Unsere Helden aus Lübtheen : Feuerwehrverrückte Familie aus Schwerin

Die Gemeinschaft innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Wickendorf schätzen Maik, Yannik, Cedrik und Annelie Schröder (v.l.) sehr. Fotos: Volker Bohlmann
Die Gemeinschaft innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Wickendorf schätzen Maik, Yannik, Cedrik und Annelie Schröder (v.l.) sehr. Fotos: Volker Bohlmann

Maik Schröder ist Wehrführer, seine Frau Annelie leitet die Jugendabteilung und auch die Söhne haben ihr zweites Zuhause im Gerätehaus

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17. August 2019, 05:00 Uhr

Aufgeregt läuft Yannik durch die Halle um das Löschfahrzeug. Auf seiner Hose und auf seinem T-Shirt prangen eine rote Miniversion des Feuerwehrwagens, der die volle Aufmerksamkeit des Vierjährigen bekommt. Noch ist er zu jung für die Nachwuchsabteilung, aber die Begeisterung für die Feuerwehr bereits entbrannt.

Einmal mit Papa Auto fahren – das ist der größte Wunsch von  Yannik Schröder.
Einmal mit Papa Auto fahren – das ist der größte Wunsch von Yannik Schröder.
 

„Autofahren mit Papa“, ist sein größter Wunsch. Mit strahlenden Augen macht er das Blaulicht an, ist etwas enttäuscht, dass die Sirene nicht ertönt. „Wenn er einen schlechten Tag hat und wir abends noch mal ins Gerätehaus fahren, dann hat er sofort gute Laune“, erzählt seine Mutter, Annelie Schröder von der Freiwilligen Feuerwehr Wickendorf in Schwerin, und hat dabei immer den Wirbelwind mit dem blonden Haar im Blick. „Und natürlich guckt er am liebsten ,Feuerwehrmann Sam’.“

Während Yannik noch ein paar Jahre auf den Einsatz in der Jugendfeuerwehr warten muss, darf sein Bruder Cedrik schon Schläuche schleppen und das Löschfahrzeug entdecken. Der Zehnjährige ist Mitglied der Jugendfeuerwehr, die seine Mutter seit 2004 leitet. Ein Problem hat er damit aber nicht. „Wir haben uns arrangiert“, sagt Annelie Schröder. „Besonders am Anfang habe ich schon sehr gefordert.“

Alles über die Geräte lernt Cedrik Schröder von seiner Mutter, die die Jugendwehr leitet.
Alles über die Geräte lernt Cedrik Schröder von seiner Mutter, die die Jugendwehr leitet.
 

Voller Stolz trägt Cedrik seine Uniform und den Helm. Begeistert mit seinem Enthusiasmus auch seine Mitschüler. In seinem Abschlussheft der vierten Klasse ist zu lesen: „Ich finde Dich so toll, weil Du so viel von der Feuerwehr erzählst.“ „Gerätekunde und Knotenlernen gefallen mir am besten“, erzählt er. Aber auch Wasserentnahme am offenen Gewässer, Schlauchstrecken und -kunde oder Brandklassen stehen auf dem Programm. Alle paar Monate dürfen die 26 Kinder beim Dienst der Jugendlichen selbst entscheiden, was sie machen wollen. „Manchmal wollen die Jungs und Mädchen auch einfach nur erzählen, was in der Schule los ist, was sie bedrückt“, sagt die Löschmeisterin.

Wenn das Ehepaar Schröder von seinem Ehrenamt spricht, dann leuchten ihre Augen. Und auch die Jungs strahlen, wenn sie das rote Auto entdecken. „Die Kinder sind beide feuerwehrverrückt“, erzählt Maik Schröder, der als Wehrführer seit 2006 die aktive Einsatzgruppe in Wickendorf leitet. „Das wäre aber bei Mädchen nicht anders gewesen.“ „Sie wachsen in der Gemeinschaft auf, fühlen sich hier sicher“, ergänzt seine Frau.

Und wenn es zur Katastrophe kommt wie in Lübtheen?

Die Familie fieberte mit. Litt mit den Betroffenen. Und dachte täglich an die Kameraden im Einsatz. „Jeden Abend saßen wir auf dem Sofa, haben die Ereignisse in den Medien verfolgt und waren ergriffen von der großen Hilfsbereitschaft“, erzählt Annelie Schröder. „Ich hatte eine Gänsehaut. Die bekomme ich heute noch, wenn ich daran denke“, sagt sie und schaut auf ihren Arm. Die Erinnerungen an den Waldbrand bei Lübtheen sind noch frisch.

