100 Nationen in Schwerin : Das Dänische steckt in ihr

Behält sich die dänische Leichtigkeit: Christina Trumpler
1 von 2
Behält sich die dänische Leichtigkeit: Christina Trumpler

100 Nationen in Schwerin – heute: Christina Trumpler verkauft ein Stück Glück

von
19. August 2019, 07:06 Uhr

Claus Oellerking Menschen aus rund 100 verschiedenen Nationen leben in der Landeshauptstadt Schwerin und Umgebung. Einige von ihnen sind bereits eine lange Zeit bei uns in Deutschland, andere erst wenige Wochen. Sie alle haben ihre Geschichte. Einige von ihnen stellen wir vor. Heute: Christina Trumpler aus Dänemark.

Glück ist ein weitreichender Begriff, den jeder Mensch für sich definiert. Im World Happiness Report sind sechs Faktoren definiert, an denen ausgemacht werden kann, in welchem Land die glücklichsten Menschen leben. Dänemark belegt seit vielen Jahren Platz eins oder zwei auf der Liste der glücklichsten Länder der Welt.
Christina Trumpler ist in Kopenhagen geboren. Und obwohl sie mit ihrer Mutter Dänemark schon als Fünfjährige verlassen hat, hat sie das Dänische bewahrt und strahlt genau das auch aus: Glück und Zufriedenheit.

Die Goldschmiedemeisterin wohnt und arbeitet seit sechs Jahren in der Landeshauptstadt. Zuvor lebte sie in Lübeck, ging dort zur Schule. „Im Leistungskurs Kunst habe ich gerne gezeichnet. Ich mochte so kleine, feine Zeichnungen mit einem sehr spitzen Bleistift. ,Dann solltest du vielleicht Goldschmiedin werden’, sagte die Lehrerin und hatte mir in dem Augenblick einen Floh ins Ohr gesetzt“, erzählt Christina Trumpler mit einem Lachen.

Die junge Frau schreibt mehr als 40 Bewerbungen, gibt nicht auf und hat Glück. Der damalige Obermeister der Goldschmiedeinnung, Klaus Tünnermann, nimmt sie in die Lehre. Mit ihrem Gesellenstück gewinnt sie den Bundeswettbewerb „Die gute Form“ und erhält als Begabtenförderung ein Stipendium. Das nutzt sie für die Meisterschule.

Sie wechselt den Betrieb, arbeitet auch für die Kollektion von Michael Schoop aus Schwerin. Eine Weile pendelt sie von Lübeck aus für einige Tage in der Woche nach Schwerin, zieht schließlich mit ihren Kindern hierher. „Ich liebe das einfach. Wenn ich am Werkbrett sitze, bin ich bei mir, bin ich selig, glücklich und in meinem Element. Der größte Lohn ist der Moment, in dem die Kundin sich das Schmuckstück anlegt, in den Spiegel schaut und ihre Augen leuchten. Dann bin ich happy. Man verkauft ja Glück. Ich arbeite durch und durch in meinem Traumberuf.“

Das hat sich rumgesprochen. Die Kunden kommen auch von weither in das Geschäft in der Münzstraße. „Es ist toll hier mit den Läden und der Nachbarschaft. Wir alle engagieren uns aktiv für die Straße“, erzählt Trumpler und sorgt sich ein wenig um die Zukunft nach den Schließungen einiger Geschäfte in den letzten Monaten. „Schwerin ist eine traumhaft schöne Stadt und hat wirklich Potenzial. Allerdings ist es mehr eine Rentnerstadt. Eigentlich müsste eine Universität her. Die jungen Leute fehlen.“

Dänemark ist für Christina Trumpler zugleich Heimat und Urlaubsland. „Zuhause wurde immer Dänisch gesprochen. Heute muss ich schon mal mehr überlegen. Aber wenn ich dort bin, funktioniert der Übersetzungsmechanismus und ich denke auch wieder auf Dänisch. Das Dänische steckt einfach in mir.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen