Glaskunst : Zarte Mosaik-Unikate aus zerbrechlichem Glas

Hilmar Matthes gestaltet ein Fensterbild aus Streaky-Glas.
Hilmar Matthes gestaltet ein Fensterbild aus Streaky-Glas.

Eigentlich ist Hilmar Matthes Koch. Doch er erschafft lieber unverwechselbare Tiffany-Einzelstücke

nnn.de von
08. Januar 2016, 17:34 Uhr

Am Anfang war die Tiffany-Lampe. Das westliche Luxussymbol mit dem charakteristischen Schirm aus buntem Mosaikglas war Mitte der 1980er- Jahre in der DDR nicht zu bekommen. Dennoch gab es Liebhaber der amerikanischen Glaskunst, zu denen seine Ehefrau gehörte, erinnert sich Hilmar Matthes. Damals arbeitete der Fürstenwalder (Oder-Spree) im Pneumant-Reifenwerk als Koch. In seiner Freizeit begann er, die ersten Lampenschirme nachzufertigen.

Die Glasteile werden durch Kupferfolie und Lötzinn verbunden, dann mit Blei eingefasst, um das zerbrechliche Kunstwerk zu stabilisieren. „Seiten aus West-Katalogen und Bastler-Sendungen im Fernsehen dienten mir als Anleitung“, erinnert sich der 63-jährige Autodidakt. „Meine ersten Tiffany-Lampenschirme ähnelten aber eher Ritterhelmen.“ In diesem Jahr feierte er sein 25. Jubiläum als selbstständiger Kunsthandwerker.

Weil ihn die anspruchsvolle Kombination von Kunst und Handwerk reizte, machte Matthes nach der Wende sein Hobby zum Beruf. Bereut hat er den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Kunstvolle Mosaike verkaufte er deutschlandweit, in Frankreich, Großbritannien, Österreich, der Schweiz und den USA, dem Mutterland der Tiffany-Technik.

Bis vor einem Jahr fuhr Matthes am Wochenende auf den Kunstmarkt am Berliner Zeughaus. Jetzt verkauft er Fensterbilder, Zier-Spiegel, Türeinsätze, maßgefertigte Bordürenfenster, gläserne Raumteiler und Lampenschirme über das Internet.

Zuerst zeichnet Matthes einen Entwurf des Motivs. Das sind Ornamente, Landschaften, Tiere oder Blumenarrangements. Das transparente Papier ähnelt mit unzähligen, einzeln beschrifteten Feldern einem Schnittmusterbogen. Aus festem Karton werden dann Schablonen angefertigt, mit denen Matthes das Glas zuschneidet.

Der Kunsthandwerker nutzt kein übliches, eingefärbtes Massenglas, sondern mundgeblasenes oder handgewalztes Material ausgewählter Glashütten. Mit prüfendem Blick hält er eine farbige Glasscheibe gegen das Licht. „Das ist goldrosa Opalglas einer amerikanischen Glashütte“, meint er schwärmerisch. Bei Kunden besonders gefragt seien farbig marmorierte mundgeblasene Gläser. Matthes wühlt sich weiter durch das gläserne Schatzkästchen, findet eine grüne Scheibe mit unebener Oberflächenstruktur und Bläschen-Einschlüssen. „Echt-Antikglas“, erklärt er.

Die farbigen Scherben werden wie ein Puzzle zusammengesetzt und in hauchdünne Kupferfolie gefasst. Auf Kundenwunsch werden geschliffene Prismen oder Halbedelsteine in die gläsernen Mosaike eingearbeitet.

Stundenlang werkelt Matthes an einem kleinen Fensterdekor, mehrere Wochen braucht er für Raumteiler, extravagante Deckenverkleidungen oder filigrane Türeinsätze. Beliebt seien Jugendstil-Arrangements und Motive im viktorianischen Stil. Damit habe er denkmalgeschützte Häuser aus der Jahrhundertwende verziert.

Zur Ruhe setzen will sich Matthes noch nicht. „Von meiner kleinen Rente, die ich zu erwarten habe, kann ich nicht leben“, gibt er zu.

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