Ausbau der Bahnstrecke : Routine beim Umsteigen

Bus statt Bahn: Helga und Peter Grundmann aus Köln müssen nicht auf ihren Ausflug nach Wismar verzichten.
Bus statt Bahn: Helga und Peter Grundmann aus Köln müssen nicht auf ihren Ausflug nach Wismar verzichten.

Reisende nehmen Schienenersatzverkehr zwischen Schwerin und Bad Kleinen gelassen, Wartezeit am Nachmittag noch in der Kritik

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09. Februar 2018, 21:00 Uhr

„So sehen wir auch mal etwas von den kleinen Orten an der Bahnstrecke.“ Helga und Peter Grundmann aus Köln sehen den Schienenersatzverkehr zwischen Schwerin, Bad Kleinen und Wismar aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel – und nehmen es mit rheinischem Frohsinn. Dabei ist das Ehepaar dem Karnevalstrubel daheim entflohen, verbringt die fünfte Jahreszeit im ruhigen Norden.

Schwerin ist dabei schon zum wiederholten Male das Ziel der Kölner. „Auch wegen des Theaters“, verrät Helga Grundmann. „Dieses Mal sehen wir uns die Oper ,Otello’ an.“ Auch ein Ausflug nach Wismar steht auf dem Programm. In die Hansestadt geht es nun mit dem Bus und nicht per Zug. „Wir wussten schon beim Buchen, dass die Bahnstrecke gesperrt ist“, erzählt Peter Grundmann. „Das ist doch kein Problem. Wir kommen sicher an die Ostsee und zurück in unser Hotel.“

Auch Paul Sens sieht den Schienenersatzverkehr gelassen. Der Schweriner stammt aus Greifswald und ist daher öfter mit der Bahn quer durch MV unterwegs. „Es ist ja nicht die erste Sperrung. Und bislang habe ich nie Probleme gehabt“, sagt der junge Mann.

Maika Wegner aus Torgelow fand hingegen die Haltestellen für den Ersatzverkehr vor dem Bahnhof nicht auf Anhieb. „Hier gibt es ja so viele Bushaltestellen“, fügt sie an. Dass sie deutlich länger unterwegs ist, sei schon nervig: „Aber Bau ist Bau, da kommt das eben vor.“

Die kleine Umfrage vor dem Schweriner Hauptbahnhof bestätigt, was Burkhard Ahlert von der Deutschen Bahn und Katharina Hoffmann von der Ostdeutschen Eisenbahn Gesellschaft gleichlautend betonen: Der Schienenersatzverkehr laufe recht gut, es gäbe nur wenige Beschwerden. Ein Kritikpunkt der Reisenden seien die bis zu 50-minütigen Wartezeiten am Nachmittag, bis der Bus nach Bad Kleinen abfährt, so Ahlert.

Die Deutsche Bahn als Bauherrin hat sich auch gründlich auf das Großprojekt vorbereitet. Über die Vollsperrung zwischen Schwerin und Bad Kleinen, die am 8. Januar begann und noch bis zum 14. April gehen wird, wurde früh informiert – und das nicht nur auf den Internetseiten der beiden Unternehmen oder bei der Auskunft. Auch eine 38-seitige Broschüre mit allen Verbindungen wurde gedruckt. Die liegt nicht nur an den Bahnhöfen aus, sondern auch in den Zügen. Vor dem Schweriner Hauptbahnhof stehen zudem Zugbegleiter, die Reisenden helfen, den richtigen Bus zu finden. Denn es fahren auch Schnellbusse ohne Halt nach Rostock durch. Zwischen Schwerin und Wismar fahren ausschließlich Ersatzbusse. Viele Reisende müssen aber nur bis Bad Kleinen den Bus nehmen, um dann wieder in einen Zug in Richtung Rostock oder Lübeck zu steigen.

Zumeist stehen die Busse bereits direkt vor dem Schweriner Hauptbahnhof, wenn die Züge hier ankommen. Aus diesem Grund ist der eine Parkstreifen für Autos derzeit tabu. Das sind die Haltestellen für den Schienenersatzverkehr. Eine Grafik dazu ist ebenfalls in der Broschüre zu finden – wie auch zu den Haltestellen in Lübstorf, Bad Kleinen, Wismar und Rostock.

Bis Mitte April wird es noch so laufen müssen. Denn zwischen Schwerin-Carlshöhe und Lübstorf wird derzeit die Bahntrasse für mehr als 60 Millionen Euro ausgebaut. Bei Kronshof führt die Trasse über moorigen Untergrund. Dort werden die neuen Gleise auf einer Strecke von 420 Metern quasi auf eine Brücke gestellt, deren Pfeiler in den Untergrund gerammt werden. Daher geht dort derzeit auf der Schiene gar nichts. Gebaut wird sogar bis Jahresende. Dann ist die zweigleisige Bahntrasse mit Tempo 160 befahrbar, ein neues Stellwerk reguliert alles automatisch. Beim Ausbau des Schienennetzes in Westmecklenburg ist dann ein weiterer, großer Abschnitt geschafft.

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