Potsdamer Projekt Katte : Mehr Toleranz für Schwule und Lesben

Das Potsdamer Beratungs- und Gewaltpräventionsprojekt Katte verzeichnete im vergangenen Jahr 20 Delikte gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung.
Das Potsdamer Beratungs- und Gewaltpräventionsprojekt Katte verzeichnete im vergangenen Jahr 20 Delikte gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung.

Vergangenes Jahr in Brandenburg weniger Straftaten wegen sexueller Orientierung als noch vor Jahren.

von
15. Februar 2020, 05:00 Uhr

Viele Prominente haben sich in den vergangenen Jahren öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung geäußert. Schwule und Lesben stoßen heute auf mehr Toleranz als früher. Doch noch immer gibt es Gewalt gegen sie. Die in Brandenburg begangenen Straftaten gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung sind in den vergangenen Jahren nach Angaben von Experten zurückgegangen. Laut dem Potsdamer Beratungs- und Gewaltpräventionsprojekt Katte nahm die Zahl dieser Delikte von etwa 40 vor zehn Jahren auf 20 im vergangenen Jahr ab. Hauptgrund sei eine größere Toleranz in der Gesellschaft für andere Lebensweisen, sagte der für den Verein tätige Sozialarbeiter Carsten Bock.

Der 2003 gegründete Verein gilt als Brandenburgs einzige umfassende Beratungsstelle für Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung. Seit diesem Jahr ist er auch Träger der von der Landesregierung unterstützten Koordinierungsstelle Queeres Brandenburg. Katte steht in Verbindung mit Rechtsanwälten, Psychologen oder den Ansprechpartnern für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Polizei in Berlin und Brandenburg und unterstützt Opfer von Straftaten bei Gerichtsverhandlungen.

Ein größeres Verständnis gegenüber schwulen, lesbischen, bi-, trans- oder intersexuellen Menschen sei auch darauf zurückzuführen, dass sich zunehmend mehr Prominente aus Politik, Sport oder dem Showgeschäft zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen, sagte Bock.

Nach seinen Angaben hat der Verein Katte in Brandenburg 2017 noch 27 einschlägige Straftaten registriert, ein Jahr später waren es 24, 2019 dann 20.

Wie das Innenministerium der Linksfraktion des Landtages auf eine Anfrage mitteilte, registrierte die Polizei in Brandenburg im vergangenen Jahr acht Straftaten gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, so viele wie im Jahr 2015. Zwischendurch war die Zahl der Delikte geringfügig zurückgegangen. Bei den als politisch motiviert eingestuften Straftaten ging es um Delikte wie Körperverletzung, schwere Körperverletzung, Beleidigung, Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Laut Bock stellen viele Opfer sexueller Übergriffe keine Strafanzeige.

Gewalttaten in lesbischen Beziehungen seien nahezu ausschließlich Beziehungsdelikte, bei denen eher ein Psychologe helfen könne. Hier gebe es eine relativ große Dunkelziffer. Auch Fälle von Gewalt gegen homosexuelle Schüler würden fast ausschließlich in der Schule geklärt. Auch bei den häufigen Straftaten mit homophoben Hintergrund in Flüchtlingsheimen werde die Polizei selten eingeschaltet. „Den geschädigten Emigranten geht es um die Verlegung in eine andere Unterkunft, was mithilfe der Flüchtlingskoordinatoren in den Kommunen nahezu immer klappt“, sagt Bock. Auch hier gebe es eine hohe Dunkelziffer. Gerade unter Flüchtlingen bestehe oft nur wenig Vertrauen in die Arbeit der Polizei. Bock erinnert sich an einen Fall, bei dem ein schwuler Flüchtling in sozialen Medien auf Arabisch mehrfach mit dem Tode bedroht wurde. „Da hat die Polizei wenig hilfreich gehandelt, auch weil sie die arabischen Aufrufe nicht übersetzen konnte.“ Ohne die Delikte in den Flüchtlingsunterkünften wäre der Rückgang der entsprechenden Straftaten in Brandenburg noch höher ausgefallen.

Auch das Ministerium geht von einer Dunkelziffer aus. Interessenverbände von Menschen mit einer homosexuellen oder anderen Orientierung hätten Vorbehalte gegenüber den Strafverfolgungsbehörden aufgrund einer vermuteten fehlenden Sensibilität beim Umgang mit Opfern genannt. Dies könne Ursache für den Verzicht auf Strafanzeigen sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen