Medizinerausbildung : Ärzteausbildung droht zu platzen

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Kooperation Asklepios-Klinikum Uckermark in Schwedt mit der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin vor dem Aus?

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07. Februar 2020, 05:00 Uhr

Der Streit um die jungen Ärzte aus Stettin, die unter anderem am Asklepios-Klinikum Uckermark in Schwedt ausgebildet wurden, und um ihre Zulassung bangen, verschärft sich. Am Donnerstag drohten der Geschäftsführer des Asklepios-Klinikums Uckermark, Ulrich Gnauck, und der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Rüdiger Heicappell, mit dem Ende der Kooperation der Klinik mit der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin, sollten die Absolventen von dort in Deutschland weiterhin nicht zugelassen werden.

Asklepios betreibt mit der Stettiner Universität einen gemeinsamen Studiengang. Angehende Mediziner werden im fünfjährigen Vollzeitstudium in englischer Sprache in Stettin ausgebildet, danach absolvieren sie ein praktisches Jahr an einer Asklepios-Klinik in Deutschland. Obwohl sie damit die selben Voraussetzungen wie Absolventen einer deutschen Universität erfüllen, erhalten sie in Deutschland keine Approbation. Schuld ist eine EU-Verordnung: Sie schreibt vor, dass polnische Absolventen für die Zulassung in Deutschland zusätzlich ein 13-monatiges Praktikum und eine Prüfung in polnischem Recht ablegen müssen. Schon weil das Praktikum in polnischer Sprache an einem polnischen Krankenhaus stattfindet, haben die Asklepios-Absolventen wohl keine Chance, diese Voraussetzungen zu erfüllen.

„Unter den gegebenen Umständen sehen wir uns leider gezwungen, diesen Schritt der Auflösung des Kooperationsvertrags mit der Uni zu gehen“, sagte Asklepios-Geschäftsführer Ulrich Gnauck. Seit acht Monaten warteten die Absolventen auf eine Entscheidung. Der Zustand sei für alle Beteiligten unhaltbar. „Uns sind die Hände gebunden, wenn die Politik jetzt nicht genügend Druck ausübt und die Approbationsbehörde sich weiter weigert eine Entscheidung zu treffen, macht das für uns keinen Sinn mehr“, betont der ärztliche Direktor des Asklepios Klinikum Uckermark, Prof. Rüdiger Heicappell. „Wir können dann keinen Beitrag mehr leisten, um gegen den Ärztemangel vorzugehen“, so Gnauck. „Das könnte besonders für unserer Region fatale Folge haben.“

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bedauerte gegenüber dieser Zeitung die Ankündigung von Asklepios. „Wir haben es hier mit einem komplexen EU-rechtlichen Problem zu tun, und um Vorgaben, die nicht nach Belieben ausgelegt werden können“, sagte die Ministerin, die vor ihrer Zeit in der Politik als Notärztin in Berlin tätig war. „Wir als Brandenburger Gesundheitsministerium sind seit Wochen dabei, unter Einbindung des Bundesgesundheitsministeriums, der polnischen Gesundheitsbehörden, der Staatskanzlei, der Landes- und Bundesärztekammer und des Asklepios-Klinikums eine gute Regelung zu finden.“ Sie fände es „äußerst bedauerlich“, wenn es zur Aufkündigung der Kooperation käme. „Zur Lösung des Problems der Anerkennung der polnischen Abschlüsse würde dieser Schritt aber nicht beitragen“, sagte Nonnemacher.

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