Schwennickes Nähkästchen : Erst die Kanzler Frage, dann der CDU Vorsitz

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Erst die Kanzler Frage, dann der CDU Vorsitz

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29. Juni 2020, 16:00 Uhr

 

Erinnert sich noch jemand an Auto-Quartett? Was haben wir das in der Schule bei jeder Gelegenheit gespielt. Manchmal schlug die Ente mit ihrem geringen Verbrauch den Rolls Royce mit seinen 300 PS. Und wenn gar nichts ging mit der Lusche mit Allerweltswerten auf der Hand, musste man mit einem möglichst schnell hinterhergerufenen „Stich!“ sich die Vorhand sichern. „VierZylinderViertakt - Stich!!“

Die CDU spielt gerade Vorsitzenden-Quartett. Und die Karten werden von Corona ganz neu gemischt. Der Corona-Contest präsentiert die eigentliche Nummer eins unter den Aspiranten in einer akuten Formkrise. So schnell kann NRW-Ministerpräsident Armin Laschet gar nicht „Stich!“ sagen nach seinen Pannen, Für die er etwa bei Tönnies unmittelbar wenig kann und den kommunikativen Fehlern, die er obendrauf setzt. Immer spielt Markus Söder, bayrischer Ministerpräsident, eine Karte aus, die das übertrumpft, was Laschet da im Angebot hat. Wie jüngst die Ansage, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner Bayerns sich kostenlos auf das Virus testen lassen können. Was für ein Privileg für die Freistaatler. Während Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen, wenn sie denn aus den Landkreisen Warendorf und Gütersloh kommen, froh sein dürfen, wenn ihnen an ihrem bayrischen Urlaubsziel nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.

Es geht in diesem Casting zu Corona-Zeiten nicht nur um die Frage Laschet oder Merz oder Röttgen als nächstem CDU-Chef. Es geht im Kanzler-Casting, um die Frage: Wer wird in überaus aussichtsreicher Ausgangsposition Kanzlerkandidat der Union? Und da hat sich die Lage so entwickelt, dass ein alter Vorschlag zu neuen Ehren kommen könnte. Normalerweise würde man sagen: Erst Parteivorsitz, dann Kanzlerkandidat. Eins nach dem andern. Die Lage könnte aber akut empfehlen, das andere vor dem einen zu tun.

Warum? Die Union ist die Partei, die ihr Personal nach Machtgesichtspunkten auswählt. Nicht wie die gefühlige SPD, die sich vor allem wohlfühlen möchte mit ihrem Spitzenpersonal. Und da ist einige Landesverbänden inzwischen bewusst geworden, dass sie mit einem Kanzlerkandidaten Markus Söder von der CSU mehr Zustimmung in ihren Regionen erführen als mit Laschet. Laschet wirkt wie am Limit. Söder hat sich gerade erst warmgelaufen, hat erst Betriebstemperatur.

Wie aber soll es gehen, erst einen Armin Lachet zum Parteivorsitzenden zu wählen, der dann die Kanzlerkandidatur Markus Söder überlässt. Weshalb die Überlegung nicht verkehrt ist, die in einem gut recherchierten und plausiblen Artikel der Kollegin Mariam Lau in der „Zeit“ von namentlich ungenannten Unionisten geäußert wurde: Dass Laschet seinem bisherigen Sozius Jens Spahn den Vortritt beim Parteivorsitz lässt, der allein schon qua Alter kein Problem hätte, Söder für dieses Mal als Kanzlerkandidat den Vortritt zu lassen.
Erst den Kanzlerkandidaten bestimmen und dann im Dezember den Parteichef – die Idee hat, wie gesagt, schon einmal jemand gehabt und einiges Unverständnis dafür geerntet. Es war die Amtsinhaberin Annegret-Kramp Karrenbauer. Vermutlich aus dem einfachen Kalkül, etwaigen Schaden von einem künftigen CDU-Vorsitzenden abzuwenden. Sie weiß am besten, wie da ist, wenn man diesen Posten nicht mit den bestmöglichen Startbedingungen übernimmt. Sie muss deshalb ja nach kaum zwei Jahren wieder gehen.
 

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