Als die ersten Meldungen auftauchten, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz ein Feuer ausgebrochen war, beobachtete Familie Schröder mit Respekt die Geschehnisse, jede Sekunde bereit, einzuspringen und mitzuhelfen. „Wir haben uns innerlich darauf eingestellt, loszufahren“, erinnert sich Maik Schröder. Dann rief Landrat Stefan Sternberg (SPD) am Abend des 30. Juni den Katastrophenalarm aus. Und die Feuerwehrmänner und -frauen in Schwerin fingen an zu planen. Organisierten sich persönlich oder per Mobiltelefon, vernetzten sich mit den anderen Wehren der Stadt. Neun Wickendorfer Kameraden hätten sofort losfahren können, saßen gedanklich schon im Auto. Doch der Pieper blieb still. Das Telefon klingelte nicht. Das verwunderte die Feuerwehrleute. „Als Helfer aus Schleswig-Holstein angefordert wurden, haben auch wir mal nachgefragt, ob wir rausmüssen und wie wir eingeplant sind“, sagt Annelie Schröder. „Wir wollten helfen und standen zur Verfügung, aber der Befehl blieb aus.“ Also haben sie sich in den sozialen Medien in Helfergruppen vernetzt, um wenigstens auf diesem Wege, die Löscharbeiten und ihre erschöpften Kameraden vor Ort zu unterstützen.

Die Hilfe und die Kameradschaft – das sind die beiden wichtigsten Motivationen von Maik und Annelie Schröder für ihr ehrenamtliches Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr Wickendorf. Zusammen sind sie in dem nördlichsten Stadtteil Schwerins aufgewachsen. Er trat im Alter von acht Jahren der neu gegründeten Jugendfeuerwehr bei, sie kam mit elf dazu. Es entwickelte sich eine Freundschaft. Später kam die Liebe. Heute sind sie 34 Jahre alt, verheiratet, haben zwei Söhne, wohnen in Wickendorf und leben für die Feuerwehr. „Zwei Jahre haben wir mal in der Innenstadt gewohnt, aber die Fahrerei zum Gerätehaus war uns zu nervig“, sagt Annelie Schröder und lacht. „Hier verbringen wir einfach die meiste Zeit.“ Und hier trifft sich die Familie. „Meine Schwester ist ebenfalls Mitglied der aktiven Wehr, meine Mutter unterstützt die Arbeit des Fördervereins“, erzählt die Verwaltungsfachangestellte, die im Schweriner Schloss arbeitet. Die freiwillige Feuerwehr ist der Mittelpunkt des dörflich anmutenden Stadtteils. Osterfeuer, Herbstfeuer, Sitzungen des Ortsbeirates – das gesellschaftliche Leben spielt sich im und am Gerätehaus ab.

Eine ganze Familie im Einsatz für die Wehr – gibt es da auch mal Probleme?

„Nein, überhaupt nicht“, sagt der Wehrführer. „Tagsüber bringen wir bei einem Einsatz die Kinder zu unseren Nachbarn und Freunden. Nachts fahre nur ich los.“ Und manchmal kann auch der Wehrführer nicht in seine Uniform schlüpfen. „Als ich auf dem Airbeat-One-Festival gearbeitet habe, habe ich dort alles wetterfest gemacht, während mein Pieper Einsätze in Schwerin angezeigt hat“, erzählt der Veranstaltungsmanager, der in unserem Verlag arbeitet.

Doch es geht auch ohne ihn. Immerhin umfasst die Wehr 29 Kameraden, davon zwölf Frauen. Und ein Löschfahrzeug. Da gibt es hoffentlich bald ein neues – das ist der große Wunsch von Maik Schröder. „Vor Kurzem sind wir bei einem Einsatz sogar liegengeblieben mit Getriebeschaden, das war uns sehr unangenehm.“ Auch eine Erweiterung der Umkleiden und mehr Schränke stehen auf der Wunschliste. Dann ist die Wickendorfer Wehr bereit für den nächsten Einsatz. Wenn sie denn angefordert werden.

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am 7. September auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

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