Rastow : Vom Kita-Kind zum Kita-Chef

Als Kind besuchte Michael Freiberg mit seinem Zwillingsbruder den Kindergarten „Lütte Swölken“ in Rastow. Heute leitet er die Kita, in die auch seine Zwillingsnichten Jana und Sarah (r.) gehen.
Als Kind besuchte Michael Freiberg mit seinem Zwillingsbruder den Kindergarten „Lütte Swölken“ in Rastow. Heute leitet er die Kita, in die auch seine Zwillingsnichten Jana und Sarah (r.) gehen.

Rastower Michael Freiberg leitet den Kindergarten, den er als Kind selbst besuchte. Nächste Woche verteidigt er seine Masterarbeit.

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08. März 2018, 05:00 Uhr

Wenn jemand die Kita „Lütte Swölken“ gut kennt, dann ist das Michael Freiberg. Als Dreijähriger kam er hier in den Kindergarten, als Siebenjähriger in den Hort. Mit 14 Jahren absolvierte er in der Kita das erste Schülerpraktikum. Und mit 21 fand er hier nach der Ausbildung seine erste Anstellung. Heute ist Michael Freiberg Chef der Einrichtung und damit einer von drei männlichen Kitaleitern im Schweriner Umland. Auch in Plate und in Wittenförden stehen Männer an der Spitze von Kindertagesstätten. Michael Freiberg ist mit 28 Jahren der Jüngste.

Viele seiner Kolleginnen kannten ihn schon als kleinen Jungen. „Hilfsbereit. Eher unauffällig. Lieb.“ So hat Petra Hannemann ihn in Erinnerung. „Michael war ein Zwillingskind, aber ganz anders als sein Bruder“, sagt die Erzieherin. „Seine soziale Ader, die hat man schon damals gemerkt.“ Dass Michael heute ihr Chef ist, empfindet sie als „spannend“. „Wir konnten ihm ja praktisch dabei zusehen, wie gut er sich entwickelt hat.“ Der große Altersunterschied spiele überhaupt keine Rolle. „Was zählt, ist der Mensch und seine Arbeit.“

Michael Freiberg hat einen Bachelor in Heil- und Inklusionspädagogik und steht kurz vor dem Abschluss des Masterstudiengangs in Sozialmanagement. Nächste Woche fährt er nach Berlin, um seine Masterarbeit zu verteidigen.

Berlin – viel weiter hat sich der junge Rastower noch nie von seinem Heimatdorf entfernt. Nach seiner Ausbildung in Schwerin und dem Studium in Rostock wollte er für ein Jahr ins Ausland. Aber dann wurde seine Oma krank. Er zog zu ihr nach Rastow, pflegte sie zwei Jahre bis zu ihrem Tod. „Wenn ich heute zurückblicke, dann hat mir diese Zeit mehr gegeben als es ein Auslandsjahr hätte schaffen können“, sagt er. Nichts zieht ihn heute mehr aus der Heimat. „Klar. Berlin ist spannend und lebendig. Aber auf Dauer nichts für mich.“ Eine Stadt, in der Kindergartenkinder auf öffentlichen Spielplätzen spielen müssen, weil in der Kita kein Platz dafür ist, sei für ihn kein Ort zum Leben. In Rastow spielen die Kinder auf gut 3000 Quadratmeter. Es gibt ein Wäldchen, einen Rodelberg und im Sommer ein Gehege für Hühner und Meerschweinchen. Achtzig Kindergarten- und 36 Krippenkinder besuchen die Einrichtung. Michael Freiberg bedauert, dass er als Kita-Leiter keine Gruppe mehr betreut. „Aber dafür gibt es jetzt andere Herausforderungen.“ Vom Büro aus regelt er Personalfragen, führt Elterngespräche und kümmert sich um die Absicherung der neuen dualen Ausbildung. Er will sich dafür einsetzen, dass die Kita eine neue Küche bekommt, und dass es vielleicht doch noch eine Chance gibt, mehr Kapazitäten zu schaffen, denn die Warteliste ist lang. Die Tür zu seinem Büro lässt er meistens geöffnet. Für die Kinder, die gern hereinschauen und einfach drauflos erzählen. „So soll es sein“, sagt Michael Freiberg. „Lebhaft und abwechslungsreich. Deshalb bin ich hier.“

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