Fahrgastschifffahrt : Die Frauen der Blauen Flotte

Frauen-Power: Heike, Wibke und Kathrin Schütt
Frauen-Power: Heike, Wibke und Kathrin Schütt

Die Blaue Flotte, das sind vier Unternehmen in einem Verbund.

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03. August 2018, 09:00 Uhr

Am Anleger der Blauen Flotte in Gehlsdorf herrscht geschäftiges Treiben. Von Deck der „Hansestadt Rostock“ begrüßt uns Kathrin Schütt mit Schrubber und Feudel. Sie ist dabei, Klarschiff zu machen. Seit Jahresbeginn ist sie Eignerin dieses Schiffes, hat den Staffelstab von ihrem Vater, Dieter Schütt, übernommen, der ihr noch mit Rat und Tat als Mit-Geschäftsführer der GmbH zur Seite steht. 1991 hatte er das Unternehmen aus der Taufe gehoben. Seitdem ist auch seine Tochter mit dem Metier vertraut – zunächst jobbte sie hier sporadisch während ihres Studiums und ist seit 2003 festangestellt. Inzwischen ist sie die Chefin, kümmert sich um Einkauf, Catering und Bestellungen, sorgt für den organisatorischen Betriebsablauf. Und sie hat auch das Patent, um das Schiff zu fahren.

Die Blaue Flotte, das sind vier Unternehmen in einem Verbund. Ihre Wurzeln führen bis ins Jahr 1932 zurück. Damals begründete der Gehlsdorfer Fritz Schütt (1905 bis 1984) als Sandbootfahrer die Schiffertradition. Auf dessen Barkasse „Dieter“ wuchsen seinerzeit Peter Schütt (83) die sprichwörtlichen Seebeine, ehe er für die DSR auf große Fahrt ging. Sein jüngerer Bruder Dieter (77) sorgte mit der Barkasse zu DDR-Zeiten für den Werksverkehr von der Neptun–Werft zum damaligen Betriebsteil in Gehlsdorf, ehe er nach der Wende mit der „Recknitz“ die Fahrgastschifffahrt begann. Für Peter Schütt bot sich nach dem großen Aderlass der DSR die Mithilfe im Familienbetrieb als Kapitän der „Kasper Ohm“ an. 1993 hatte dessen Sohn Olaf Schütt (55) in der Blauen Flotte sein Tätigkeitsfeld gefunden. Später folgte auch Dieters Sohn Thomas. Die IGA 2003 inspirierte beide zu Investitionen in die heutige „Rostocker 7“ und „Mecklenburg“. 2010 nahm dann die „Hansestadt Rostock“ Gestalt an.

Was wäre die Flotte ohne ihre Frauen? „Bei uns wird die Frauenquote erfüllt“, bringt es Olaf Schütt auf einen kurzen Nenner. Neben Kathrin gehört auch Olafs Schwester Heike zum Familienunternehmen. Schon auf der „Recknitz“, auf der alten „Rostocker 7“ und der „Kasper Ohm“ war sie dabei und das vor und neben Studium der Erziehungswissenschaft, dem Tätigkeiten bei verschiedenen Bildungsträgern folgten. Seit 2010 ist sie auf der „Kasper Ohm“ wieder eine Stütze der Fahrgastschiffer. Das ist seit März auch Olafs Tochter Wibke. Sie war dem Vorbild des Großvaters folgend nach dem Nautik-Studium bei Hamburg Süd auf große Fahrt gegangen, stand als 2. Offizier auf der Brücke eines Containerfrachters, heuerte nun bei ihrem Vater an.

Das sind nicht die einzigen Frauen in der Flotte. So nennt Heike Schütt stellvertretend für das gesamte Team die langjährigen Mitarbeiter Marlis Rohde, Sonja Glienke und Jana Buse. Schließlich ist auch von Oma Helga und Katrins Mutter, Rita Schütt, die Rede, die die Entwicklung der Flotte von Beginn an mitbestimmten und Helga Schütt sich auch darüber hinaus im Verein der Seemannsfrauen ehrenamtlich engagiert. Ebenso der Nachwuchs wie Kyra, die in Hamburg studiert, hilft in den Ferien gerne an Bord mit aus. „Wir sind eine Familie. Da steht einer für den anderen ein“, erklärt Kathrin Schütt. „Nur, wenn alle mitziehen, läuft es rund“, ergänzt Heike.

Die Schiffe der vier Unternehmen fahren auf der Strandlinie zwischen dem Rostocker Stadthafen und dem Neuen Strom von Warnemünde. Um Charterfahrten und Sonderfahrten kümmert sich aber jeder eigenständig. Auf der Strandlinie wird mittwochs bei den ersten Abfahrten auch das IGA-Areal angesteuert. Das Angebot findet aber kaum Resonanz.
Das bunte Spektakel der Hanse Sail zieht auch die Frauen der Blauen Flotte in den Bann. Zum eigenen kleinen Segeltörn, so offenbart Wibke, findet sich dann manchmal doch die Zeit. Da wird dann sicher auch Olafs Sohn Vincent mit von der Partie sein. Er hat gerade seine Schiffsmechaniker-Ausbildung bei der Reederei Bugsier erfolgreich abgeschlossen und geht nun zum Studium. Die seemännische Familientradition wird also fortgesetzt.


 

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