Diskussion über Tierschutz : Ist die Jagd auf Wildtiere kontraproduktiv oder schlicht notwendig?

'Wenn Rebhühner wählen könnten, würden sie für die Fuchsjagd stimmen', sagt der Jagdverband. Tierschützer argumentieren dagegen.
"Wenn Rebhühner wählen könnten, würden sie für die Fuchsjagd stimmen", sagt der Jagdverband. Tierschützer argumentieren dagegen.

Jäger sollen das Gleichgewicht in der Natur regulieren. Doch Tierschützer werfen ihnen "Lust am Töten" vor.

nnn.de von
15. Juni 2018, 15:44 Uhr

Bremen | Dürfen Füchse oder Wölfe geschossen werden? Was ist mit Rebhühnern, Feldhasen, Waschbären und Wildschweinen? Für Jäger stellen sich diese Fragen nicht. Sie halten es für eine schlichte Notwendigkeit, damit so das Gleichgewicht in der Natur reguliert wird. Die Tierrechtsorganisation Peta sieht dagegen keinen Grund für jagdliche Eingriffe – sie wirft den Jägern "Lust am Töten" vor.

Peter Höffken, Peta-Fachreferent für Wildtiere, hält jagdliche Eingriffe weder bei Wildschweinen oder Füchsen noch bei anderen Tieren für nötig. "Wenn man einfach nichts machen würde, dann würde sich das auf einem naturverträglichen Level einpendeln", sagt er. "Die Lust am Töten ist bei der Jagd dabei."

Aufgrund tiefer Gräben wie dieser hat der Deutsche Jagdverband vor einigen Jahren die Kampagne "Fakten statt Vorurteile" gegründet. Die Fuchsjagd ist eines der dort angesprochenen Themen. "Wenn Rebhühner wählen könnten, würden sie für die Fuchsjagd stimmen", heißt es auf der Internetseite jagd-fakten.de. Dank erfolgreicher Tollwutimpfung gäbe es heute doppelt so viele Füchse wie vor 20 Jahren. "Wenn räuberische Arten wie der Fuchs in unnatürlich hohen Beständen vorkommen, können sie – in Verbindung mit abnehmender Lebensraumqualität für die Beutetiere – am Boden brütende Vögel an den Rand des Aussterbens bringen", heißt es dort.

Kritik an der industriellen Landwirtschaft

Peta allerdings hält dagegen. Die Tierrechtsorganisation hat auf ihrer Website selbst die "Zehn größten Irrtümer über die Jagd" zusammengetragen, die sie dort als "Märchen und Stammtischparolen" bezeichnet. Zum Thema Fuchsjagd beispielsweise entgegnet sie den Argumenten des Jagdverbandes mit einem Artikel des Zoologen, Evolutionsbiologen und Ökologen Josef H. Reichholf. Er schreibt, dass für den Rückgang von Niederwild wie Rebhuhn und Hase weitgehend die industrielle Landwirtschaft verantwortlich sei – und die intensive Bejagung.

Die Fuchsjagd stehe symbolisch dafür, dass zahlreiche Tiere völlig unnötigerweise getötet und als Zielscheibe missbraucht würden, sagt Höffken. Er kritisiert insbesondere die Art und Weise. Aus seiner Sicht sind Bau- und Fallenjagd Tierquälerei – und die Liste der jagdbaren Tierarten.

Torsten Reinwald, Diplom-Biologe und Sprecher des Deutschen Jagdverbandes sagt, dass man mit Peta-Vertretern nicht über diese Themen diskutieren könne. Es fehle die Grundlage für einen Austausch, "es gibt gar keine Schnittmengen".

Ein Eingriff in die Tierwelt sei aus seiner Sicht heutzutage zwingend erforderlich. "Hätten wir in den 80er Jahren nicht begonnen, Füchse gegen die Tollwut zu impfen, könnten bei uns ähnliche Zustände herrschen wie in Indien", sagt er. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben dort jedes Jahr 18.000 bis 20.000 Menschen an Tollwut. Übertragen wird der Virus dort von Straßenhunden, aber auch von Affen, Katzen und Schakalen. Ebenso wäre die Gefahr von afrikanischer Schweinepest und der Maul- und Klauenseuche ohne den Eingriff des Menschen ungleich höher.

Dennoch müsse nicht jedes Tier gejagt werden, nur weil es auf der Liste der jagdbaren Tierarten steht, argumentiert Peta-Fachreferent Höffken. Mit dem Ökologischen Jagdverband (ÖJV) beispielsweise habe er bereits sehr konstruktive Gespräche führen können. Dieser setzt sich für eine "zeitgemäße Jagd" ein und fordert ebenfalls die Abschaffung der Fallen- und Fuchsjagd. Füchse einfach totzuschießen, um sie anschließend zu "entsorgen", sei nicht zu rechtfertigen.

Jagdverband fordert Vernetzung mit Organisationen und Landwirten

Am Freitag hat in Bremen der Bundesjägertag stattgefunden. Reinwald forderte dort eine bessere Vernetzung mit Naturschutzorganisationen und Landwirten. "Wir haben schließlich alle dasselbe Ziel - den Erhalt von Tierarten", sagt er. Um eine Tierart zu schützen, reiche es nicht aus, ein Gebiet abzuriegeln. "Isolierte Gebiete führen zu Inzucht, dann stirbt die Art, die geschützt werden soll. Wir müssen Lebensräume vernetzen."

Die Zusammenarbeit mit BUND sowie Nabu beispielsweise funktioniere gut, ein Vorzeigeprojekt sei das Schutzgebiet Bremer Blockland, in dem bedrohte Wiesenbrüter wie Kiebitze, Uferschnepfen und Große Brachvögel leben. "Wir haben doch schließlich alle dasselbe Ziel", so Reinwald: "die Förderung der Artenvielfalt und den Schutz von Tieren."

(mit dpa)

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