Eine Hildebrandt für die SPD : Als Familie gewisse Verantwortung

Elske Hildebrandt, Tochter der früheren Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt sowie Landtagskandidatin der SPD Brandenburg, mit ihrem Hund Pollo.
Elske Hildebrandt, Tochter der früheren Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt sowie Landtagskandidatin der SPD Brandenburg, mit ihrem Hund Pollo.

Die Tochter von Regine Hildebrandt nennt ihre Mutter nicht als Vorbild, ist ihr aber nach eigener Einschätzung von der Art her ähnlich

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17. August 2019, 05:00 Uhr

Der Name Hildebrandt ist in Brandenburg weithin bekannt. Regine Hildebrandt, von 1990 bis 1999 Sozialministerin, war beliebt – nicht nur in Brandenburg. Sie wurde „Mutter Courage des Ostens“ genannt. Die SPD-Politikerin starb 2001.

Doch der Name ist politisch nicht mehr nur mit ihr verbunden. Ihre Tochter Elske ist seit der Kommunalwahl Mitglied der Gemeindevertretung in Woltersdorf (Oder-Spree) südöstlich von Berlin - und sie kandidiert für den Brandenburger Landtag.

Die 45-Jährige hat noch nicht so lange ein Parteibuch. „Der Auslöser, dass ich in die Partei eingetreten bin, war die Trump-Wahl“, sagt die Kita-Beraterin mit Blick auf die US-Präsidentenwahl 2016. „Ich dachte, meine Güte, was ist jetzt hier los? Für mich sind Parteien die Stütze der parlamentarischen Demokratie. Ich dachte, ich muss sie auch stützen.“ Sie war bereits sozial engagiert, zum Beispiel bei der Hilfe für Flüchtlinge. Die Parteiarbeit kam durch die Lokalpolitik, wie sie sagt. „Dass ich für den Landtag kandidiere, hat sich aus der Situation ergeben, weil ich dachte: Jetzt muss jeder ran“, sagt Hildebrandt.

Sie ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Nach ihrem Studium mit Magister in Klassischer Archäologie sowie Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Uni Berlin arbeitete sie zunächst als Archäologin bei einer Grabungsfirma. Seit 2012 wirkt sie am Landesprogramm Sprachberatung im Kreis Märkisch Oderland und seit 2014 in mehreren Modellprojekten des Landes mit. Sie ist auch Inhaberin der „Spielerei“ - erst Spielzeugladen, dann Plattenladen.

Nun ist Elske Hildebrandt SPD-Direktkandidatin im Wahlkreis 32 (Märkisch-Oderland II). Sie steht auf der Landesliste, aber auf Platz 36.

Ein Wahlkampftermin im Museumspark Rüdersdorf ist für sie ein Heimspiel: Elske Hildebrandt schüttelt Hände, spricht mit Leuten und legt selbst Hand an, wenn ein Zelt für die Technik für den Besuch von Ministerpräsident und Spitzenkandidat Dietmar Woidke (SPD) aufgebaut wird.

Als Woidke da ist, spricht er über Krankenhäuser, Grundrente, die AfD, wendet sich gegen eine CO2-Steuer und geht auch auf die Landtagskandidatin ein: „Mir sagen viele Menschen in Gesprächen: Es fehlt ’ne Hildebrandt in der Brandenburger SPD.“

Ihr Engagement will Elske Hildebrandt nicht nur darauf zurückrufen, dass sie Tochter von Regine Hildebrandt ist. Manche sagen, jetzt trete sie in die Fußstapfen der Mutter, berichtet Hildebrandt. „Das ist nicht so“, sagt die 45-Jährige. „Jeder muss machen, was er kann, um der Aufspaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Es geht darum, gemeinsam Probleme zu lösen.“ Sie betont: „Ich sehe meine Mutter nicht als Vorbild, aber in vielen Dingen ist man von den Werten und von der Art her ähnlich. Das hat einen schon geprägt, auch das Verständnis, wie sie sich in die Politik hereingeworfen hat.“ Und sie sagt: „Wir haben als Familie schon eine gewisse Verantwortung.“ Wenn sie spricht, gibt es zumindest Ähnlichkeiten mit ihrer Mutter - sie sagt, was sie denkt.

Ihre Schwester Frauke engagiert sich ebenfalls politisch: Sie leitet die Ostdeutschland-Kommission der Brandenburger SPD und macht sich für eine Quote für Ostdeutsche in Führungspositionen stark. Schwester Elske sieht 30 Jahre nach der Wende noch immer viele Unterschiede zwischen Ost und West. „Die Verletzungen der Nachwendezeit müssen auf den Tisch“, fordert sie. „Darüber muss viel mehr geredet werden. Das ist eine Plattitüde, aber man muss es praktizieren, gemeinsam Probleme lösen und nicht Angst machen.“ Wäre der SPD-Vorsitz etwas für sie? „Ich selbst wirke eher im Konkreten und Kleinen und fühle mich nicht unbedingt in erster Linie als Parteipolitikerin, sondern als Bürgerin, die sich engagiert.“

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