Mehr Kontrolle? : Kritik an neuer Datenschutz-Funktion von Facebook

Von welchen Apps und Websites bekommt Facebook Informationen zum Nutzer? Unter «Aktivitäten außerhalb von Facebook» lässt sich das überblicken und verwalten. /dpa-tmn
Von welchen Apps und Websites bekommt Facebook Informationen zum Nutzer? Unter «Aktivitäten außerhalb von Facebook» lässt sich das überblicken und verwalten. /dpa-tmn

Ob Fußball-App oder Reiseportal im Netz: Viele Seiten geben Infos über das Surfverhalten an Facebook weiter. Eine neue Funktion verspricht Nutzern darüber mehr Kontrolle. Bringt das etwas?

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14. Februar 2020, 12:43 Uhr

Dass Facebook das Surfverhalten der Nutzer auch außerhalb des sozialen Netzwerks verfolgt, ist kein Geheimnis. Eine neue Funktion erlaubt nun konkrete Einblicke in diese Datensammelei - und verspricht mehr Kontrolle darüber.

So lassen sich die auf anderen Websites und Apps gesammelten Informationen zum Beispiel vom eigenen Konto trennen, also anonymisieren.

Doch die Ende Januar eingeführte Funktion namens «Aktivitäten außerhalb von Facebook» ruft auch Kritik hervor. Als «kosmetische Lösung» bezeichnet sie die Stiftung Warentest in einem Bericht, weil sie die Datensammelei effektiv kaum unterbinde.

Zu der neuen Übersicht gelangen Facebook-Nutzer im Browser über «Einstellungen» und «Deine Facebook-Informationen». In der App tippen sie die drei Streifen oben rechts an, dann im aufklappenden Menü «Einstellungen und Privatsphäre» und dort «Einstellungen».

Gesammelt wird weiter

Die Sammelwut von Facebook könnten Nutzer so aber nicht wirklich einschränken, berichtet die Stiftung Warentest - auch wenn sie etwa die Nutzung von künftig erfassten Aktivitäten für bestimmte Apps und Websites deaktivieren. Denn obwohl die Infos dann nicht mehr mit dem Konto verknüpft werden, erhält Facebook sie in Form von aggregierten Daten. Diese können nicht mehr einzelnen Personen zugeordnet werden. Facebook verwendet sie zum Beispiel, um generell die «Werbesysteme» zu verbessern.

Entfernt man wiederum den Verlauf, also alle Daten der aufgeführten Drittseiten, werde dieser nur vom eigenen Profil getrennt. Die Daten an sich aber blieben auf den Servern gespeichert, so die Warentester.

Die Drittseiten, heißt es, würden einen weiterhin ausforschen und diese Daten an Facebook geben. «Zudem besitzt das soziale Netzwerk ja weiterhin die Daten, die es selbst über Sie gesammelt hat.»

Was den Experten ebenfalls negativ auffällt: Facebook nennt zwar Beispiele für Interaktionen in den Aktivitätsdetails, zum Beispiel «App geöffnet» oder «Artikel zu Wunschliste hinzugefügt». Aber welche Daten eine App oder Website im Einzelnen übermittelt hat, erfährt man nicht - lediglich die Zahl der Interaktionen wird angegeben.

«Aus technischen Gründen und aus Gründen der Zuverlässigkeit zeigen wir nicht alle Aktivitäten, über die wir informiert wurden», schreibt Facebook auf den Hilfeseiten zu der neuen Funktion.

Personalisierte Werbung bringt mehr Geld

Facebook selbst erklärte zur Einführung des neuen Aktivitätenprotokolls zunächst, warum es Daten auch von dritten Seiten sammelt und auswertet: für personalisierte Werbung. «Unternehmen stellen uns Informationen darüber zur Verfügung, welche Art von Produkten sich die Menschen auf ihren Webseiten ansehen und wir nutzen diese Informationen, um ihnen für sie relevante Werbung auszuspielen.» Jetzt könne sich jeder eine Zusammenfassung dieser Infos anzeigen lassen und auf Wunsch von seinem Konto trennen.

Dahinter stecken finanzielle Interessen. Denn mit auf den Nutzer zugeschnittene Werbung lässt besser Geld verdienen. Und je mehr das Netzwerk über einen sammelt, etwa über die politischen Ansichten oder die momentanen Interessen, desto individueller werden die Anzeigen. So würden «einem zum Beispiel Hotelangebote gezeigt, nachdem man Reiseportale besucht hat», schreibt Facebook an anderer Stelle.

Während Nutzerinnen und Nutzer die Datenerfassung aus Sicht von Stiftung Warentest kaum einschränken können, gilt das für die Anzeige personalisierter Werbung nicht: Sie lässt sich in den «Einstellungen für Werbeanzeigen» recht gut begrenzen. Weniger Werbung bekommt man dadurch zwar nicht angezeigt, aber sie wird weniger individualisiert.

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