Komfortstörungen zu Leibe rücken : Bahn will schneller reparieren

Wartung im stillen Örtchen: Ein Mitarbeiter der DB-Regio-Werkstatt Lichtenberg prüft die Funktion der Toilette. 60 Mitarbeiter sind für die Reparatur von 140 Zügen zuständig.
Wartung im stillen Örtchen: Ein Mitarbeiter der DB-Regio-Werkstatt Lichtenberg prüft die Funktion der Toilette. 60 Mitarbeiter sind für die Reparatur von 140 Zügen zuständig.

Neue Technik für WC-Reinigung und Folienauskleidungen sollen Behebung von Schäden beschleunigen

nnn.de von
18. April 2019, 05:00 Uhr

Berlin | Jeder Bahnreisende kennt es aus eigener Erfahrung: Die Blase drückt, doch die Toilette im Waggon ist gesperrt, die nächste besetzt. Oder auf einem überfüllten Bahnhof will man in den Regionalzug einsteigen, doch an der Tür prangt der gelbe Zettel „Tür defekt“.

Für Pendler ist das ärgerlich, für die Bahn auch, doch sie nennt es Komfortstörung. In den Werkstätten der Deutsche Bahn-Tochter DB Regio befassen die Techniker zu 70 Prozent mit Komfortstörungen an den 550 Fahrzeugen, die in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind.

Kaputte Türen, defekte Klimaanlagen, verstopfte Toiletten, aufgeschlitzte Sitze und fehlerhafte Fahrgastinformationen auf den Monitoren – in der Vergangenheit gingen nach Angaben von Bernd Schniering, Leiter Produktion der DB Regio Nordost, pro Tag bis zu 670 solcher Störungsmeldungen ein und mussten möglichst zeitnah beseitigt werden. Mit der Folge, dass ein „gestörter“ Waggon mal schnell abgekoppelt und in die Werkstatt gerollt werden musste, mit seinen 125 Sitzplätzen im Berufsverkehr fehlte. Was der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg abstrafte, weil die vertraglich vereinbarte Kapazität nicht eingehalten wurde. Inzwischen hat sich die Fehlerquote halbiert, doch Schniering weiß, „dass die Bahn in der öffentlichen Wahrnehmung leider als nicht zuverlässig gilt“.

Dieses Bild der Bahn ärgert Schniering ebenso wie seinen Werkstattleiter in Lichtenberg, Olaf Möller, wenn der in defekten Toiletten Getränkedosen und Kleidungsstücke findet. In der Werkstatt werden die Kloschüsseln aus Metall regelmäßig in einer riesigen Spülmaschine mit Zitronensäure gereinigt und die Rohrleitungen mit einer neuen, 40 000 Euro teuren Waschanlage von Rückständen befreit.

Alle zwei Tage müssen die WCs entleert und die Wassertanks befüllt werden. „Schäden werden in der Regel an einem Tag in der Werkstatt abgearbeitet", sagt Möller. Für akute Fälle hält DB Regio mobile Teams in Reserve, die bei Störungen auf Abstellgleisen in Frankfurt (Oder) und Wünsdorf Schäden vor Ort beseitigen, ohne dass der havarierte Waggon in die Werkstatt muss. „Sie erhalten ihre Aufträge elektronisch über ihr Tablet und fahren dann zu den jeweiligen Abstellorten, wo wir auch die wichtigsten Ersatzteile lagern“, erklärt er.

Im Normalfall steuert ein Zug nach 27 000 Kilometern eine Werkstatt an. Bei 1000 Kilometer Laufleistung am Tag steht einmal monatlich ein Werkstattbesuch an. Die Werkstatt in Lichtenberg mit 60 Mitarbeitern ist täglich rund um die Uhr besetzt. Kommt ein Zug nach der letzten Tour nachts um 2 Uhr zum „Boxenstopp“, müssen die Arbeiten bis 15 Uhr beendet sein. „Unser Ziel ist“, betont Möller, „dass kein Wagen die Werkstatt mit einer Komfortstörung verlässt“.

Um dem Vandalismus, gerade auf Zugtoiletten, vorzubeugen, hat DB Regio Nordost beim nach Rostock fahrenden RE5 zwei WCs komplett mit riesigen Folien beklebt. Wer dort seine Notdurft verrichtet, glaubt, mitten auf einer mit Blumen bewachsenen Wiese zu sitzen. Der Vorteil: Graffiti sind von der Folie leichter zu entfernen als vom üblichen Material, das im Zug verbaut worden ist. „Wir wollen mal schauen, ob sich das bewährt“, sagt Möller.

Und noch etwas anderes hat sich die Bahn einfallen lassen. Die Tücher zum Abtrocknen der Hände sind jetzt aus einem Material, das sich im Wasser auflöst. Man habe den Anbieter gewechselt und hoffe nun auf weniger Störungen.


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