Schweriner Umland : Rastlos, fröhlich und einsam ins neue Jahr

In den Gemeinden rund um die Landeshauptstadt gab es auch diesmal wieder viele Arten, die Silvesternacht zu verbringen:

nnn.de von
01. Januar 2018, 20:45 Uhr

Während die einen 2018 klassisch mit Sekt und buntem Raketen-Zauber begrüßten, sorgten andere in der Region Schwerin für schnelle Hilfe oder bereiteten sich auf die Frühschicht vor:

Raul Mukhadgverdeli feierte ganz allein.
Raul Mukhadgverdeli feierte ganz allein.
 

2800 Kilometer von zu Hause entfernt

Auf knapp vier Quadratmetern wartet Raul Mukhadgverdeli auf einem Parkplatz bei Lübesse, dass die Tage vergehen. Dass Silvester ist, weiß der Lastwagen-Fahrer zwar, doch der 42-Jährige hat ein ganz anderes Ziel vor Augen: den 2. Januar. Dann kann der Georgier seine Ladung abliefern, neue Ware entgegennehmen und weiter Richtung Belgien fahren. Seine Familie stößt gut 2800 Kilometer entfernt von ihm auf das neue Jahr an – zu Hause in Tiflis warten seine Frau und zwei Kinder auf ihn. Allerdings noch drei Monate. So lange wird Raul Mukhadgverdeli noch unterwegs sein. Die Zeit an den Feiertagen vertreibt er sich in seiner Fahrerkabine mit Fernsehgucken. „Ich habe zahlreiche Filme dabei, lese ein bisschen und telefonieren ab und zu mit der Familie“, sagt er. Ein bisschen traurig sei es schon, so ganz allein in ein neues Jahr zu starten. „Doch so ist das in meinem Job.“

130 Gäste hatten Mario Palm und Sven Pinnow.
130 Gäste hatten Mario Palm und Sven Pinnow.

Ein großes Fest mit Familie und Freunden

Mit guter Laune und viel Musik haben die Mitglieder des Banzkower Carnevalclubs BCC und der Freiwilligen Feuerwehr die letzten Stunden des alten Jahres verbracht und mit viel Raketen-Zauber das neue Jahr begrüßt. Seit drei Jahren organisieren sie unter der Federführung von Mario Palm und Sven Pinnow eine große Vereins-Silvesterfete, zu der auch Freunde und Förderer eingeladen sind. „Das ganze Jahr sind wir zusammen – planen, feiern Karneval, meistern auch schwere Situationen“, erklärt Mario Palm den Ansporn, auch die Silvesternacht in Gemeinschaft zu feiern. 130 Gäste hatten sich im Störtal eingefunden. „Es ist ein Fest für die ganze Familie und bevor alle in kleinen Gruppen im heimischen Wohnzimmer sitzen, machen wir hier eine große Sause“, erklärt Sven Pinnow. Sieben Kameraden hatten Einsatzbereitschaft. Los musste aber keiner.

Im Dienst: René Gorlt, Stefan Krömer, Tilo Berg
Im Dienst: René Gorlt, Stefan Krömer, Tilo Berg
 

Martinshorn statt pfeifender Pyrotechnik

Im Fernseher werden die musikalischen Höhepunkte 2017 gezeigt. Das alte Jahr ist so gut wie vorbei. Doch für die Notfallsanitäter der Rettungswache Crivitz ist erst Halbzeit. Morgens um 8 Uhr war Dienstbeginn – für 24 Stunden. Um 23 Uhr haben René Gorlt, Stefan Krömer und Tilo Berg sechs Einsätze hinter sich. Es sei ein „normaler Dienst“, erklären die Notfallsanitäter. Sie rücken aus, wenn Personen akut oder bedrohlich erkrankt sind. Es komme vor, dass sie Punkt Mitternacht direkt im Einsatz sind. „Manchmal konnten wir auch hier in der Wache aufs neue Jahr anstoßen – selbstverständlich ohne Alkohol“, sagt Stefan Krömer. Dass die Männer in der Silvesternacht Dienst haben, statt mit der Familie zu feiern, stört sie nicht: „Für uns ist es ein normaler Arbeitstag mit außergewöhnlichen Menschen“, sagt René Gorlt.

Ingo Melchin kümmert sich ums liebe Vieh.
Ingo Melchin kümmert sich ums liebe Vieh.
 

In der Früh warten wieder die Kälbchen

Kühe kennen keinen Sonn- und keinen Feiertag. Und so müssen Landwirte vielerorts auch am Silvestertag wie auch am Neujahrsmorgen in den Stall. Einer von ihnen ist Ingo Melchin. Der Herdenmanager der Agrargemeinschaft Lübstorf ist in diesen Tagen zuständig für das Wohl von 120 Kälbern in den Ställen in Alt Meteln. Ein Kollege ist ausgefallen, so muss der 53-Jährige ran – selbst das Milch-Taxi von Box zu Box manövrieren. „Drei Mahlzeiten pro Tag bekommen sie. Immer 3,3 Liter Milch pro Kalb.“ Ihm macht die Arbeit über den Jahreswechsel nichts aus. Bei den Tieren sieht es anders aus. Für sie bedeute die Silvester-Knallerei Stress. „Kühe sind sehr empfindlich, mögen keinen Lärm. Am Neujahrsmorgen sind es sicher wieder zwischen 300 und 400 Liter weniger Milch“, versichert der Herdenmanager. „Zum Glück wird nur einmal im Jahr geknallt.“

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