Schwerin : Kurze Wege, lange Freundschaft

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Vom Maschsee an den Pfaffenteich: Jörg Neiseke aus Hannover lebt heute in Schwerin. Im Ehrenamt hilft er Jugendlichen und freut sich über ihre Dankesbriefe.
Vom Maschsee an den Pfaffenteich: Jörg Neiseke aus Hannover lebt heute in Schwerin. Im Ehrenamt hilft er Jugendlichen und freut sich über ihre Dankesbriefe.

Vermessungsingenieur Jörg Neiseke mag die Stadt und ihre Menschen und möchte als Kiwanis-Präsident hier viel Gutes tun

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06. August 2019, 12:00 Uhr

Lautes Kinderlachen aus der nahen Kita dringt auf den Hinterhof an der Alexandrinenstraße 26/27. Hier ist der Eingang zum Vermessungsbüro Urban und Neiseke. Jörg Neiseke genießt dieses Geräusch mitten in der Stadt, er kann nicht verstehen, wie sich andere Menschen über Kinderlärm ärgern können. Für den 53-Jährigen gehört das zur Lebensqualität in seiner Wahlheimat Schwerin. Seit 19 Jahren lebt und arbeitet er hier. Der gebürtige Hannoveraner, der in den 90er-Jahren in Hamburg arbeitete, weiß in Schwerin neben der herrlichen Natur und dem Kulturangebot vor allem die kurzen Wege zu schätzen. „In Hamburg bin ich abends gerne mal 45 Minuten mit der S-Bahn unterwegs gewesen, nur um mit Freunden ein Bier trinken zu gehen“, sagt er kopfschüttelnd. „Das kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen.“ Dass er sich im Jahr 2000 dafür entschieden hat, in Schwerin ein Vermessungsbüro zu übernehmen, bereut er keinen Tag. Obwohl: Ganz so leicht war es mit den Ur-Mecklenburgern anfangs nicht. Aber inzwischen hat er sie für sich gewonnen. „Wenn man einen echten Mecklenburger erstmal zum Freund hat, dann bleibt er es für die Ewigkeit“, sagt er lächelnd.

Jörg Neiseke ist seit 2008 Mitglied im Serviceclub Kiwanis, seit fünf Jahren ist er sogar Präsident des Schweriner Clubs. Der Wunsch der knapp 20 Mitstreiter ist es, jungen Menschen zu helfen, die es nicht ganz so leicht haben im Leben, denen auch aus finanziellen Gründen manche Möglichkeiten versperrt sind. „Wir möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt er schlicht.

Der Niedersachse studierte nach seinem Abitur in Hannover Geodätie, arbeitete als Angestellter in Hamburg, machte sich dann in Schwerin selbstständig. Heute ist er öffentlich bestellter Vermessungsingenieur, darf in MV also auch Grund und Boden vermessen. „Die Vermessung von Straßen, Windparks, Baumkataster und anderes dürfen wir aber in ganz Deutschland machen“, erkärt er. Seinen Beruf findet er immer noch spannend, erzählt voller Leidenschaft von Abstandsberechnung zwischen Haus und Grundstücksgrenze, über die Vorschriften zu Kies in Vorgärten oder die Präzision der Vermessung vor 70 Jahren. Genauso gerne spricht Jörg Neiseke aber auch über Kiwanis. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder im Weinhaus Wöhler, planen Aktionen wie das jährliche Sommerfest, den Martensschmaus oder den Glühweinausschank auf dem Weihnachtsmarkt. Bei diesen Anlässen werden die Spenden reingeholt, meistens 5000 bis 6000 Euro im Jahr, sagt Neiseke. Schweriner Jugendliche profitieren davon, für sie werden zum Beispiel Schulmaterialien gesponstert oder Ausflüge organisisert. Zuletzt besuchten Förderschüler auf Kiwanis-Kosten das Max Giesinger-Konzert in der Kongresshalle, trafen den Musiker zum Gruppenfoto. Für viele war es das schönste Erlebnis ihres Lebens, schrieben sie als Dank an den Serviceclub und bastelten den Spendern ein kleines Fotoalbum. Jörg Neiseke ist davon ehrlich gerührt: „Wenn man solche Briefe liest, weiß man, dass sich die Arbeit gelohnt hat.“

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