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Wenn geschützte Arten zu Fischräubern werden : Binnenfischer contra Natur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Immer mehr Kormorane, Biber und Fischotter machen Petrijüngern das Leben schwer / Diese fordern Eingriffe in den Bestand der Tiere

nnn.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Kormorane, Biber und Fischotter: Märkische Fischer möchten stärker gegen diese Arten vorgehen. Beim Besuch des zuständigen EU-Kommissars Karmenu Vella in Storkow (Oder-Spree) trugen sie ihm gestern ihre Sorgen vor. Zu starre Naturschutzvorschriften sorgten für massive Probleme im Fischereiwesen, sagte Lars Dettmann vom Landesfischereiverband (LFV). Die Umwelt habe sich dank vieler Ge- und Verbote massiv erholt. Das könne man an den gewachsenen Kormoran-Population ablesen. Deutschlandweit gibt es laut Deutschem Fischereiverband wieder 100 000 Vögel.

„Das schadet mehr und mehr uns Fischern, weil viele ihre Betriebe in und an Natura 2000 Schutzgebieten haben“, betonte Dettmann. Es bestehe zwischen Natur und Fischerei kein Gleichgewicht mehr. Trotz starker EU-Förderung, die Gemeinschaft unterstützt bis 2020 märkische Fischer mit rund 22 Millionen Euro, gehe es vielen Fischerbetrieben zwischen Elbe und Oder durch mehr geschützte Tiere schlecht.

„Es geht uns um leben und leben lassen“, kommentierte Gregor Beyer vom Forum Natur Brandenburg. Er freue sich, dass sich bedrohte Tiere erholt haben. „Es muss aber zu einem Artenmanagement kommen, dass es Kormorane und Biber gibt, aber es weiter möglich ist, wirtschaftlich Fisch zu produzieren“, betonte Beyer.

EU-Kommissar Vella sagte, einseitige Lockerungen brächten nichts. Über Anpassungen im europäischen Artenschutz müsse mit allen Akteuren wie Umweltorganisationen, Fischern und Regierungen gesprochen werden. „Wenn alle an einem Tisch sitzen, kann das Ergebnis von keiner Seite angegriffen werden“, so Vella. Es müsse ein flexibler Ansatz gefunden werden, wie Ökosysteme gemanagt werden können, sagte der Malteser. Er versprach, sich für einen „Interessenausgleich“ starkzumachen. Ohne das Engagement etwa der Fischer in den „Natura 2000“-Gebieten könnte wichtiger Lebensraum für geschützte Arten verloren gehen.

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) plädierte auch für den flexibleren Umgang mit geschützten Arten. Das Bundesamt für Naturschutz betrachte nur absolute Zahlen und gehe nur marginal auf regionale Unterschiede ein. In Brandenburg lebten aber proportional sehr viel mehr Biber, Otter und Wölfe als andernorts, so dass Konflikte mit Agrarbetrieben vorprogrammiert seien. Der Minister kündigte an, den Umgang mit geschützten Arten auf einer Umweltministerkonferenz zu thematisieren, um ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Tiere und Agrarbetrieben zu schaffen.

In der Mark werden rund 75 000 Hektar Fluss- und Seenflächen bewirtschaftet. Dazu kommen 4000 Hektar Teichlandschaft. Binnenfischer haben gestern in märkischen Gewässern rund 340  000 Jung-Aale ausgesetzt. In Storkow griffen auch EU-Kommissar Karmenu Vella und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zum Wassereimer mit Mini-Aalen. Die Aktion war Teil eines von der EU geförderten Projekts, das in Brandenburg bereits seit 2006 läuft.

Seitdem sind in märkischen Seen und Flüssen knapp 40 Millionen Jungfische entlassen worden, erläuterte Projektleiter Ronald Menzel von der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals. Hierfür seien acht Millionen Euro EU- und Landesmittel ausgegeben worden. In diesem Jahr sollen sechs Millionen Mini-Aale ausgesetzt werden.

Ziel des Aal-Projekts ist es, dass 40 Prozent der ausgesetzten Tiere nach acht bis 15 Jahren ihre Reise in die 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete im Atlantik antreten. So könnten sie zur Reproduktion des europäischen Aalbestands beitragen, weil in der Saragossasee geschlüpfte Fische zurück in die Heimat ihrer Elterntiere wandern. Um diese Quote zu erreichen, müssten laut Menzel jährlich in Brandenburg bis zu neun Millionen Jung-Aale ausgesetzt werden.

 

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