Auf Gesundheit der Mitarbeiter achten : Auswege aus Stress und Co

Der Mangel an Pflegekräften betrifft auch Brandenburg in stark zunehmendem Maße.
Der Mangel an Pflegekräften betrifft auch Brandenburg in stark zunehmendem Maße.

Märkische Unternehmen suchen neue Strategien um Mitarbeiter zu halten / Gesundheitsfürsorge gewinnt erheblich an Bedeutung

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15. August 2019, 05:00 Uhr

In den Wirtschaftsmeldungen ist immer öfter zu lesen, dass Unternehmen den Rotstift ansetzen: Deutsche Bank, Bayer, Siemens streichen Tausende Stellen. Auf der anderen Seite werden Fachkräfte im Handwerk und im Dienstleistungssektor händeringend gesucht – vor allem in Brandenburg.

200 Tage wartet ein Sanitärbetrieb im Schnitt, ehe eine Stelle neu besetzt ist. Bei Pflegeheimen sieht es nicht besser aus. Unternehmen, die Mitarbeiter halten wollen, brauchen Strategien, sind sich die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) und die Industrie und Handelskammer Ostbrandenburg einig. Deshalb luden sie zur Veranstaltung „Gesunde Unternehmen brauchen gesunde Mitarbeiter“ ein.

„Etwa 30 Unternehmer und Personalverantwortliche kamen. Unter anderem die Wirtschaftsförderung Brandenburg, das Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie und das Bündnis für Familie Frankfurt haben uns unterstützt“, sagt Annett Schubert, Leiterin Regionalcenter Oderland der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg. Vor allem der Vortrag von Neurocoach Dr. Sven Sebastian zu den Lebens-Risiken Schmerz, Schlafstörungen, Stress und Sucht fand große Resonanz. Während vor wenigen Jahren die meisten Firmen persönliche Belange wie Gesundheit in Verantwortung der Mitarbeiter sahen, habe sich das Verständnis dafür sehr geändert. Es liege beim Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter gesund seien oder es würden, hieß es im Workshop. Auch bei den Firmen hat ein Umdenken eingesetzt, wenn auch nicht ganz freiwillig, sondern durch den Fachkräftemangel.

Fachkräftemangel stellt laut Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages das größte Geschäftsrisiko für die deutsche Wirtschaft dar. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen sehen darin eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung. Aktuell sind in Deutschland 352 von 801 Berufsgruppen mit Fachkräfteengpässen konfrontiert. Rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze sind unbesetzt.

Dr. Ullrich Niedermeyer, Chefarzt der Psychiatrie am Klinikum Frankfurt (Oder), informierte über Sucht und gab Tipps zum Umgang mit Arbeitnehmern, die Suchtauffälligkeiten zeigen. Ein ruhig geführtes Gespräch mit Personen, die nicht zum privaten Umfeld des Erkrankten gehören, sei wichtig und oft der Anfang für ein Umdenken. Druck und eine öffentliche Anklage würden das Gegenteil erreichen. Der Betroffene verschließe sich und das Suchtproblem würde sich vergrößern.

Lore Sülwald und Katrin Rahnefeld vom Unternehmen „Sensibilität macht stark“ vermittelten Strategien für Teams und Führungskräfte, sensibel und achtsam mit Stress umzugehen. Der Workshop „Schmerz & Schlafstörungen“ von Sven Sebastian zeigte, wie Termindruck, Konflikte mit Kollegen und die Sorge um den Arbeitsplatz zu innerer Unruhe oder Problemen beim Ein- und Durchschlafen führen.

Jüngere Mitarbeiter hätten eine andere Einstellung zum Arbeitsplatz und zu den Kollegen. Work-Life-Balance sei ihnen wichtig. Haben frühere Jahrgänge durch Erziehung und wirtschaftlichen Druck Ärger mit Vorgesetzten oder Streit mit Kollegen oft heruntergeschluckt, sei bei nach 1985 Geborenen eine sehr viel geringere Toleranz für diese Unannehmlichkeiten zu beobachten. Hinzu komme der veränderte Alltag durch Smartphone und Social Media. Nicht nur im Unternehmen sind Millionen Arbeitnehmer faktisch stets erreichbar, auch im Privaten gehören Facebook und Co zu den ständigen Begleitern.

„Informationsflut und ständige Erreichbarkeit setzen viele Menschen unter Druck, weil sie meinen, das Smartphone immer eingeschaltet haben zu müssen“, sagt Annett Schubert. Doch es gebe Strategien sich aus der ständigen Verfügbarkeit zurückzuziehen. Vor allem ein festes Zeitmanagement, wann das Smartphone zum Einsatz kommt, sei wichtig. Am Ende bleib e es eine individuelle Entscheidung.

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