LEBE!MANN : Leidenschaft auf zwei Rädern

Schneller und weiter - der Radsport erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
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Schneller und weiter - der Radsport erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

In ganz Deutschland erfreut sich der Radsport immer größerer Beliebtheit. Einfach so geht der Einstieg in den Radsport aber nicht. Zwei, die es wissen müssen, sind Ernst Ullrich Sunkel und Ronald Grimm. Für uns erklären sie die Faszination Radsport und geben Tipps für den Einstieg.

nnn.de von
25. März 2019, 11:13 Uhr

Die Anfänge des Radsports gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bewegte man sich in den 1820er Jahren noch auf Laufrädern fort, gab es ab ca. 1870 die ersten Räder mit Pedalen. Schon damals galt das Fahrrad weniger als Nutzgefährt, sondern war als Sport- und Spaßgerät bekannt. Eine Auffassung, die gerade in der heutigen Zeit an Bedeutung gewinnt. Immer mehr Menschen sehen den Radsport als ihre tägliche Dosis Sport. Die Joggingschuhe weichen dem Fahrradhelm. Laut Statista interessierten sich 2018 ca. fünf Millionen Deutsche für den Radsport.

Zwei, die schon seit ihren Jugendtagen auf dem Rad sitzen, sind Ronald Grimm und Ernst Ullrich Sunkel. Grimm, Trainer des Track Cycling Teams Mecklenburg-Vorpommern, hat lange Zeit mit Stefan Nimke zusammengearbeitet. Der in Hagenow geborene Bahnradsportler ist Olympiasieger und sechsfacher Welt- und Europameister. Grimm weiß also wie es geht und gilt als Experte auf dem Gebiet des Radsports. Ernst Ullrich Sunkel ist Trainer und Abteilungsleiter des Radsport-Teams des PSV Schwerin. Auch er arbeitete mit Stefan Nimke zusammen und verfolgt noch heute leidenschaftlich den Radsport. Wo er nur kann, steigt er selber aufs Fahrrad. Jede Menge Fachwissen also, um unseren Lesern die Faszination näherzubringen und Anfängern nützliche Tipps und Tricks für den Einstieg zu geben. Die Beiden beobachten oft, wie schnell Hobbysportler die Faszination packt und sie sich gegenseitig in ihren gemeinsamen Ausfahrten anstacheln. „Besonders die etwas älteren Fahrer sind da sehr schnell mit viel Leidenschaft dabei“, kann Sunkel berichten. Die Zahl der Hobbyfahrer ohne Lizenz nimmt in Schwerin deutlich zu. Das beste Beispiel dafür: die rege Beteiligung am alljährlichen Jedermann-Rennen. So waren es im letzten Jahr zwischen 500 und 600 Teilnehmer, die sich ihr Rad schnappten und mitfuhren. Ronald Grimm weiß, was Schwerin und die Umgebung so attraktiv für Radfahrer macht. „Man gelangt relativ schnell an Strecken, die nicht so stark von  Autos befahren sind, wie es in anderen Städten der Fall ist. Selbst auf kleinen Touren lässt sich die sehr abwechslungsreiche Natur beobachten, inklusive Blick aufs Wasser.“

Auch Ernst Sunkel schätzt die Attraktivität der Strecken. Daher würden sie auch jedem Hobbyfahrer diese Strecken empfehlen. Die Faszination am Radsport liegt  für den PSV-Trainer besonders in der Gemeinschaft. Es macht ihm unheimlichen Spaß zusammen mit Anderen loszufahren, anstatt allein auf dem Rad seine Kilometer abzuspulen. Natürlich stacheln sich die Fahrer dann gegenseitig an und jeder möchte der Sieger sein. „Wenn wir auf dem Rad sitzen, sind wir plötzlich alle Weltmeister“, erzählt er lachend.

