunft. „Noch sind die Schülerzahlen bei uns stabil“, kann sie berichten. Weil die Kinder, die an der Grundschule auffällig würden, immer noch an die Förderschule geschickt werden. „Da zählt ja der Elternwille.“ Wenn bei einem Kind eine geistige Behinderung vermutet werde, würde dieses für eine Einschätzung an den diagnostischen Dienst beim Schulamt in Schwerin verwiesen.

„Aber die Kinder kommen jetzt immer später zu uns, erst in der vierten Klasse und danach“, so Elke Prignitz. Dadurch gebe es in den Klassenstufen eins bis drei im Moment nur fünf Schüler. „Diese werden zusammen in einer Klasse unterrichtet und individuell gefördert“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin. Aber pro Klasse gebe es immer mindestens zwei pädagogische Mitarbeiter.

Wie sich die Situation an der Förderschule Sternberg und für die Mitarbeiter dort entwickeln werde, sei ungewiss. „Man kriegt leider nirgendwo Antworten“, kritisiert die engagierte Lehrerin. „Ich begleite die Inklusion von Anfang an, habe mich weitergebildet. Ich bin eigentlich Diplomlehrerin und könnte auch woanders unterrichten, aber ich habe mich bewusst für die Förderschule entschieden. Wenn die Schule irgendwann aufgelöst werden sollte, gehe ich in den Vorruhestand. Ich hab’ schon zu Vieles ausprobiert.“