Nach der Kommunalwahl : Generationswechsel bei den Linken

Der neue Fraktionsvorstand: Jacqueline Bernhardt, Andreas Sturm und Steffi Pulz
Der neue Fraktionsvorstand: Jacqueline Bernhardt, Andreas Sturm und Steffi Pulz

Kreistagsfraktion will, dass die Gemeinden vom Ausbau der Windkraftanlagen profitieren

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14. Juni 2019, 05:00 Uhr

Die Linke im Kreis Ludwigslust-Parchim meint es ernst mit einer Erneuerung. Sie hat nach der Kreistagswahl, bei der sie zwei ihrer bisher 14 Sitze verlor, einen neuen Fraktionsvorstand gewählt. Neben Friedrichsruhes Bürgermeister Andreas Sturm als Vorsitzenden haben zwei Frauen die Führung der Kreistags-Linken übernommen: Jacqueline Bernhardt und Steffi Pulz. Das spiegelt den geradezu revolutionären Frauenanteil in der Fraktion wider – neun der zwölf Abgeordneten sind weiblich. Die CDU als stärkste Fraktion mit 20 Sitzen hat eine Abgeordnete, die SPD sieben. „Das haben wir durch eine Frauenquote bei der Wahl erreicht. In jedem Wahlbereich standen eine Frau und ein Mann zur Abstimmung“, sagt Jacqueline Bernhardt, die auch schon zuvor im Kreistag saß und den Jugendhilfeausschuss leitete. Zudem ist sie Abgeordnete der Linken im Landtag.

Doch die Fraktionsspitze zeigt nicht nur den Willen zur Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern auch der Generationen. Die 37-jährige Steffi Pulz ist neu im Kreistag und erst recht an der Fraktionsspitze. „Ich bin seit drei Jahren in der Partei und arbeite schon lange als sachkundige Einwohnerin in der Stadtvertretung von Parchim“, erzählt sie. Dort hat sie sich für Parchim als „Fairhandelsstadt“, für Plastikvermeidung sowie Klimaschutz eingesetzt und ist engagiert in der Flüchtlingsarbeit. Diese Themen sind ihr auch kreisweit wichtig, aber vor allem: „Wir sind das Bollwerk gegen rechts“, betont sie. „Mit der neuen AfD-Fraktion Mehrheiten im Kreistag zu finden, wird für alle anderen Parteien eine Herausforderung“, hakt Andreas Sturm ein. „Wir werden keine Anträge der AfD unterstützen und keine AfD-Mitglieder in Ausschüsse wählen.“ Die AfD erhält zehn Sitze im Kreistag, vor der Wahl hatte sie nur zwei. Der als völkisch-nationalistisch geltende Co-Landesvorsitzende Dennis Augustin wurde zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Die Linken, die kreisweit 435 Mitglieder haben, wollen nah an den Menschen agieren und mit ihnen vor Ort ins Gespräch kommen. „Wir wollen uns für Mobilität und einen besseren Öffentlichen Nahverkehr einsetzen“, so die 42-Jährige Bernhardt, „und vor allem für sozial Benachteiligte wie Alleinerziehende.“ „Wir wollen auch danach forschen, warum das Schülerfreizeitticket, für das wir uns so eingesetzt haben, so schlecht angenommen wird“, ergänzt Sturm. Bisher nutzen es nur 35 Schüler im Landkreis.

„Ein wichtiges Thema wird für uns weiterhin der Ausbau der Windkraft sein. Wir sind für erneuerbare Energien. Aber die Energiewende muss sozial und ökologisch sein. Die von Windparks betroffen Gemeinden müssen davon profitieren. Der Windkraftausbau darf nicht ein Motor für den Turbokapitalismus werden.“ Der Brandenburger Landtag habe gerade die Einführung eines „Windkraft-Euros“ beschlossen. Jeder Windkraftbetreiber muss in Zukunft für jedes neue Windrad eine Sonderabgabe von 10 000 Euro pro Jahr an die Gemeinden im Umkreis von drei Kilometern zahlen.

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