Schutz für religiöse Minderheit : Jesidinnen kommen in die Mark

Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (r) spricht mit dem geistlichen Oberhaupt der Jesiden, Churto Hadschi Ismail (l-r), dem Sohn des weltlichen Oberhauptes Taksim Said Ali, und der jesidischen Abgeordneten Vian Dakheel Saeed.
Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (r) spricht mit dem geistlichen Oberhaupt der Jesiden, Churto Hadschi Ismail (l-r), dem Sohn des weltlichen Oberhauptes Taksim Said Ali, und der jesidischen Abgeordneten Vian Dakheel Saeed.

Die Frauen haben unerträgliches Leid erlebt. Jetzt sollen sie hier zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen

nnn.de von
15. März 2019, 05:00 Uhr

In Brandenburg werden ab Mitte April etwa 60 Jesidinnen und Jesiden mit ihren Kindern aus dem Nordirak im Rahmen einer Hilfsaktion erwartet. „Die Vorbereitungen zur Ankunft und Auswahl laufen“, sagte gestern Staatssekretär Martin Gorholt. Der Landtag entschied 2016, Mitgliedern der religiösen Minderheit zu helfen. Sie waren im Nordirak in Gefangenschaft der Terrormiliz Islamischer Staat geraten, wurden verschleppt, versklavt und vergewaltigt. 2014 flüchteten sie in die kurdischen Regionen und leben in Flüchtlingslagern in Zelten. Baden-Württemberg hatte 2015 als erstes Land rund 1000 Jesiden aufgenommen.

Die koordiniere die Hilfe und setze sie und mit den Ministerien für Inneres, Soziales und Bildung um, sagte Gorholt. Eng zusammengewirkt werde mit Auswärtigem Amt und Bundesinnenministerium, vor allem bei der Visa-Erteilung. Auch mit der UN-Flüchtlingshilfe und der Internationalen Organisation für Migration werde kooperiert. Ansprechpartner sind nach den Angaben ferner die deutsche Botschaft in Bagdad und das Generalkonsulat in Erbil, Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak.

„Das UN-Flüchtlingshilfe schlägt Menschen vor, die in den Flüchtlingscamps leben, und bei denen es sinnvoll scheint, sie nach Deutschland zu bringen“, sagte Gorholt. Die Aufnahme sei zunächst für drei Jahre angedacht. Es gehe vor allem um Frauen, die viel erlitten haben, und ihre Kinder, die möglicherweise aus Vergewaltigungen stammen.

Schutzbedürftigkeit sei ein wichtiges Kriterium für die Auswahl. „Wie lange waren sie in Gefangenschaft, wurden sie gefoltert und misshandelt Opfer kriegerischer oder sexueller Gewalt“, so Gorholt. In Deutschland gebe es bessere und intensivere Behandlungsmöglichkeiten in der Psychotherapie bei erlittenen Traumata. Möglicherweise komme auch der Mann oder der Bruder der Frau für die Aufnahme in Brandenburg in Betracht, um Familien zu erhalten. „Aber in erster Linie geht es um die Frauen“, sagte Gorholt.

Die Liste der Frauen, Männer und Kinder liege vor. „Mit den Betroffenen werden Interviews geführt, Dossiers werden angelegt, Sicherheitsprüfungen in Gang gesetzt“, sagte der Staatssekretär. Auch ein Mitarbeiter des Innenministeriums sei in Kürze vor Ort. Mitte April werde klar sein, wer komme.

Wo die Frauen im Land unterkommen, wird aus Sicherheitsgründen nicht gesagt. Sie kommen zuerst in eine Gemeinschaftsunterkunft. Für die Betreuung der Kinder wird gesorgt. Die Immobilie und der Träger für die Betreuung stehen bereit. „Wenn die Jesidinnen kommen, steht alles bereit“, so Gorholt. Das Team sei auf medizinische und psychologische Betreuung vorbereitet. Das Land stellt in diesem Jahr etwa 900 000 Euro für das Programm zur Verfügung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen