Das LAT-Modell : Zu mir oder zu dir? - Wenn Paare lieber getrennt wohnen

Geht es um die Familiengründung, ziehen Paare meist zusammen. Im reiferen Alter schätzen Partner ihren Freiraum und bevorzugen schon mal getrennte Wohnungen.
Geht es um die Familiengründung, ziehen Paare meist zusammen. Im reiferen Alter schätzen Partner ihren Freiraum und bevorzugen schon mal getrennte Wohnungen.

Bett, Kühlschrank und Klingelschild teilen: Die Idee, mit dem Partner zusammenzuziehen, finden viele schön. Doch es gibt auch Paare, die sich für getrennte Haushalte entscheiden. Zwei Wohnungen - unnötiger Luxus oder ein Geheimrezept, um die Beziehung frisch zu halten?

nnn.de von
01. Februar 2019, 05:05 Uhr

Ein gemeinsames Nest – das ist für viele Paare irgendwann ein Muss. Doch nicht für alle. Denn einige finden: Es braucht keinen gemeinsamen Wohnsitz, um eine erfüllte Beziehung zu führen.

«In der Soziologie trägt dieses Beziehungsmodell den Namen "Living Apart Together", kurz LAT. Darunter fallen Paare, die in getrennten Haushalten wohnen», erklärt Birk Hagemeyer, Persönlichkeitspsychologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Fast alle Beziehungen beginnen als LAT-Partnerschaften. Denn: Dass man mit einem Menschen zunächst das Klingelschild und erst danach tiefe Gefühle teilt, kommt meist nur in Studenten-WGs vor.

Mehr Freiraum und keine Familienplanung

Aus Sicht der Paarcoaches Frank Schulze und Claudia Müller aus Freiburg eignen sich getrennte Wohnungen für Paare, die sich Freiraum wünschen oder ihren Lebensstil bewahren wollen. «Auch für ein Paar, das bereits zusammenlebt, aber dauernd streitet, können getrennte Wohnungen einen Versuch wert sein», sagt die Paartherapeutin und Mediatorin Friederike Ludwig aus Lohmar bei Siegburg.

Doch es gibt auch andere Gründe, warum sich zwei Partner dagegen entscheiden, ihre Haushalte zusammenzulegen. «Wer ein Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen im Haushalt hat, geht den Schritt zum Zusammenziehen mit einem neuen Partner vielleicht nicht so schnell», erklärt Hagemeyer. Männer und Frauen ab Ende 30 entscheiden sich häufiger als jüngere Altersgruppen für getrennte Wohnungen. Dies lasse sich darauf zurückführen, dass für diese Altersgruppe das Thema Familienplanung nicht mehr so wichtig sei.

Ohne Konflikte miteinander bewusster Zeit verbringen

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Geht es um die Familiengründung, stößt das Modell «Living Apart Together» an seine Grenzen. «Ein Kind verlangt viel Betreuung, Versorgung und Energie. Das ist für ein Elternpaar natürlich deutlich einfacher, wenn es zusammenlebt», so Frank Schulze.

Die Vorteile vom getrennten Wohnen erschließen sich, wenn man über das Zusammenziehen nachdenkt: Wer putzt das Bad? Wer nimmt sich frei, wenn Handwerker kommen? Diese Fragen können für Konflikte sorgen – etwa, wenn einer das Gefühl hat, deutlich mehr zu machen als der andere. «Wohnt man getrennt, kommt es nicht so schnell zu diesen alltäglichen Streitereien», sagt Ludwig. Denn durch die getrennten Wohnungen hat jeder seine eigene Domäne, die Rollen sind klar verteilt. Ein weiterer Vorzug: «Wer getrennt wohnt, erlebt regelmäßig Wiedersehen. Das kann dazu führen, dass sich die Partner stärker aufeinander freuen und sich bewusster Zeit nehmen», sagt Schulze.

Gemeinsame Lösungen und ein hoher finanzieller Aufwand

Doch getrennte Wohnungen haben auch Nachteile. Nicht jedes Paar ist in der Lage, zwei Wohnungen zu finanzieren. Dazu kommt, dass sich die Partner stärker mit dem Thema Vertrauen beschäftigen müssen. «Durch getrennte Wohnungen wird der Freiraum größer, sich mit anderen zu treffen», erklärt Ludwig. Mit diesem Risiko umzugehen, fällt einigen schwer.

Manchmal ist es auch nur ein Partner, der sich getrennte Wohnungen wünscht, während der andere sich nach einem gemeinsamen Nest sehnt. Dieser Konflikt ist nach der Beobachtung von Claudia Müller gar nicht so selten: «Wichtig ist, dass die Partner nicht gegeneinander handeln, sondern gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Wenn man weiß, welche Bedürfnisse hinter dem Verhalten des Partners stecken, kann man viel besser Verständnis für ihn entwickeln.»

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