Gesunde Umwelt : Sie sorgen sich um Plastik? Dann sollten Sie das wissen

Nudeln, Getreide, Reis: All diese Lebensmittel gibt es in diesem Supermarkt in Potsdam unverpackt.
Nudeln, Getreide, Reis: All diese Lebensmittel gibt es in diesem Supermarkt in Potsdam unverpackt.

Wie schädlich ist Plastik für mich und die Umwelt? Die wichtigsten Informationen zum Thema Kunststoff finden Sie hier.

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07. Januar 2020, 14:48 Uhr

Berlin | Fast überall wird heutzutage Plastik verwendet. Viel davon landet im Müll. Bestenfalls wird das Plastik recycelt, schlimmstenfalls landet es in der Natur, im Meer oder in Drittländern. Hier sind neun Fragen, die Sie sich schon immer über Plastik gestellt haben.

Wo verbrauchen wir am meisten Plastik?

Mit Abstand am meisten Plastik wird in Deutschland für Verpackungen verwendet. Die machen 33 Prozent des Gesamtverbrauchs aus, noch vor dem Bauwesen und elektronischen Geräten. Das berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in seiner Broschüre "Achtung Plastik! Chemikalien in Plastik". Vieles ist mittlerweile in Plastik verpackt. Egal ob die Gurke im Supermarkt, das neue Shirt aus dem Internet oder die Medikamente aus der Apotheke. (Weiterlesen: So gelingt der plastikfreie Einkauf besonders gut)

Wie viel Plastik verbrauchen wir?

Rund 38 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder Deutsche pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Plastikatlas 2019. In der EU liegt der Verbrauch nur in Luxemburg (50,5), Irland (46,2) und Estland (42,2) höher. Insgesamt sind in Deutschland rund 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle (im Jahr 2017) verbraucht worden, berichtet das Umweltbundesamt. Davon bestehen rund 17 Prozent aus Kunststoff.

 Foto: dpa/Patrick Pleul/ZB
dpa/Patrick Pleul/ZB
Foto: dpa/Patrick Pleul/ZB


Wie viele Kaffeebecher landen im Plastikmüll?

In Deutschland landen jedes Jahr rund 2,8 Milliarden Coffee-To-Go Becher im Mülleimer. Das sind rund 7,6 Millionen pro Tag, 320.000 pro Stunde und knapp 34 Einwegbecher pro Person jährlich. Das geht aus Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe hervor.

Wird der Kaffee mitgenommen, erhalten Verbraucher einen Becher aus Papierfasern, der innen eine dünne Kunststoffschicht hat, plus eines Plastikdeckels. Wäre der Becher aus Pappe, würde er aufweichen und der heiße Kaffee auslaufen.

Welche Auswirkungen hat Plastik auf den Menschen?

Viele Chemikalien, die zur Herstellung von Kunststoffen eingesetzt werden, sind giftig und gesundheitsschädlich, wie der BUND berichtet. Besonders die Zusatzstoffe sind gefährlich: Sie sind nicht fest im Plastik gebunden und können mit der Zeit entweichen. Diese Zusatzstoffe enthalten Substanzen, die ins Hormonsystem eingreifen. Und das kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. (Mutter und Autorin: "Ich will meine Familie nicht mit Plastik füttern")

Rolf Buschmann, Experte für Plastik beim BUND, unterstreicht das: "Oft ist nicht der Kunststoff selbst schädlich, sondern die darin enthaltenen Zusatzstoffe und Weichmacher." Seiner Einschätzung nach sind Lebensmittelverpackungen in Deutschland aber relativ sicher.

Wie wirkt Plastik auf Kinder?

Laut dem BUND reagieren vor allem Babys und Kleinkinder empfindlich auf hormonell wirksame Chemikalien: "Bei Jungen werden Missbildungen der Geschlechtsorgane und Unfruchtbarkeit, bei Mädchen etwa verfrühte Pubertät auf die Wirkung dieser Stoffe zurückgeführt", schreibt der BUND in der Broschüre. Die Umweltschützer raten, keine Lebensmittel in Plastikgefäßen zu erhitzen. Für die Mikrowelle sollte Porzellan- oder Steingutgeschirr benutzt werden.

Foto: Colourbox.de
Colourbox.de
Foto: Colourbox.de


Warum sollten Sie bei Plastik-Spielzeug hinschauen?

