Baum-Gutachter: Holz war zersetzt

Der Unglücksbaum: Vergangene Woche wurde auch der zum Teil ausgehöhlte Stamm abgesägt.
Der Unglücksbaum: Vergangene Woche wurde auch der zum Teil ausgehöhlte Stamm abgesägt.

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Ast-Abbruch wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung

nnn.de von
15. August 2019, 05:00 Uhr

Nach dem tragischen Unglück am 27. Juli auf der Freilichtbühne, bei dem 29 Menschen verletzt wurden, schaltet sich jetzt die Staatsanwaltschaft Schwerin ein. Auch die Ermittler hatten nach dem Astbruch vereidigte Sachverständige für Bruchverhalten, Verkehrssicherheit und Vitalität von Bäumen beauftragt, das Unglück zu untersuchen. Und die Resultate kommen nicht unerwartet. In der vorläufigen Beurteilung der unabhängigen Experten heißt es, dass der Bruch des Stämmlings auf eine ausgedehnte Holzzersetzung zurückzuführen sei.

Das zeigten jüngst auch schon die Bilder während einer SVZ-Recherche. Hier war der Unglücksbaum abgebildet – mit zum Teil ausgehöhltem Stamm.

Der Sachverständige hat jetzt weiter ausgeführt: „Im Rahmen einer Baumkontrolle fanden sich verschiedene Aspekte, unter anderem die auffällige Formierung der tiefen Stammbasis und der Wurzelanläufe, das Rindenbild des Stammes sowie den Druckzwiesel in sechs bis acht Metern Höhe, die Anlass gegeben hätten, den Baum einem qualifizierten Fachmann zur Beurteilung vorzustellen.“ Ob das im Vorfeld der Veranstaltung so stattgefunden hat und ob es dabei zu einem anderen Ergebnis kam, lässt sich bisher nur spekulieren. Bisher hatte der Veranstalter auf regelmäßige Kontrollen hingewiesen. Im Nachhinein wurden neben dem Unglücksbaum sechs weitere Buchen gefällt.

SVZ-Leser hatten auf noch mehr schadhafte Gehölze im Umfeld der Freilichtbühne hingewiesen. Auch Kiefern sollen sich bedrohlich neigen. Ein Gartenbauingenieur und Baumkontrolleur hatte für unsere Zeitung ausgesagt, dass es hundertprozentige Sicherheit bei Bäumen nicht gebe und gemutmaßt, dass der Abbruch des Astes nicht vorhersehbar gewesen sein könnte. Das sieht die Ermittlungsbehörde offenbar anders. Für die Staatsanwaltschaft steht fest: „Die wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung geführten Ermittlungen dauern an. Im Rahmen dieser wird gegenwärtig geprüft, wer bestehende Pflichten im Zusammenhang mit der Baumkontrolle verletzt haben könnte.“

Der Veranstalter C&M Management oder dessen Kontrolleure könnten also noch zur Verantwortung gezogen werden, sollten sich Beweise finden, dass es sich um Versäumnisse handelt. Die Staatsanwaltschaft weist im Zuge ihrer Ermittlungen trotzdem auf die Unschuldsvermutung hin.



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