Frauen wehren sich : Sie tanzen gegen die Gewalt

Mahnende Schuhe stehen vor den Tanzenden.
Mahnende Schuhe stehen vor den Tanzenden.

„One Billion Rising“ nennt sich die Protestaktion, bei der Frauen weltweit auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen

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16. Februar 2020, 15:59 Uhr

„Er schlug öfter zu, die Nachbarn hatten Angst vor dem großen, stämmigen Mann. Als er sie tötete, stach er vierzehnmal mit dem Küchenmesser auf sie ein“, berichtet Catrin Seeger, Projektleiterin des Unabhängigen Frauenverein aus Rathenow von Fall 37. Dem Mord an einer Frau durch den vertrauten Partner.

122 Frauen wurden im Jahr 2018 von ihrem Partner oder Ex-Partnern in Deutschland getötet. Dieser Fall war einer von ihnen, eine Frau, ermordet durch den Menschen, der vorgab, sie zu lieben. Seeger hat die Frauen Rathenows gebeten, rote Schuhe bei ihr abzugeben. 122 Paar wollte sie haben, jedes Paar sollte an ein Schicksal erinnern. Nun stehen die Schuhe hier auf der Treppe, am Märkischen Platz in Rathenow. „Die Schuhe stehen für das vergossene Blut. Sie stehen aber auch für mehr Liebe in den Beziehungen“, sagt Seeger.

Rund 200 Menschen sind gekommen, denn Seeger hat wieder zum Feiern des „One Billion Rising“ ausgerufen. Bereits zum sechsten Mal erinnern Seeger und ihr Verein an die Opfer häuslicher Gewalt in Rathenow. Dabei haben sich hier nicht nur Frauen aller Altersgruppen eingefunden, es sind auch viele Männer gekommen. Sie tanzen gemeinsam mit den Frauen gegen Gewalt an, denn die Protestaktion hat zwar einen traurigen Anlass, wird aber mit ausgelassenem Tanz begangen.

Mit der Protestaktion „One Billion Rising“ solidarisieren sich Frauen weltweit. Sie stehen nicht nur zusammen, sie tanzen gemeinsam gegen die Gewalt an. 2012 wurde die Aktion von der Künstlerin und Feministin Eve Ensler in New York erstmalig initiiert. Anlass war eine Statistik der Vereinten Nationen, nach der eine von drei Frauen weltweit einmal in ihrem Leben Opfer von sexueller Gewalt oder schwerer Körperverletzung wird.

Inzwischen ist die Protestaktion eine der größten weltweiten Kampagnen. Für 2020 erhofft sich die „One Billion Rising Deutschland 2020“ die hierzulande organisierend tätig ist, weltweit eine Milliarde Teilnehmerinnen. „Heute erheben sich Frauen und Männer in über 200 Ländern auf der Welt, auf allen Kontinenten“, sagt Seeger und weist darauf hin, dass auch die Politik beim Schutz der Frauen gefragt ist.

Die Frauenministerin des Landes Brandenburg Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) spricht das Grußwort. Nonnemacher, die sich seit Jahren für Frauenrechte einsetzt, sagt: „Noch immer beeinflusst Gewalt den Alltag viel zu vieler Frauen. Jede dritte Frau in Deutschland wurde bereits Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt.“ Im Jahr 2018 kam es t zu 3131 Straftaten gegen Frauen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. „Die Gefahr lauert nicht hinter dem nächsten Busch. Sie sitzt allzu oft im Wohnzimmer“, sagt die Ministerin.

Sie ruft zu mehr Solidarität mit den Opfern auf. „Sie haben das Recht auf Respekt, Anerkennung und Hilfe“, sagt sie. Sie verweist auf das Programm „Täterarbeit“. Das Brandenburger Angebot richtet sich an Menschen, die in der Familie oder der Partnerschaft gewalttätig geworden sind und sich bereit erklären, aktiv an einer Veränderung ihres Verhaltens etwas zu verändern. Und Nonnemacher wirbt für Hinsehen. „Bei häuslicher Gewalt darf niemand wegschauen. Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit, das geht uns alle an. Die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden. Polizei und Justiz müssen schnell handeln“, fordert sie.

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