Langen Brütz : Wo Sand zu Glas wird

Selbst hergestelltes Glas von 2016 präsentiert Sigrid Bondzio. Mehr als 600 Exponate halten unterm Dach des des Mecklenburger Waldglasmuseum die Erinnerung an die alte Handwerkskunst wach.
Selbst hergestelltes Glas von 2016 präsentiert Sigrid Bondzio. Mehr als 600 Exponate halten unterm Dach des des Mecklenburger Waldglasmuseum die Erinnerung an die alte Handwerkskunst wach.

Mecklenburger Waldglasmuseum in Langen Brütz beherbergt faszinierende Geschichte – und hat noch viel vor

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13. Juni 2018, 05:00 Uhr

Vielleicht werde in diesem Jahr der selbstgebaute Glasschmelzofen erneut für drei Tage angefeuert, stellt Sigrid Bondzio in Aussicht. Gebaut wurde der Schmelzofen im Jahr 2016 und hat schon das eine oder andere Glasstück hervorgebracht. Bis auf 1300 Grad Celsius müsse der Ofen dann gebracht werden. „Vor zwei Jahren hat das gut funktioniert, haben wir Geschichte für Interessierte nacherlebbar gemacht“, erzählt die Frau aus Langen Brütz.

Die 65-Jährige ist seit 2004 Vorsitzende des Mecklenburger Waldglasmuseums. Mehr als 600 Exponate halten unterm Dach des Hauses an der Hauptstraße 21a in Langen Brütz die Erinnerung an die alte Handwerkskunst wach, die um 1715 begann. Dabei geht es in der historischen Schau hauptsächlich um das, was der Region einst vier Glashütten bescherte. Aber auch Wald im großen Stil verschwinden ließ.

Denn wer weiß schon, dass Glas aus Sand besteht? Und wenn der sehr eisenhaltig ist, beim Schmelzen grün wird? Dass man, um ein Kilogramm Glas herzustellen, ein bis drei Festmeter Holz benötigt?

„Viele Besucher beispielsweise nicht. Die sind völlig erstaunt, dass Mecklenburg vor Hunderten Jahren eines der größten Glaszentren war“, berichtet die gebürtige Langen Brützerin. Ihr Ehemann Siegfried, ein gebürtiger Kritzower, habe einst den Grundstein für das kleine Museum gelegt. Und damit versucht, das Wissen um die alten Herstellung zu zu bewahren. „Die Geschichte um Sand, Pottasche, Wasser und Holz hat uns beide gleichermaßen fasziniert. Ich hatte früher von der Oma ein paar Stücke aus Waldglas aus dem 18. Jahrhundert. Es ist ein einfaches, schlichtes, grünes Glas mit Einschlüssen, die wie Gebrauchsspuren aussehen“, erzählt Sigrid Bondzio. Und kündigt schon mal vorsorglich das nächste Glassammlertreffen im kommenden Winter, am 10. und 11. November, auf ihrem Hof in Langen Brütz an.

„Die Sammler kommen aus München, Berlin und Plön. Vergangenes Jahr konnten wir sogar einen Gast aus Amerika begrüßen“, erzählt Sigrid Bondzio. Irgendwer bringe immer etwas mit, das, ähnlich einer Schatzkiste, geöffnet, untersucht sowie bestimmt werde.

Feste Öffnungszeiten gibt es in dem sehenswerten Museum nicht, wer dennoch Interesse an der Historie des Waldglases hat und vorbeischauen möchte, sollte sich telefonisch unter 03866/46050 oder Landgasthaus Bondzio melden. Und erfährt dann garantiert, wie Sand zu Glas wird.

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