Nieklitz : Doch Landeshilfe für Öko-Park

Hat die Zusammenarbeit mit Gutachtern Land und Stiftungen bisher abgelehnt: Bernd Heydemann. Foto: Archiv
Hat die Zusammenarbeit mit Gutachtern Land und Stiftungen bisher abgelehnt: Bernd Heydemann. Foto: Archiv

Mecklenburg-Vorpommern stellt dem angeschlagenen Zukunftspark Nieklitz nun doch wieder Förderung in Aussicht: Zwar soll die Landeskasse weder für Verluste noch für die Finanzierung des Betriebs geöffnet werden. Für Einzelprojekte sei eine Förderung aber nicht ausgeschlossen, kündigte Finanzministerin Heike Polzin (SPD) gestern im Landtag an.

nnn.de von
21. November 2008, 11:55 Uhr

Wittenburg | Die Finanzsituation im Zukunftspark Nieklitz wird immer verwirrender. Vor einem Jahr drohte Parkchef Prof. Bernd Heydemann mit der Insolvenz, sollte das Land nicht schnellstens rückwirkend für aufgelaufene Verluste im Jahr 2007 aufkommen - Kosten: 200 000 Euro. Das Land wiegelte ab und machte weitere Finanzhilfen von exakten Kostennachweisen und einem tragfähigen Zukunftskonzept abhängig. Fehlanzeige: Bislang habe Heydemann die Mitarbeit für ein unabhängiges Gutachten verweigert und stattdessen zusätzliche Bedingungen gestellt, erklärte Polzin. Die FDP hatte gestern im Landtag gefordert, das Land solle nach mehrmaligen Ankündigungen abschließend über etwaige Finanzhilfen entscheiden.

Trotz einer im Juni gesetzten letzten Frist habe sich die Haltung Heydemanns auch in den letzten Wochen nicht geändert, meinte Polzin. Das Kabinett habe deshalb beschlossen, kein Gutachten in Auftrag zu geben, aber auch weiter nicht für die Verluste aufzukommen.

Kenner fragen sich seitdem aber, wie der seit Wochen für die Öffentlichkeit nicht erreichbare Heydemann trotz der Insolvenzdrohung den Geschäftsbetrieb des Parks finanziert. Die Not ist offenbar kleiner als gedacht: Trotz der für jedermann zugänglichen Projektförderung habe Heydemann bisher keine Förderanträge für Einzelprojekte gestellt, sagte Polzin. "Das Gespenst von der Insolvenz hat sich nicht bewahrheitet." Fachleute vermuten, dass sich der Park derzeit nur noch durch die Hilfen der Arbeitsverwaltung über Wasser halten kann.

Indes fallen die in den vergangenen zehn Jahren in den Ökologiepark geflossenen Beihilfen höher aus als bisher angenommen. Neben den von Stiftungen und dem Land bis Ende 2007 überwiesenen 6,9 Millionen Euro Fördermittel flossen seit 2001 weitere 1,1 Millionen Euro an Arbeitsmarktförderung. Noch einmal 1,4 Millionen Euro zahlte die Arbeitsverwaltung u. a. für Eingliederungszuschüsse, AB-Maßnahmen und Ein-Euro-Jobber.

Für Heydemann wird es offenbar immer schwieriger, für den einst hochgelobten Zukunftspark ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Die Probleme von einst, sind die Probleme von heute, meinte Polzin. Es fehle die Verknüpfung zu anderen touristischen Angeboten, es werde nach wie vor von zu hohen Gästezahlen ausgegangen, es gebe nur unzureichende wissenschaftliche Ergebnisse und keine Patente. Das Projekt stehe in einer falschen Region und sei unter falschen Voraussetzungen geplant worden, kritisierte FDP-Fraktionschef Michael Roolf. Die 6,9 Millionen Euro Fördermittel hätte man an anderen Stelle für andere ökologische Projekte besser einsetzen können. Nach Jahren des finanziellen Anschubs stehe es dem Park jetzt allerdings frei eigenständige Wege zu suchen, sagte Polzin. Solange kein tragfähiges Konzept vorgelegt werde, dürfe das Zukunftszentrum aber nicht weiter gefördert werden, stellte die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp klar. Birgit Schwebs von der Linksfraktion forderte das Land nochmals auf, das Gespräch zu suchen und eine Lösung zu finden. Die Ausstellung in Nieklitz sei einmalig. "Es wäre schade, wenn die Exponate in der Rumpelkammer stehen oder auf dem Flohmarkt verkauft würden."

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