Selbsthilfegruppen als Rückhalt : Gemeinsame Wege aus der Sucht

Selbsthilfegruppen leben vom gegenseitigen Vertrauen.
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Selbsthilfegruppen leben vom gegenseitigen Vertrauen.

Sie kennen sich und vertrauen einander: Selbsthilfegruppen für Abhängige sind für viele eine Chance, auf Dauer von der Sucht loszukommen

nnn.de von
14. Februar 2018, 05:00 Uhr

Es sind eindringliche Gespräche: Schmerzliche Lebensbeichten werden abgelegt oder die Angst beschrieben, wieder rückfällig zu werden und zum Glas zu greifen. In mehr als 200 Sucht-Selbsthilfegruppen in Brandenburg können Betroffene und Angehörige miteinander ins Gespräch kommen. Nach Angaben der Landesstelle für Suchtfragen haben 32 Prozent der Brandenburger einen riskanten Umgang mit Alkohol. „Das heißt klipp und klar: Sie trinken zuviel und zu häufig“, sagte Geschäftsführerin Andrea Hardeling. Wer täglich Alkohol trinke, gefährde seine Gesundheit.

Selbsthilfegruppen seien eine tragende Säule in der Versorgungsstruktur für Suchtkranke, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. „Die Selbsthilfe leistet einen wichtigen Beitrag, um den Sucht-Kreislauf durchbrechen zu können.“ Auch dank des großen Engagements der Landesstelle für Suchtfragen gebe es ein funktionierendes System der Suchthilfe und Suchtprävention im Land. „Alkohol ist immer noch die Droge Nummer 1. Rund 62 Prozent der Menschen, die in Beratungsstellen kommen, haben damit Probleme“, sagte Hardeling. Bei dem Rest gehe es um Cannabis, Glücksspiel und weitere illegale Drogen. „Für jeden Betroffenen, der Hilfe sucht, gibt es Zugang zu Suchtberatungsstellen.“

Nach einer stationären Entwöhnungsbehandlung benötigten viele Betroffene weitere Unterstützung bei der Rückkehr in ein Leben ohne Alkohol. Ehrenamtlich und freiwillig organisierte Selbsthilfegruppen begleiteten diesen Weg. Sie geben Zuspruch für ein abstinentes Leben oder Unterstützung beim Umgang mit Krisensituationen. „Dorthin kommen die, die eine Abhängigkeit haben, eine Therapie absolvieren und nun dauerhaft trocken leben wollen“, sagte Hardeling.

In der Regel treffen sich die Teilnehmer in der Gruppe einmal in der Woche oder 14-tägig. „Sie erörtern, wie Herausforderungen des Lebens ohne Alkohol zu bewältigen sind und was zu tun ist, wenn der Suchtdruck zu groß ist.“ Im Alltag könne es große Hürden geben, wenn jemand konsequent abstinent leben wolle. „Die Teilnehmer kennen sich lange, begegnen sich auf Augenhöhe und vertrauen einander“, so Hardeling.

Es gebe aber auch neue Entwicklungen. Junge Abhängige wollten die Selbsthilfe anders organisieren und sich vom klassischen Stuhlkreis, in dem Probleme erläutert werden, verabschieden. „Sie wollen rausgehen, gemeinsam Sport treiben und dort über die Überwindung ihrer Sucht reden“, sagte die Geschäftsführerin.

Am Sonntag geht es bei der Selbsthilfetagung der Landesstelle um das Leben zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung.Themen wie Achtsamkeit, Selbstfürsorge und Stressbewältigung in schwierigen Lebenssituationen stehen dabei im Vordergrund. Mehr als 170 Teilnehmer werden erwartet.

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