Rau, derb und natürlich : Trends bei Besteck und Haushaltswaren

Geschirrhersteller integrieren derzeit Holzelemente in ihre Sets. Hier ein Arrangement am Stand von Arzberg auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt.
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Geschirrhersteller integrieren derzeit Holzelemente in ihre Sets. Hier ein Arrangement am Stand von Arzberg auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt.

Lange waren polierte Oberflächen, steriler Edelstahl und gleichmäßige Optik durch einheitliche Materialien beliebt. Nach und nach hat sich das in den vergangenen Jahren verändert: Heute bestehen Geschirrsets aus vielen Stoffen - und dürfen kleine Macken haben.

nnn.de von
11. Februar 2019, 15:30 Uhr

Anders als in der Mode bekommt man beim Geschirr, bei den Messern und den Vasen nicht jede Saison etwas Neues zu sehen. Oft verändert sich von Jahr zu Jahr eine Nuance, dann springen immer mehr Firmen auf - und irgendwann hat sich ein Trend gebildet.

Auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt (8. bis 12. Februar) wurden in diesem Jahr gleich in mehreren Bereichen solche Entwicklungen deutlich:

Holzelemente bereichern das Geschirr-Service

Kleine Zuckerdosen und auch die Müslischüsseln sind gerne aus Holz: Bei nahezu allen namhaften Geschirrherstellern auf der Ambiente fällt der kleine, aber nicht unbedeutende Anteil Holzelemente in den Porzellan- und Steingutserien auf. Das ist sind oft Deckel für kleine Dosen oder Schüsseln. Das Zusammenspiel von Holz und Porzellan macht sich optisch gut: Das Braun harmoniert mit den häufig für das Geschirr genutzte Pastell-, Braun- und Blautönen.

Überhaupt: Materialmixe wie Steingut oder Glas zu Holz, und vielleicht sogar noch Elemente aus Metallen sind nach wie vor bei den Designern und Firmen beliebt. Gerade beim Geschirr: Da stehen Steinschüsseln passgenau auf Holzbrettern und Metallelementen. Manches Porzellan wirkt aber auch nur metallisch, dank einer entsprechenden Glasur.

Glas und Holz: Neue Kombinationen für Vasen

Diese Materialmixe finden sich auch bei den Vasen und anderen Deko-Objekten - vor allem die Kombination von Holz und Glas. Letzteres kann sich in seinem Gestaltungsprozess perfekt an die Holzstruktur anpassen. So sitzt zum Beispiel das Glasgefäß von Industria Vetraria Valdarnese auf mehreren knorrigen Ästen - ein Design, das die Analysten der Messe Frankfurt für die Trendschau der besonderen Objekte auswählten.

Jihye Kangs Vase aus der Schau der Talente ist ähnlich: Beim Glasblasen wird die Masse rotiert, was zu einer Spirale im Gefäß führt. Zugleich wird das heiße und zähe Glas auf eine Holzleiste am Boden gesetzt, wodurch sich eine Kerbe am Boden ergibt. Das Holz kann dauerhaft als Fußelement erhalten bleiben. Hersteller LindDNA setzt auf Holzmanschetten um schlanke Gläser.

Ebenfalls häufiger zu sehen: Durchsichtige Glastöpfe oder Vasen, die von der Decke oder an der Wand hängen. Gerne stellen die Raumgestalter darin Pflanzen mit nackten Wurzeln zur Schau oder statt Schnittblumen Triebe von Grünpflanzen.

Derbe Brüche und Kanten beim Geschirr und Deko-Porzellan

Wie fühlt sich Geschirr an? Es hat eine glatte Oberfläche, die Kanten sind abgerundet. Allerdings fällt in Frankfurt auf, dass Hersteller zunehmend auch auf raue Oberflächen und harte Kanten setzen. Die Seiten so mancher Stücke wirken, als wären sie aus einem größeren Stück herausgebrochen worden.

Trend zum Messer mit Holzgriff setzt sich fort

Trends brauchen manchmal Jahre, um sich zu entwickeln. An den Messern konnte man das zuletzt gut sehen: Langsam aber stetig wuchs auf der Konsumgütermesse Ambiente die Auswahl der Modelle und Sets mit Holzgriff - und das, obwohl diese Jahre lang quasi verpönt waren, sagt Jens-Heinrich Beckmann, Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren. Nun aber gebe es kaum noch eine Firma, die nicht mindestens ein Set ohne Holzgriff im Angebot hat.

Diese Hölzer dürfen gern etwas Besonderes sein - etwa die langsam wachsenden und selteneren Obsthölzer. Auch Grenadil, Wüstenholz oder afrikanisches Ebenholz genannt, sieht man häufiger. Es wird zum Beispiel im Kunsthandwerk sehr geschätzt. Eine andere Besonderheit ist Eisbuche. Durch die Behandlung mit Kälte entstehen auffällige Maserungen.

Ebenfalls weiterhin im Trend liegen - wie auch schon vergangenes Jahr - laut Beckmann Messer im asiatischen Stil und etwa Klingen aus Damaststahl.

Früchte besser schälen mit Spezial-Werkzeugen

Ob Melonen, Avocados oder Erdbeeren - sie sind nicht das einfachste Lebensmittel in der Verarbeitung. Die Hersteller von Haushaltswaren haben aber zahlreiche Hilfsmittel - und sogar in entsprechender Obstoptik - im Programm.

Ein Beispiel: Das 3-in-1-Hilfsmittel namens GoAvocado von Joseph Joseph schneidet die Frucht auf, entkernt es mit einem geriffelten Ring und teilt es mit einem siebartigen Messer in Streifen. Das Melonenmesser von Kuhn Rikon hat zwei Klingen im Abstand eines typischen Melonenstreifens, und das Erdbeermesser hat einen Löffel mit gezackten Rändern zum Entfernen der Stiele und eine besonders kleine Klinge zum Schneiden der kleinen Früchte.

Das Angebot und die Nachfrage nach solchen Spezialprodukten erklärt sich Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Handelsverbands Möbel und Küchen, auch mit der steigenden Anzahl von Vegetariern und Veganern. «Viele kochen nun vegan und suchen nach Werkzeugen, um Gemüse und Obst besser zuzubereiten.»

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