Hinter den Türen des Staatlichen Museums : Ein Beruf, der Gold wert ist

<p>Säubert die wertvolle Porzellansammlung: Katalin Baruth</p>

Säubert die wertvolle Porzellansammlung: Katalin Baruth

nnn.de von
24. März 2019, 05:00 Uhr

Hier drin muss sich etwas Wertvolles befinden:106 Kilogramm wiegt die große, weiße Kiste mit den bunten Aufdrucken. Auf einem gelben Aufkleber steht, wo die Fracht herkommt: New York. Viele Schrauben verschließen die Kiste. Vorsichtig werden im Staatlichen Museum Schwerin die Schrauben gelöst. Und der Deckel der Holzkiste wird abgehoben, um zu sehen, wie der Zustand des Inhalts ist. Denn was sich darin verbirgt, ist klar: Kunstwerke von Marcel Duchamp.

Die Diplom Restauratorin Claudia Köhler untersucht die Kunstobjekte vorsichtig. Die Werke, die Teil der Sammlung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern sind, werden noch in diesem Jahr im Staatlichen Museum Schwerin gezeigt. Nun kommen sie zurück aus der Paul Kasmin Gallery aus New York.

Hintergrund: Marcel Duchamp

Das Staatliche Museum Schwerin besitzt mehr als 90 Werke des französisch-amerikanischen Künstlers Duchamp. Das ist damit die zweitgrößte Kollektion in Deutschland. Ein Höhepunkt seines Schaffens sind die Ready mades, mit denen er Alltagsgegenstände in Kunst verwandelte.

Für eine Ausstellung hatte das Museum die Werke in die USA geschickt. Claudia Köhler prüft zusammen mit Volontärin Katalin Baruth und Sammlungsverwalter Volker Grießing, ob die Werke Beschädigungen aufweisen, die noch nicht da waren, als das Museum sie verliehen hat.

<p>Untersucht die Schneeschaufel von Marcel Duchamp: Claudia Köhler</p>
Marlena Petersen

Untersucht die Schneeschaufel von Marcel Duchamp: Claudia Köhler

Diese Anlieferungen sind auch für Claudia Köhler immer wieder etwas Besonderes. Auch das Untersuchen der Werke macht ihr Spaß. Jeder kleinste Schaden, jede Auffälligkeit wird akribisch notiert und dokumentiert. Anschließend werden die Kulturgüter wieder ins Schweriner Depot gebracht, wo sie verwahrt werden. Bis zur nächsten Ausstellung von Marcel Duchamp „Das Unmögliche sehen“, die ab 29. März im Staatlichen Museum Schwerin zu sehen ist.

Mit Fingerspitzengefühl

Neben der Dokumentation und Kontrolle der Leihgaben, die im Museum ankommen oder es verlassen, arbeiten die Restauratorinnen an historisch bedeutenden Schätzen. Zurzeit bearbeiten sie Objekte der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin, die für die anstehende Dauerausstellung im Schweriner Schloss vorbereitet werden.

Die zum Teil beschädigten Teile müssen originalgetreu restauriert werden, jedoch sollten die Retuschen für den Experten sichtbar bleiben, um nachträgliche Arbeiten an dieser Stelle zu erleichtern. Nachdem die 30-jährige Volontärin ein fehlendes Stück an einem Porzellanteller modelliert hat, geht es an die richtige Farbmischung, die selbst angemischt wird. Besonders viel Fingerspitzengefühl ist nötig, um einen glatten Übergang von den Retuschen zu dem Original zu schaffen.

Ergänzungen aus Gold stellen die größte Herausforderung dar. Katalin Baruth
 

Einige Teile sind in einem guten Zustand und haben keine Bearbeitung nötig. Doch jedes Stück muss gereinigt werden.

Als Katalin Baruth ihre Ringe und ihre Uhr abgelegt hat, die bei den Restaurierungsarbeiten schnell Kratzer verursachen, nimmt sie eine mit Gold verzierte Porzellan-Schale vom Tisch. Die studierte Restauratorin sieht auf einen Blick, dass die Schale für die anstehende Ausstellung gesäubert werden muss. Sie tunkt den kleinen Holzstab mit Watte an der Spitze in destilliertes Wasser, bevor sie ihn durch die edlen Vertiefungen zieht. Nach kurzer Zeit ist die Watte verfärbt. Sie rupft ein neues Büschel ab und wickelt es um das Stäbchen. Rund eineinhalb Stunden dauert es, bis die Schale wieder in altem Glanz erscheint.

<p>Mit destiliertem Wasser reinigt Katalin Baruth das Gold</p>
Marlena Petersen

Mit destiliertem Wasser reinigt Katalin Baruth das Gold

 

Der Teufel steckt im Detail

Die feinen Malereien sind sehr klein und trotzdem sehr detailreich. Um kleinste Verschmutzungen oder Schäden auf den Porzellanmalereien zu erkennen, kann die Volontärin durch das Mikroskop, das am Computer angeschlossen wird, sehen, wo sie noch etwas aufarbeiten muss.

Und wer weiß, vielleicht werden die frisch restaurierten und gut gereinigten Porzellanobjekte auch bald in eine große, weiße Klimakiste gut behütet verpackt ans andere Ende der Welt geschickt, um dort in einer Ausstellung gezeigt zu werden.

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