Schwerins Winterferien-Paradiese : Die Geheimsprache der Adeligen

Mit bunten Fächern kommunizieren Kinder an historischer Stätte wie früher Herzöge und Prinzessinnen. Der Faltfächer ist dafür besonders gut geeignet.
Foto:
Mit bunten Fächern kommunizieren Kinder an historischer Stätte wie früher Herzöge und Prinzessinnen. Der Faltfächer ist dafür besonders gut geeignet.

Kinder lernen im Schloss, dass eine Unterhaltung auch mit Fächern funktionieren kann

nnn.de von
07. Februar 2018, 16:00 Uhr

Kinder wollen beschäftigt werden. Dies kann für die Eltern oder Großeltern gerade in den Ferien eine Herausforderung sein. Malen, lesen oder Computer spielen ist auf die Dauer langweilig. Aber für Schwerins Schüler gibt es reichlich Auswahl für besondere Ferienerlebnisse. Das Angebot reicht von Museumsführungen bis zum Trickfilm-Workshop. Heute: die Fächersprache im Schloss.

„Könnt ihr euch vorstellen, dass man sich mit Hilfe eines Fächers unterhalten kann?“, fragt Gerda Liberka. Mit einem lauten „Nein“ antworten die angesprochenen Kinder. Reden mit Fächern? Dafür ist doch ein Telefon da, sind sich die Kleinen sicher. Ganz unrecht haben sie damit nicht. Doch zu Zeiten von Herzögen und Prinzessinnen dienten Fächer statt Handys zur Kommunikation. In der Sylvestergalerie des Schlosses präsentiert Liberka verschiedene Modelle, denn Fächer ist nicht gleich Fächer. Einer sieht aus wie das stolze Rad eines Pfaus. Ein Radfächer. Nicht mehr und nicht weniger. Der Kaminfächer hatte eine doppelte Funktion. Er diente zum Anfachen des Kaminfeuers. Wurde es den Adeligen jedoch zu heiß, schützte der Fächer auch vor Hitze.

Am bekanntesten ist aber der Faltfächer. Den kennen auch die Kinder. Kaum in der Hand, schlagen sie die bunten Papierobjekte auf und wedeln sich Luft zu. „Der Faltfächer kann aber für noch viel mehr genutzt werden“, sagt Museumsführerin Liberka. Sie hält den Fächer vor den Oberkörper. „Diese Geste diente als Begrüßung“, erklärt die Expertin. Schnell kopieren die Kinder die Haltung und grüßen zurück. Einfache Fragen können mit dem Fächer ebenfalls beantwortet werden. Liegt er an der rechten Wange, signalisiert die Person Zustimmung. Ablehnung belegt die gleiche Haltung an der linken Wange. Mit dem Fächer reden findet der achtjährige Albert zwar spannend, er ist jedoch froh, dass er es auch ohne kann. „Mit Fächer ist das doch zu kompliziert“, findet auch der gleichaltrige Kai.

Gerda Liberka wickelt sich ein Spitzentaschentuch um den Zeigefinger. Sie hat sich nicht etwa verletzt, sondern zeigt, dass auch Taschentücher als Kommunikationsmittel dienen konnten. „Wäre ein junger Mann an mir interessiert, wüsste er jetzt, dass ich verlobt bin.“

Im Bastelraum beendet die Gruppe den Besuch. Bunter Karton liegt auf den Tischen. Begeistert fangen die Kinder an, diesen zu knicken. Am Ende hat jeder seinen eigenen Faltfächer. Und wer will, kann zu Hause zeigen, wie damit die Geheimsprache funktioniert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen