Legehennen frei Haus geliefert

Schwer beschäftigt: Hühnerverkäufer Dieter Siegel (r.) fährt mit seinem Pritschenwagen innerhalb von acht Stunden  fast 50 Dörfer zwischen Rathenow und Nauen an, um aus dem Auto heraus Legehennen, aber auch Zuchttiere zu verkaufen.ddp (2); dpa
Schwer beschäftigt: Hühnerverkäufer Dieter Siegel (r.) fährt mit seinem Pritschenwagen innerhalb von acht Stunden fast 50 Dörfer zwischen Rathenow und Nauen an, um aus dem Auto heraus Legehennen, aber auch Zuchttiere zu verkaufen.ddp (2); dpa

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10. April 2010, 01:57 Uhr

Parchen | Schon 20 Minuten stehen die beiden Rentner Heinz Krumrei und Claus Sand mit ihren Jutesäcken in der Hand auf dem Dorfplatz von Strohdehne im Havelland. In aller Frühe warten sie auf den Hühnerbus von Dieter Siegel. Dann biegt der fahrende Geflügelhändler mit seiner Pritsche um die Ecke.

"Ich will irgendwas Buntes", sagt Neubauer Sand, der vor zehn Jahren von Berlin ins Havelland gezogen ist, zu Siegel. Mit gekonntem Griff holt der sechs blaugrau gesprenkelte Hühner der Rasse Blausperber aus einem Korb von der Ladefläche und stopft sie in einen Sack. Krumrei, der in Strohdehne geboren und aufgewachsen ist, nimmt an diesem Morgen indes ausschließlich Lohmann-Brown. "Die haben ein ruhiges Gemüt und sind die fleißigsten Eierleger", sagt der 72-jährige Hühnerexperte. Außerdem sei "da noch etwas dran, wenn sie in die Suppe kommen", sagt er.

Krumrei und Sand sind nicht die einzigen Kunden, die an diesem Tag auf den Hühnerbus warten. "Mit dem Frühling beginnt für uns die Hochsaison. Sobald es wärmer wird, fangen sämtliche Leute mit den Hühnern an", sagt der Händler über die steigende Nachfrage in den Dörfern. Sprichwörtlich mit dem ersten Hahnenschrei startet er morgens vom Hauptsitz seiner Firma auf dem Geflügelhof Gentz im sachsen-anhaltischen Parchen mit rund 200 Hühnern und Hähnen auf der Ladefläche zu seiner Tour durch das westliche Brandenburg.

Im Laufe des Tages will der 53-Jährige fast 50 Dörfer zwischen Rathenow und Nauen ansteuern. Trotz des eng gestrickten Fahrplans ist der ehemalige Elektriker jederzeit bereit für einen Schwatz mit den wartenden Rentnern. "Manche brauchen eine Beratung in Sachen Hühner, andere wollen einfach nur über dies und das reden", sagt Siegel.

Auf die Idee mit dem mobilen Hühnerbus war Siegels Chef Gerhard Gentz aus Genthin in der Nachwendezeit gekommen. "Als 1991 die Produktionsgenossenschaft in unserem Dorf von heute auf morgen zumachte, waren 40 000 Hühner übrig. Für die fühlte sich keiner mehr verantwortlich", erzählt Gentz. Gemeinsam mit seinem Bruder nahm er sich der Tausenden Hennen an und eröffnete einen eigenen Geflügelhandel.

Damit entdeckte Gerhard Gentz eine Marktlücke. "Unsere Kunden sind fast ausschließlich Rentner, und denen ist die Aufzucht zu mühsam", sagt Gentz, dessen Hühner bereits nach zwei Wochen Eingewöhnungszeit mit dem Legen beginnen. Knapp 20 Jahre später sind die Gentz-Brüder Marktführer unter den Geflügelhändlern in Ostdeutschland. In allen fünf Bundesländern von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen sind ihre Pritschenwagen unterwegs; in Brandenburg beschäftigt Gerhard Gentz drei Fahrer. "Die fahren von März bis Oktober fast nonstop von Dienstag bis Samstag", sagt er.

Sein Bruder deckt nach Gentz Angaben wiederum Mecklenburg und Sachsen-Anhalt ab, wo der Bedarf noch größer sei. Insgesamt, so schätzt der Geflügelhändler, wechseln in der Saison knapp 250 000 Hühner für durchschnittlich 7,50 Euro das Stück vom Pritschenwagen weg den Besitzer. Verkauft werden dabei aber längst nicht nur herkömmliche eierlegende Hühner. Die Ansprüche seien auch bei den Bauern gestiegen, sagt Gentz. Und so gehören Spezialzüchtungen, die grüne oder schokoladenfarbene Eier legen, ebenso zum Sortiment wie Fasane, Perlhühner und Wachteln.

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