Lewitzdorf Jamel : Kuschliger Schutz gegen den Wolf

Zwölf Wochen alt  sind Artur und Bruno und schon jetzt stattliche Burschen. Sabine Firnhaber hat die Namen nach ihrer Bedeutung gewählt– sie stehen für Bär und sollen somit dem Wolf Respekt einflößen und ihn fernhalten.
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Zwölf Wochen alt sind Artur und Bruno und schon jetzt stattliche Burschen. Sabine Firnhaber hat die Namen nach ihrer Bedeutung gewählt– sie stehen für Bär und sollen somit dem Wolf Respekt einflößen und ihn fernhalten.

Auf dem Hof der kleinen Schäferei im Lewitzdorf Jamel setzen Susanna und Sabine Firnhaber jetzt auf Herdenschutzhunde

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03. Januar 2018, 05:00 Uhr

Noch laufen sie etwas tapsig über die Wiesen bei Jamel. Doch bald sollen Artur und Bruno die mehr als 60 Schafe und 30 Ziegen im Lewitzdorf vor dem Wolf beschützen. Das ist jedenfalls der Plan, den Sabine und Susanna Firnhaber mit den beiden Herdenschutzhunden verfolgen. Die puschelige Mischung aus Pyrenäenberghund und Maremmano-Abruzzese sind jetzt zwölf Wochen alt. Der Schutztrieb sei ihnen angeboren, doch bis sie die Weidetiere wirklich bewachen, werden noch einige Monate ins Land ziehen: „Mit zwei Jahren können sie die Herde allein bewachen und wir hoffen, dass der Wolf nicht vorher Schaden anrichtet“, sagt Susanna Firnhaber, die mit ihrer Frau Schafe und Ziegen als Landwirtin im Nebenerwerb züchtet.

Selbst gesehen haben beiden den großen Beutegreifer noch nicht, aber von ihm gehört. „Und die Jäger in der Region haben ihn bereits mehrfach auf Kameras festhalten können. Bei den jüngsten Treibjagden im Umkreis wurden zudem welche gesehen“, erzählt Susanna Firnhaber. Sie ist sich sicher, dass der Wolf allein mit einem Schutzzaun nicht von ihren Tieren fernzuhalten ist. „Man muss sich nur einmal anschauen, wie Wölfe in Tierparks oder Zoos gehalten werden, dann ist auch klar, wie Schäfer ihre Tiere schützen müssten“, sagt die Jamelerin. „Das ist nicht praktikabel“, ergänzt Sabine Firnhaber. Deshalb setzen sie nun auf Artur und Bruno. Eine Unterstützung vom Land für den Wolfsschutz haben die beiden nicht bekommen. „Wir haben erst gar keinen Antrag gestellt, die Hürden sind viel zu hoch“, sagt Susanna Firnhaber und verweist auf die Förderrichtlinie des Landwirtschaftsministeriums MV. Sie hätten zunächst auf die Bewilligung des Antrags warten müssen. „Aber die Rüden waren jetzt zu haben. Und wir wollten auch genau diese beiden.“

Dass damit auch die Kosten steigen, nehmen die Nebenerwerbs-Landwirtinnen in Kauf. Sie rechnen gut 1000 Euro Unterhaltskosten pro Tier mit Futter, Versicherung, Tierarztkosten und Steuern pro Jahr.

Mit Blick auf das vergangene Jahr fällt den beiden das Mutfassen zuweilen schwer. Seit nunmehr 14 Jahren sind sie in Jamel und bewirtschaften 14 Hektar – vorrangig Weideland. „So nass war es noch nie. Wir haben das gesamte Jahr Winterprogramm gefahren – zugefüttert und konnten so gut wie gar nicht auf die Weide“, erzählt Sabine Firnhaber. Noch immer spiegeln sich hochstehende Grasbüschel in den großen Flachwasserseen auf den Wiesen. Seit dem Sommer ist das so.

Nicht nur das frische Grün war im vergangenen Jahr knapp. Heu und Stroh gab es für die Walliser Schwarznasen, Thüringer Waldziegen, nicht von den eigenen Wiesen. Die Züchterinnen mussten es kaufen. In der Region? Fehlanzeige. „Wir lassen es aus Schleswig-Holstein liefern, da kommen dann auch noch höhere Lieferkosten hinzu“, gibt sie zu bedenken. Dennoch schaut das Duo zuversichtlich auf das neue Jahr: „Es kann nur besser werden und wir haben mit Bruno und Artur kuschligen Familienzuwachs, mit dem es sicher nicht langweilig wird“, sagen die Schäferinnen. Noch seien die beiden Welpen auf Kennenlernkurs mit allen anderen Tieren auf dem Hof.

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