Besser als ihr Ruf : Meine Freundin, die Kiefer

Deutlich sichtbar sind verbrannte und noch grüne Kiefern eines Waldes nahe Treunbrietzen.
Deutlich sichtbar sind verbrannte und noch grüne Kiefern eines Waldes nahe Treunbrietzen.

Die Kiefer hat ein schlechtes Image, vor allem beim Thema Waldbrand - Zu Unrecht?

nnn.de von
12. Juli 2019, 05:00 Uhr

Der Ruf der Kiefer ist ramponiert. Kommt es bei großer Trockenheit zu verheerenden Waldbränden in Brandenburg, taucht die Frage auf: Warum erfolgt der Waldumbau nicht schneller? „Der Ruf der Kiefer ist unberechtigt zu schlecht“, sagt Waldökologe Jens Schröder von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Sie sei dort gepflanzt worden, wo sonst kaum etwas wachse. Das spreche für den Baum. 2007, als die Pinus sylvestris L Baum des Jahres war, stand ihre Schönheit im Blick. Ihr Aussehen, die hohen Kronen und der einzigartige Geruch des frisch geschlagenen Holzes wurden gerühmt.

71 Prozent der Bäume sind Kiefern

Problematisch ist die Übermacht in märkischen Wäldern. Etwa 71 Prozent der Bäume sind Kiefern. Im Land konzentrieren sich 30 Prozent der Kiefernfläche und 25 Prozent des deutschen Holzvorrats. Schuld ist der Mensch. „Wenn der Wald verschwunden war durch Raubbau oder Kriege, schnell aufgeforstet werden mussten, wurde auf die Kiefer zurückgegriffen“, sagt Schröder. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien komplette Waldbestände für Reparationen abgeholzt worden, die meist mit Kiefern aufgeforstet wurden.

Warum griffen Forstleute und Waldbesitzer bei der Aufforstung zur Kiefer? Sie kommt mit extremen Bedingungen gut klar, mit viel Sonne und Licht, viel Kälte, vielen Niederschlägen, auch mit sehr kargen Böden. Diese Genügsamkeit bietet kaum ein anderer Baum.

1500 Hektar Mischwald pro Jahr

In den vergangenen 25 Jahren wurden nach Angaben des Forstministeriums mehr als 85 000 Hektar zu Mischwäldern umgebaut, pro Jahr etwa 1500 Hektar. Etwa 3000 bis 6000 Setzlinge je Hektar kommen per Hand in den Boden. Ein bis drei Euro kostet die Pflanze. Dazu kommen noch etwa 2000 Euro für Zäune je Hektar, um die jungen Bäumchen vor Wild zu schützen.

Schon Friedrich II. (1712-1786) machte sich für die Aufforstung märkischer Wälder stark. „Teilweise wuchsen junge Bäume unter Polizeiaufsicht, damit nicht Holz gewildert wurde“, erzählt Schröder. Aus jener Zeit sind noch einige Exemplare zu finden. Auf einem Kiefernlehrpfad bei Eberswalde können bis zu 300-jährige Bäume bewundert werden. 30 Prozent der märkischen Kiefern sind 30 bis 40 Jahre alt. Unter ihrem Schutz wachsen die für den Waldumbau wichtigen Laubbäume heran. Doch das dauert Jahrzehnte.

Die Probleme mit der Kiefer begannen mit den großen Beständen. 2018 wurde das deutlich, als große Flächen abbrannten oder von Schädlingen befallen wurden. Der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule sieht nach den Waldbränden auch eine Chance. Auf einem 28 Hektar großen Areal in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) wird nun von der Wissenschaft beobachtet, wie sich das Gebiet entwickelt. „Der Wald der Zukunft ist hoffentlich ein Laubmischwald.“

Klimatische Bedingungen wie in Rumänien und Bulgarien

Es gebe Versuche mit Saatgut aus Rumänien oder Bulgarien, wo klimatische Bedingungen herrschten, wie man sie künftig in Brandenburg erwarte, sagt Waldökologe Schröder. Ein anderes Thema sei die Suche der biologischen Abwehr von Schädlingen. Es gebe Parasiten, die an den Eiern des Kiefernschädlings Nonne oder in den Raupen lebten. Zudem werden Bakterien eingesetzt, die sich in den Raupen vermehren. „Wichtig ist, durch modernste Methoden früher zu erkennen, wo es zu einer Massenvermehrung kommen könnte“, sagt er. Die Kiefer habe auch künftig eine Chance im Land, vor allem in Mischung mit Laubbäumen.

Die Kiefer kann Hitze und Trockenheit mehrere Jahre aushalten. Bei ausreichender Wasserversorgung bildet sie ausreichend Harz, um Schädlinge abzuwehren. Gelingt das nicht, wird der katastrophale Kreislauf in Gang gesetzt: Am Ende bieten geschwächte Bäume Angriffsflächen für Schädlinge und Brände.

Die Deutschen lieben Kiefernholz

Möbel, Fenster, Dielen und Häuser aus dem Massivholz sind gefragt. „Der Vorzug: Das Holz ist preiswert“, so der Bundesverband der Holz- und Sägeindustrie. Die Kiefer zähle zur drittgrößten deutschen Holzartengruppe . Ihr Anteil an den Nutzhölzern liege bei 20 Prozent. Zwölf Millionen Kubikmeter wurden in den vergangenen fünf Jahren jährlich geschlagen. Kiefernholz wird meist in Deutschland genutzt, größere Mengen auch exportiert.

Das Holz eignet sich gut für Holzachterbahnen, Schwellen von Industriegleisen und Palisaden im Gartenbau. Paletten, Kisten und Spanplatten entstehen daraus. Reste und Abfall aus Sägewerken enden als Hackschnitzel, Briketts und Pellets. Nicht zuletzt sagt man den Terpenen aus den Harzen gesundheitsfördernde Wirkungen nach. Auch soll „Waldbaden“ unter zig Meter hohen Kiefern besonders erholsam sein.

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