Hörartikel : Mitten in Coronakrise auch noch eine Mieterhöhung für die Schweriner

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Die WGS Schwerin hat jetzt in 4000 Fällen Mieterhöhungen ins Haus flattern lassen.
Die WGS Schwerin hat jetzt in 4000 Fällen Mieterhöhungen ins Haus flattern lassen.

Wohnungsgesellschaft Schwerin in der Kritik – Geschäftsführer Thomas Köchig begründet Maßnahme.

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23. März 2020, 16:30 Uhr

Gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Unsicherheit bedroht die Schweriner. Die Corona-Krise ist auch in der Landeshauptstadt längst nicht nur angekommen, sondern sie stürzt viele Menschen in Existenz-Ängste. Kurzarbeit, Jobverlust, die Aufgabe von Geschäften – all das schwebt nicht nur als Damoklesschwert über den Einwohnern, sondern hat zum Teil bereits gnadenlos zugeschlagen. Und nun das. Obwohl anderswo Vermieter bereits angekündigt haben, die monatlichen Beiträge für Wohnungen und Geschäftsniederlassungen zu halbieren, hat die Wohnungsgesellschaft Schwerin – kurz WGS – in 4000 Fällen Mieterhöhungen ins Haus flattern lassen. Einer der Mieter ist Hilmar Dieckmann. Er wohnt in der Pestalozzistraße und soll statt der bisher etwa 530 Euro Miete nun knapp 590 Euro berappen. Im Gespräch mit der SVZ macht er seinem Ärger Luft.

 

„Das macht mich fassungslos“

„Für mich ist das in dieser Situation ein absolutes Unding. Nicht, weil ich mir das nicht leisten kann. Mir geht es finanziell entsprechend gut. Aber ich habe im Mietercenter erfahren, dass die Erhöhungen flächendeckend sind. Das macht mich fassungslos“, sagt der Schweriner. Er ist sich sicher, dass es vielen Menschen nun direkt ins Mark treffe und mit der Erhöhung neuer Druck und weitere Ängste geschürt werden. Ursprünglich habe er an ein Versehen gedacht. Doch die Bestätigung habe er sich geholt.

Existenzängste bei Betroffenen

Auch in der politischen Landschaft sorgt die Mieterhöhung der WGS für offene Kritik. Die Fraktion der Unabhängigen Bürger will, dass der Geschäftsführer der WGS, Thomas Köchig, die Erhöhungen zurücknimmt oder aber aussetzt. Manfred Strauß (UB) missbilligt das Handeln der WGS: „Wir halten die Vorgehensweise angesichts der derzeitigen Umstände für unsensibel. Das Agieren lässt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Alles wird momentan in unserem Land runtergefahren. Viele Menschen sind sehr verunsichert angesichts der Corona-Krise.“ Manche Mieter würden mit Sicherheit Existenzängste durchleben, vor allem wegen der Gesundheit, aber auch wegen der ungewissen Jobaussichten. Denn viele Arbeitgeber müssten ihre Geschäfte schließen oder auf Sparflamme fahren. Deswegen komme die Mieterhöhung laut Straß zur absoluten Unzeit. „Selbst wenn es rechtlich in Ordnung sein sollte: Was wir nicht gebrauchen können, ist eine zusätzliche Verunsicherung der Menschen.“

Geschäftsführer wehrt sich gegen Vorwürfe

So will Thomas Köchig die Vorwürfe jedoch nicht stehen lassen. Der Geschäftsführer erklärt auf SVZ-Anfrage: „Niemand wird bei uns sein Gewerbe abmelden müssen oder seine Wohnung verlieren, weil er die Miete nicht mehr zahlen kann. So viel schon einmal vorweg.“ Dass der Zeitpunkt der Mieterhöhung unglücklich sei, räume er ein. Jedoch habe das einen einfachen Hintergrund. Jährlich gingen diese Bescheide heraus, vollautomatisiert und nach einem klaren Verfahren, das in 4000 Fällen nicht einfach zu stoppen sei. Und das sei auch gar nicht gewollt. „Ich halte nichts vom Gießkannen-Prinzip, nun flächendeckend helfen zu wollen. Es geht immer um die Menschen, die jetzt wirklich in wirtschaftliche Nöte kommen. Da werden wir selbstverständlich helfen. Das ist doch klar. Mit einem einfachen Schreiben an uns und einem Dokument, das zeigt, warum jetzt das Zahlen der Miete nicht möglich ist, werden wir auf ganz kurzem Weg die Miete stunden. Das ist vielfach bereits passiert“, so Köchig. In den meisten der 4000 Fälle gehe es allerdings auch um Wohnungen, die ohnehin von Ämtern gestützt würden. Es gehe also nicht direkt an den Geldbeutel der Mieter.

„Völlig falsches Zeichen“

Für Manfred Strauß geht es allerdings ums Prinzip. „Auch wenn die Wohnungswirtschaft von der Landes- und Bundespolitik Hilfsfonds fordert. Die Menschen erwarten jetzt Maßnahmen, die Zuversicht und Unterstützung aufzeigen, dazu gehört keine Mieterhöhung“, so der UB-Politiker. Auch WGS-Mieter Hilmar Dieckmann hält das Prozedere für fragwürdig: „Für mich ist das gerade ein völlig falsches Zeichen.“

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