Für Ronald Grimm ist auch der Entspannungsfaktor hoch. Nach einem langen Arbeitstag gibt es nichts Besseres als sich abends noch einmal aufs Rad zu setzen und einfach zu fahren. „Sauerstoff nennen wir das. Danach ist der Kopf einmal komplett gereinigt“, beschreibt Grimm den Effekt. Auch gesundheitlich bietet der Radsport Vorteile gegenüber dem Laufen. Der Körper wird besser entlastet und die Stauchung der Knie und der Wirbelsäule ist deutlich geringer, können Beide berichten. Die Intensität sei ebenfalls höher. Man erziele die gleichen körperlichen Ergebnisse in deutlich geringerer Zeit. Auch für Personen die eventuell Probleme mit den Knien haben, empfiehlt sich das Radfahren. Ronald Grimm kann aus eigener Erfahrung berichten: „Letztes Jahr hatte einer meiner Sportler beim Wettkampf einen Bruch im Knie. Nach der Genesung hat ihm der Arzt empfohlen, Rad zu fahren.“ Gerade für Hobbyfahrer eignen sich hierbei Ausfahrten auf geraden Strecken an der frischen Luft. Wer schon etwas fortgeschrittener und auch körperlich in der Lage ist, kann laut Grimm auch mal eine Mountainbikestrecke ausprobieren. Die verschiedenen Anforderungen seien gut, um den Körper in mehreren Bereichen zu fordern. „Wir machen das im Winter als Krafttraining“, pflichtet Ernst Sunkel seinem Kollegen bei. Auch die Koordination und die Steuerkünste der Fahrer werden dadurch noch einmal besonders beansprucht. „Gerade der weichere Untergrund macht es dabei intensiver“, erklärt Grimm.

Für Einsteiger ist ein vernünftiges Rad das Wichtigste. Ein normales Fahrrad habe einen ganz anderen Rollwiderstand als ein Rennrad. „Man will ja auch angenehm treten können.“ Außerdem sei eine fürs Radfahren ausgelegte Hose essenziell. Durch den Ledereinsatz in solchen Hosen, hat man zum einen eine Pufferung beim Sitzen und zum anderen verhindert er, dass beim Fahren die Beine aneinander scheuern. Ein atmungsaktives Shirt mit drei Taschen ist laut Sunkel und Grimm ebenfalls sehr zu empfehlen. In diesem kann man gerade bei langen Ausfahrten die wichtigsten Sachen, wie einen Ersatzschlauch, Werkzeug und eine kleine Pumpe verstauen, damit die Fahrt nicht bei kleinen Problemen schon beendet werden muss. „Und was zu essen. Das ist ganz wichtig“, ergänzt Sunkel. Die Sicherheit steht natürlich an erster Stelle und deshalb stellt Ronald Grimm klar: „Ohne Helm geht es bei uns nicht.“ Und auch die Hobbyfahrer sollten sich an diese Richtlinie halten.

Je nachdem wie intensiv man Rad fahren möchte, empfehlen die Beiden, sich ein Schuhsystem mit den passenden Pedalen zuzulegen, damit eine gute Verbindung zum Rad besteht. In Schwerin gibt es außerdem die Möglichkeit, bei Radhändlern die Räder zu testen und sie sich von Spezialisten genau auf die eigenen Bedürfnisse einstellen zu lassen. Sunkel und Grimm raten sogar dazu, da man sonst bei falscher Position schnell ungesund und ineffektiv fährt. Das raube schnell die Motivation.

Bei Interesse legen die Beiden Radsportfans nahe, sich einer Gruppe anzuschließen. „Da geht es nicht nur um das gemeinschaftliche Fahren, sondern auch um den Versicherungsschutz, der in den Beiträgen enthalten ist. Es kann immer mal passieren, dass man stürzt oder das Rad kaputt geht“; erläutert Sunkel die Vorteile. Direkt am Anfang raten Beide aber davon ab, sich einer Gruppe anzuschließen. „Das wird dann schnell deprimierend, wenn die Anderen wegfahren und man selber nicht mithalten kann“, erklärt Grimm.

Wer für sich allein fährt, sollte sich eher Zeiten vornehmen, anstatt auf Kilometer zu achten. Gerade das sogenannte Blocktraining bietet sich dafür besonders gut an. Hierbei fährt man zwei oder drei Tage hintereinander eine gewisse Zeit und macht danach zwei Tage eine Regenerationspause. Die Zeiten können dann sukzessive gesteigert werden. „Die Kilometer kommen dann von ganz alleine.“ Ernst Sunkel und Ronald Grimm wünschen sich, dass sich mehr Hobbysportler dazu entschließen, bei der Organisation und dem Training zu helfen.

Abschließend fassen sie zusammen: „Wer Erfolge bei sich selber sehen möchte, der muss Fleiß und Zeit mitbringen. Wenn man dafür bereit ist, dann wird man schnell eine Veränderung merken und den Spaß am Radfahren entdecken.“

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