Forstfasching in Eberswalde : Eigenwillig, frech und farbig

Ines Kohls vom Verein Eberswalder Forstfasching e.V. malt an einem Plakat für die diesjährige Aufführung des Vereins.
Ines Kohls vom Verein Eberswalder Forstfasching e.V. malt an einem Plakat für die diesjährige Aufführung des Vereins.

Er ist in der Stadt legendär, in jedem Jahr gut besucht und er hat eine lange Tradition.

nnn.de von
09. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Lagerhalle am Rande von Eberswalde (Barnim) ist vollgestellt mit farbigen Requisiten. „Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit“ steht auf einem Werbeplakat, das stutzig werden lässt. Auf dem Aufsteller links davon wird Reklame für das Erfrischungsgetränk „Pupsi“ gemacht. Und auf der teilweise entblößten Pobacke einer vollbusigen, leicht bekleideten Blondine auf dem Wandgemälde prangt ein Tattoo mit der Aufschrift „Parma“.

„Unverkennbar ist das Thema unserer aktuellen Saison die Werbung, die wir auf die Schippe nehmen, weil sie uns häufig auf die Nerven geht“, sagt Isabell Sydow, Chefin des Vereins Eberswalder Forstfasching (EFF). Kreationen aus den vergangenen Jahren werden teilweise übermalt. Auf Holzrahmen werden zudem Leinwände für neue Bilder gespannt.

Vereinsmitglieder in Blaumann oder Kittel hämmern, schrauben und malen an den großflächigen, farbenfrohen Kulissen, für die der Eberswalder Forstfasching berühmt ist. „Damit dekorieren wir das Haus Schwärzetal für unsere jeweils drei Faschingsveranstaltungen im Februar, die in jedem Jahr unter einem anderen Motto stehen“, sagt die 27 Jahre alte Vereinschefin, die als Referendarin in einer Eberswalder Grundschule arbeitet. Die erste an diesem Sonnabend.

Bleistift und Pinsel finden sich so auch im Vereinswappen – neben den beiden Wildschweinen in Faschingskluft. Die Anfangsbuchstaben EFF des Vereins stehen auch für „Eigenwillig, frech und farbig“ und das erkenne jeder an den Kulissen, erklärt Sydow.

Vereinsmitglied Ines Kohls erzählt, dass sie das von den Hoffnungsthaler Anstalten Lobetal (Barnim) betriebene Kulturhaus Schwärzetal einmal ohne die bunte Dekoration gesehen und sich dort gar nicht zurechtgefunden habe. „Was bei unserem Fasching besonders toll ist: Unsere jährlich etwa 1500 Gäste gestalten ihre Kostüme überwiegend auch getreu dem Motto“, verrät sie.

Den Laien erstaunt der Aufwand der 60 Vereinsmitglieder im Alter zwischen 21 und 75 Jahren dennoch. Nach der Saison ist vor der nächsten, ein Jahr lang laufen die Vorbereitungen. „Es macht einfach tierischen Spaß“, sagt Sydow. Zudem würden die bunt bemalten Kulissen auch anderen Vereinen, Firmen oder Familien für Partys zur Verfügung gestellt. „Ohne treue Sponsoren wären wir allerdings aufgeschmissen“, stellt die angehende Lehrerin klar.

Studenten der Königlich-Preußischen Forstakademie hätten die Faschingstradition in Eberswalde im 19. Jahrhundert gegründet, erzählt das Eberswalder Vereinsehrenmitglied Rüdiger Schulz. Als Nachfolger der Forst-Fachhochschule gab es seinen Erinnerungen nach ab Mitte der 1960er Jahre noch drei Forschungsinstitute, deren eigentlich interne Faschingsfeiern zu sogenannten „Treppenfesten“ wurden. „Das bedeutet: Immer mehr Eberswalder, die nicht dort arbeiteten, schlichen sich ein, so dass es so voll wurde und sogar auf Treppen und Fluren der Institute gefeiert wurde“, erklärt der 64-Jährige. Weil die Veranstaltungen schließlich aus allen Nähten platzten, übernahm ab 1967 der neu gegründete Faschingsverein die Organisation der jetzt öffentlichen Kostümpartys.

Wofür die Feiern schon damals berühmt waren: „Es geht ums Partymachen, wobei es niemanden auf den Sitzen hält“, sagt Schulz. Dafür sorgen mehrere DJs, eine Live-Band sowie der Verein mit einem selbst gestalteten Bühnenprogramm in den Tanzpausen. „Wir machen keinen Karneval mit Funkengarde, Elferrat und Büttenreden. Bei uns wird einfach getanzt und gefeiert“, stellt die Vereinsvorsitzende klar.

Nur ein Umstand wurmt Sydow und ihre Mitstreiter: Es gibt keine Verbindungen mehr zu den Forstwissenschaftlern in der Stadt, obwohl sich die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) bundesweit als grüne Universität einen Namen gemacht hat. „Ich wüsste nicht, wie man da mit dem Verein kooperieren könnte. Es gibt einfach zu wenige Parallelen“, sagt HNE-Sprecherin Johanna Köhle auf Nachfrage.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen