Klimawandel : Auf der Spur der schlimmen Stürme

Schlimme Verwüstungen: Ein halb versunkenes Boot liegt nach dem Hurrikan Irma im Hafen von Palm Shores in Florida.
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Schlimme Verwüstungen: Ein halb versunkenes Boot liegt nach dem Hurrikan Irma im Hafen von Palm Shores in Florida.

Ein Hurrikan jagt den nächsten – zeigt sich hier bereits der Klimawandel?

nnn.de von
30. September 2017, 16:00 Uhr

Harvey, Irma, Maria – was klingt wie die Besetzung eines alten Heimatfilms, sind nun Namen, die für viele Menschen in der Karibik und den USA für lange Zeit die Erinnerung an katastrophale Zerstörung, Tote und Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe wecken.

Innerhalb von nicht einmal vier Wochen trafen drei heftige Hurrikane auf US-amerikanisches Gebiet. Erst wütete Harvey in Texas und schüttete bisher nie gesehene Regenmengen über der Millionenstadt Houston nieder. Kurze Zeit später entwickelte sich mit „Irma“ ein Wirbelsturm, der für unfassbare eineinhalb Tage über dem Meer eine Windgeschwindigkeit von 297 Stundenkilometer aufrecht hielt. Eine Geschwindigkeit, die man sich hierzulande kaum vorstellen mag – fängt doch unsere selten erreichte und gefürchtete Windstärke 12 bereits bei 118 Stundenkilometern an.

Kaum verwunderlich also, dass auch die leicht heruntergekühlte Irma später mit Windgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern in der Karibik sowie in Florida heftige Schäden anrichtete. Puerto Rico schließlich blieb von Irma weitestgehend verschont, nur um wenige Tage später von Hurrikan Maria verwüstet zu werden. In der Summe trafen bereits zu diesem Zeitpunkt des Jahres mehr zerstörerische Hurrikane auf die US-amerikanische Küste als jemals zuvor in einem ganzen Jahr. Dabei ist die Wirbelsturmsaison noch lange nicht vorbei (siehe Grafik rechts). Gerade im Oktober könnte noch einiges nachkommen, warnen Experten.

Ist das nun einfach Pech? Ein tragischer Zufall, der aus dem chaotischen Zusammenwirken von Wind und Wasser geboren wurde? Oder ist es der Klimawandel, der hier eine Rolle spielt?

Immerhin ist die Entstehung von Hurrikanen an eine hohe Temperatur an der Wasseroberfläche gebunden: Auf einer sehr großen Fläche müssen mindestens 26,5 Grad gemessen werden. Nur dann kann genügend Wasser verdampfen, aufsteigen und dem Hurrikan Energie zuführen. Die Klimaerwärmung und die damit einhergehende Erwärmung des Atlantiks könnte diesen Prozess also deutlich anheizen. Doch es gibt noch viele weitere Faktoren, die bei der Entstehung von Wirbelstürmen eine Rolle spielen. Die Temperatur im Wasser muss nach unten hin gleichmäßig abnehmen, das Entstehungsgebiet darf nicht zu nah am Äquator liegen und es dürfen keine chaotischen Winde, sogenannte Scherwinde wehen.

Betrachtet man nur die Hurrikane, die auf Land trafen, zeigt sich sogar eine leichte Abnahme der Hurrikananzahl.

Eben letztere könnten Modellen zufolge durch den Klimawandel jedoch zunehmen, was wiederum für eine Abnahme der Hurrikanaktivität sprechen würde. Auch das pazifische Klimaphänomen El Niño ist für die Hurrikansaison anscheinend ausschlaggebend. Sowohl 2005, mit Hurrikan Katrina und anderen Wirbelstürmen die bisher verheerendste Saison, als auch in diesem Jahr war El Niño komplett ausgefallen. Daher warnten US-Metereologen bereits im Mai vor einer starken Hurrikansaison. Allerdings fiel ihre Warnung vorsichtig aus: Mit 45-prozentiger Wahrscheinlichkeit seien überdurchschnittlich heftige Hurrikans zu erwarten. Und diese Vorsicht ist bei den launischen Hurrikans durchaus geboten. Denn von der Wassertemperatur, über lokale Winde und globale Strömungsprozesse alles zuverlässig zu prognostizieren, ist ein mühsames Geschäft.

Einfacher ist da manchmal der Blick in die Vergangenheit: Bisher konnte die amerikanische Wetter- und Ozeanbehörde NOAA noch keinen Einfluss des Klimawandels auf die Hurrikansaison im Atlantik nachweisen. Tatsächlich zeigen zwar historische Daten, dass die Anzahl der Hurrikane seit 1878 angestiegen ist. Allerdings geben die Wissenschaftler der Behörde zu bedenken, dass die Wirbelstürme gerade über dem Atlantik früher nicht so zuverlässig und vollständig erfasst wurden wie in den vergangenen Jahren. Wird dieser Effekt herausgerechnet, so bleibt keine statistisch bedeutende Steigerung übrig. Betrachtet man nur die Hurrikane, die auf Land trafen und damit zu jeder Zeit relativ zuverlässig beobachtet und erfasst wurden, zeigt sich sogar eine leichte Abnahme der Hurrikananzahl.

Auch für die Zukunft prognostizieren die meisten Modelle, dass die globale Anzahl aller Wirbelstürme im Laufe des 21. Jahrhunderts abnehmen wird. Allerdings folgt hier ein großes „Aber“: Denn die Intensität der Hurrikans wird den Modellen zufolge deutlich zunehmen, und auch die Niederschlagsmenge wird demnach um zehn bis 15 Prozent ansteigen. Ein Szenario, das in den Ohren vieler Betroffener wie Hohn klingen dürfte. An den Schäden gemessen, war diese Hurrikansaison bereits jetzt die wohl verheerendste. Hier allerdings zeigt sich auch eine Entwicklung, die ganz sicher direkt von den Menschen gesteuert und verursacht wurde: In den gleichermaßen Hurrikan-gefährdeten und beliebten Städten und Wohngebieten Floridas wurden immer mehr und teurere Immobilien gebaut.

Auch in Houston, das unter den Regenmassen des Hurrikans schier ertrank, sind immer mehr Flächen versiegelt und viel zu tief liegende Wohngebiete geschaffen worden. Das Wasser konnte hier gar keinen Weg mehr finden, um abzufließen. Anfang September gab der texanische Gouverneur die Schadenssumme mit 150 bis 180 Milliarden Dollar an. Dies sei höher als die Schäden, die von den Hurrikanen Katrina 2005 und Sandy 2012 verursacht wurden. Eine Folge des Klimawandels mag er darin allerdings nicht erkennen.

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