Geschlechterrollen im Wandel : Wann ist der Mann ein Mann?

Die Rolle hat sich gewandelt – er ist nicht mehr allein der Ernährer der Familie und muss nicht nur hart sein

nnn.de von
17. November 2018, 16:00 Uhr

Am 19. November ist internationaler Männertag. Doch was bedeutet Mann-Sein im Jahr 2018? Für die Online-Partnerbörse Elitepartner wurden rund 5600 Frauen und Männer gefragt, welche Rolle ein Mann aus ihrer Sicht heutzutage erfüllen sollte – allgemein und in einer Partnerschaft. Die Ergebnisse räumen mit einigen Klischees auf.

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer selbst sehen sich ganz selbstverständlich in emotionalen Rollen. Gefühle zulassen und zeigen können gehört für acht von zehn Männern zum Mann-Sein dazu, auch Engagement bei der Kindererziehung und im Haushalt sind für die meisten typisch männlich. Dagegen sehen nur noch 58 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen den Mann in der Pflicht, finanziell für die Familie zu sorgen.

Ganz gefühlvoll

Der Mann als Alpha-Tier? Ein Bild der Vergangenheit. Wie die Umfrage zeigt, gehören für Männer emotionale Seiten nicht nur zu ihrem Selbstbild dazu, sie sind dort sogar stärker verankert als klassische Versorger-Rollen. Nur noch 58 Prozent der Männer sehen es als Aufgabe des Mannes, finanziell für die Familie zu sorgen, nur jeder zweite (50 Prozent) findet, Erfolg im Beruf gehört zum Mann-Sein dazu. Stattdessen ist es mit 87 Prozent für fast jeden Mann selbstverständlich, ein liebender und verständnisvoller Partner zu sein. Ähnlich viele sehen es als ihre Aufgabe, ein engagierter Vater zu sein, der für die Kinder da ist (83 Prozent). Und für 78 Prozent gehört es eindeutig zur männlichen Rolle dazu, Gefühle zulassen und zeigen zu können.
Was bleibt: Die Rolle als Beschützer. Sie geben Männer auch im Jahr 2018 noch nicht ab. Sich schützend vor die Partnerin zu stellen ist bei 82 Prozent der Männer im Selbstbild verankert.

Frauen mit Ansprüchen

Frauen sehen die männliche Rolle kaum anders als Männer selbst. Sie drängen den Mann nicht in die Rolle des Versorgers: Auch Frauen sehen es nur noch zu 60 Prozent als Aufgabe des Mannes an, finanziell für die Familie zu sorgen. Nur 55 Prozent der Frauen finden, Erfolg im Beruf gehört zum Mann-Sein dazu.

Allerdings stellen Frauen über nahezu alle Antwortmöglichkeiten hinweg etwas höhere Ansprüche an den Mann. Der größte Unterschied zeigt sich beim Thema Emotionalität: Für Frauen gehört es noch selbstverständlicher zum männlichen Rollenbild dazu, Gefühle zu zeigen. Während Männer hier zu mehr als drei Vierteln zustimmen, sind es bei den Frauen sogar 88 Prozent. Wer als Mann mit seiner Emotionalität hadert, kann also unbesorgt sein – denn die überwiegende Mehrheit der Frauen erwartet genau das. Auch, wenn es darum geht, soziale Kontakte zu pflegen, haben Frauen höhere Ansprüche an den Mann (74 Prozent) als Männer selbst (64 Prozent).

Der größte Unterschied in den Erwartungen besteht jedoch beim heikelsten Thema: Sex. 53 Prozent der Frauen sehen es als Aufgabe des Mannes, beim Sex die Initiative zu ergreifen. Die haben aber selbst offenbar wenig Interesse daran, immer den ersten Schritt zu machen. Nur gut jeder dritte Mann (35 Prozent) findet, dass es zur Rolle des Mannes dazugehört, beim Sex die Initiative zu ergreifen.

Familien-Versorger

Offenbar hängt auch der Bildungsstatus mit dem männlichen Rollenbild zusammen – zumindest, was die Meinung der Frauen betrifft. Nur für die Hälfte der Frauen mit akademischem Abschluss gehört es zur Rolle des Mannes dazu, finanziell für die Familie zu sorgen (49 Prozent), bei den Nicht-Akademikerinnen sehen dagegen fast zwei Drittel (64 Prozent) den Mann in der Versorgerrolle.

Erfolgreich im Beruf zu sein gehört für Akademikerinnen seltener (51 Prozent) zum Mann-Sein dazu als für Frauen ohne Universitätsabschluss (57 Prozent). Bei den Männern gibt es dagegen zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern kaum Unterschiede im Selbstbild.

Dass sich in puncto Rollenbilder ein Wandel vollzogen hat, zeigt nicht zuletzt auch ein Blick auf die Altersgruppen: Traditionelle Rollenerwartungen als Versorger rücken im Generationenvergleich immer mehr in den Hintergrund. Männer, die zwischen 60 und 69 Jahre alt sind, sehen den Mann zu 73 Prozent in der Rolle des Versorgers. In jüngeren Altersgruppen schwankt die Zustimmungsrate dagegen zwischen 50 und 60 Prozent. Auch die Beschützerrolle nimmt für ältere Männer einen wichtigeren Part im Selbstbild ein (92 Prozent) als bei jüngeren Männern (18 bis 29 Jahre: 75 Prozent). Ähnlich verhält es sich mit dem Erfolg im Beruf: 62 Prozent der über 60-jährigen Männer verankern beruflichen Erfolg in ihrem Selbstbild, in jüngeren Altersgruppen ist es nur jeder Zweite.

„Endlich, die männliche Emanzipation ist gesellschaftsfähig geworden,“ kommentiert Diplom-Psychologin Lisa Fischbach die Ergebnisse. „Das männliche Rollenverständnis ist im 21. Jahrhundert angekommen und bietet Männern neue Freiheiten, ihr Selbstbild zu erweitern und zu verändern. Neben dem Bedürfnis vieler Männer, ihre Rollen im Leben und in der Liebe um emotionale Seiten zu erweitern, lockern sie die einseitige Selbstzuschreibung als Versorger und beruflich erfolgreicher Macher. Der neue Mann versteht sich selbstbewusst als Alpha-Softie, der klassische Versorgerrollen mit emotional-fürsorglichen Seiten kombiniert.“

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