Mehr Kredite : Niedrigzins trifft Sparkassen

Sparkassen: Mehr Kredite und weniger Erträge bestimmen die Lage.
Sparkassen: Mehr Kredite und weniger Erträge bestimmen die Lage.

Rekorde bei Einlagen und Krediten / Ermrich: Institute müssen Kunden trotzdem viel zumuten

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30. August 2019, 05:00 Uhr

Ostdeutschlands Sparkassen rechnen für das Jahr 2019 mit einem Rückgang ihres Betriebsergebnisses um rund elf Prozent, was rund 140 Millionen Euro entspricht. Das sagte der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands, Michael Ermrich, am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin. Die anhaltende Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank belaste die Geldinstitute zunehmend. Aus Sicht der Sparkassen müsse das Problem der Nullzinsen dringend gelöst werden, damit es nicht zu einer „Strafsteuer für Zukunftsvorsorge“ komme. „Viele Menschen laufen bei Nullzinsen in die Altersarmut, und der Osten Deutschlands läuft voran, denn hier werden flächendeckend die niedrigsten Löhne Deutschlands gezahlt und die Erwerbslebensläufe sind überdurchschnittlich oft, unverschuldet durch die Betroffenen, unstetig, was zusammen geringere Rentenansprüche zur Folge hat“, sagte Ermrich.

Auswirkungen habe die Niedrigzinspolitik auch auf die Angebote der Sparkassen. „Die Folgen der Niedrigzinspolitik, ständig wachsender Regulatorik sowie immer weiter steigenden Eigenkapitalanforderungen können wir nicht vollständig von den Kunden fernhalten“, sagte Ermrich. „In diesem Zusammenhang sind die Sparkassen gezwungen, ihren Kunden viel zuzumuten.“

Stärker als früher seien die Sparkassen gezwungen, auf die Nutzung von Angeboten wie Filialen und Automaten zu schauen.

Auch der Geschäftsführer des Verbandes, Wolfgang Zender, sprach davon, dass durch den „Wegfall lieb gewordener Komfortsituationen leider auch unbequeme Entscheidungen nötig“ seien. „Die Grundfesten unserer Sparkassen wie Kundennähe, flächendeckende Präsenz, Verfügbarkeit für alle, die Finanzierung der kleinen und mittelständischen Wirtschaft sowie des Handwerks, ihre jährlich zwischen 40 und 50 Millionen Euro liegende Unterstützung von Kultur, Sport, Bildung und sozialen Projekten werden verteidigt - das fällt aber zunehmend schwerer.“

Die elf Sparkassen in Brandenburg vergaben in den ersten sechs Monaten des Jahres neue Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Damit wurde der „gute Vorjahreswert“ von etwas mehr als einer Milliarde Euro nach Angaben des Verbandes noch einmal übertroffen. Rund 530 Millionen Euro entfielen auf Unternehmen und Selbstständige, rund 587 Millionen Euro auf Privatpersonen. Auch das Volumen der Kredite wachse, auf nun 13,6 Milliarden Euro. Die Einlagen bei den Sparkassen wuchsen ebenfalls: Seit Jahresbeginn stiegen sie um 658 Millionen Euro auf 26,7 Milliarden Euro. Dies sei ein neuer Rekord.

Der Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl am Sonntag, Benjamin Raschke, kündigte unterdessen an, das Brandenburger Sparkassengesetz überarbeiten zu wollen. Denn trotz wachsender Geschäfte würden weiterhin Sparkassenfilialen geschlossen, etwa in Schönwalde im Spreewald.

„Sparkassen sind qua Gesetz Wirtschaftsunternehmen mit der Aufgabe, in ihrem Geschäftsgebiet die Versorgung mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherzustellen“, sagte Raschke am Donnerstag. „Der erste Auftrag muss sein, die ländlichen Räume zu versorgen – und nicht, zur Spitzengruppe bei Gewinn und Umsatz zu gehören.“ Solange die betriebswirtschaftliche Stabilität nicht gefährdet sei, müssten Filialschließungen tabu sein. „Denn so eine Schließung zieht weiteren Abbau nach sich.“

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