Eltern sollten bei Spielzeug aufpassen. Tatiana Santos vom Europäischen Umweltbüro (EEB) sagt: "Die problematischsten Spielzeuge sind die aus Plastik." Vor allem aus China käme dabei ein großer Teil an Spielsachen mit gesundheitsschädlichen Chemikalien. Dem europäischen Verbraucherverband Beuc zufolge gehören zu den problematischen Produkten in Deutschland etwa Puppen und Actionfiguren.

Grundlage dafür ist das europaweite Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte (Rapex). Über Rapex können einzelne Staaten Informationen zu gefährlichen Waren austauschen, die dann vom gesamten EU-Markt genommen werden können. Rapex zufolge betrafen gut 45 Prozent aller erfassten Fälle im laufenden Jahr Risiken wegen enthaltener Chemikalien. Vor allem Phthalate – in Plastik verwendete Weichmacher – standen dort im Fokus.

Welche Plastikprodukte werden verboten?

Die Europäische Union hat im März 2019 dafür gestimmt, bestimmte Einweg-Plastikprodukte ab 2021 zu verbieten. Davon sind nur Produkte betroffen, die leicht ersetzbar sind und zu über 70 Prozent des im Meer schwimmenden Plastiks ausmachen. Dazu zählen Wattestäbchen, Teller, Besteck und Strohhalme aus Plastik. (Weiterlesen: Elf praktische Tipps für ein plastikfreies Bad)

Was ist mit Plastik-Alternativen wie Bambus?

Bambus-Behälter werden gern als ökologisch bessere Alternative verkauft. Doch Bambusbecher beispielsweise enthalten Melaminharz – ein Kunststoff, der unter Umständen als gesundheitsgefährdend gilt. In mehr als der Hälfte der Becher einer Stichprobe der Stiftung Warentest ging der Stoff auf den Inhalt über: das Getränk. Ihr Urteil: "Lassen Sie die Finger von Bambusbechern."

Von wegen gute Alternative: Viele Bambus-Becher enthalten Schadstoffe. Foto: dpa/Zacharie Scheurer
dpa/Zacharie Scheurer
Von wegen gute Alternative: Viele Bambus-Becher enthalten Schadstoffe. Foto: dpa/Zacharie Scheurer


Die Warentester untersuchten nach jeder dritten und siebten Befüllung eines Bechers den Gehalt von Formaldehyd und Melamin in der Flüssigkeit – beides Stoffe, die aus dem Becher übergehen können. Sieben Becher fielen dabei durch. Außerdem zeigte sich: Die Schadstoffe verflüchtigen sich auch nicht nach einer gewissen Einsatzzeit.

Formaldehyd kann Augen, Haut und Atemwege reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Melamin ist verdächtig, für Erkrankungen der Blase und der Nieren verantwortlich zu sein. Alternativen zu Bambus-Varianten sind Mehrwegbecher aus Edelstahl, Porzellan und auch Polypropylen (PP), erklärt die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

Wie kann ich Plastik entsorgen?

In Deutschland gibt es für die Plastikentsorgung den gelben Sack. Aber nicht alles, was aus Plastik ist, gehört hinein. Zahnbürsten und Kugelschreiber gehören zum Beispiel in den Restmüll und große Kunststoffprodukte in den Restmüll oder den Wertstoffhof.

In den gelben Sack dürfen Sie alle Verpackungen aus Kunststoff werfen. Laut dem Entsorger-Unternehmen Grüner Punkt gehören dazu:

  • Folien
  • Plastiktüten
  • Shampooflaschen
  • Coffee-To-Go-Becher
  • Tetrapacks und
  • Nudeltüten.

Wenn Sie Bio-Plastik verwenden, sollten Sie sich vorher genau informieren, ob Ihr kommunaler Entsorger diese als Plastik- oder Bio-Müll verarbeitet.

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Wie kann ich Plastik einsparen?

Um im Alltag weniger Plastik zu verbrauchen, gibt es viele Möglichkeiten. Beim Einkaufen etwa einen Stoffbeutel verwenden. Glas statt Plastik zu verwenden ist ebenfalls ein gutes Motto. Verbraucher können im Bad recht einfach bei der Grundausstattung auf Plastik verzichten.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

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