Mit Pfeilen gegen Wildschweine : Tierschützer lehnt Bogenjagd ab

Die BogenJagd auf Wildschweinen erfordert viel Können und Konzentration.
Die BogenJagd auf Wildschweinen erfordert viel Können und Konzentration.

Wie soll man die Wildschweinplage in Kommunen beseitigen? Bogenjagd lehnt der märkische Tierschutzbeauftragte als unnötig ab.

nnn.de von
16. April 2019, 20:00 Uhr

Potsdam | Die Jagd mit Pfeil und Bogen auf Tiere in der Mark lehnt der Tierschutzbeauftragte des Landes, Stefan Heidrich, ab. „Die Todeswirkung ist um ein Vielfaches geringer als bei der zugelassenen Jagd- beziehungsweise Tötungsmethode mit Geschossen“, konstatiert er.

Die Gemeinde Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) leidet seit Jahren unter einer Wildschweinplage. Etwa 70 Tiere werden pro Jahr gezählt, die durch den Ort ziehen. Sie verwüsten Gärten und verursachen auch Verkehrsunfälle. Mit der normalen Jagd mit Gewehren im Ortsgebiet konnte bislang die Zahl der Tiere nicht ausreichend dezimiert werden.

Um eine weitere Möglichkeit zu haben, hatten Gemeinde und Jagdpächter eine Ausnahmegenehmigung für das seit 1976 in Deutschland geltende Verbot der Bogenjagd beantragt. Sie ist in 17 Ländern Europas gestattet.

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Schmerz und Leid auf der Flucht

Aus Sicht von Heidrich haben die bei der Bogenjagd verschossenen Pfeile keine unmittelbare Tötungswirkung. „Tiere können auch nach einem guten Schuss noch viele Meter flüchten, teils auch weite Strecken“, sagte er. Auf dieser Flucht würden Schmerzen und Leiden auftreten. „Diese sind unnötig, da es geeignetere Methoden mit besserer Tötewirkung gibt“, betonte der Tierschutzexperte.

Im Land soll die Jagd mit Pfeil und Bogen auf Wildschweineim Sommer beginnen. Dann liegen aus Sicht des Umweltministeriums Genehmigungen für das Modellprojekt vor, das wissenschaftlich begleitet wird.

Der Tierschutzbeauftragte des Landes sei nicht zwingend an dem Projekt zu beteiligen, so Heidrich. Eine Beteiligung mache auf jeden Fall Sinn. „Denn der Tierschutzbeauftragte soll die Landesregierung in Tierschutzfragen beraten“, sagte er.

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Präventive Maßnahmen konsequenter umsetzen

Um die Schwarzkittel aus dem Ort zu vertreiben, sollten aus seiner Sicht alle präventiven Maßnahmen konsequenter umgesetzt werden. „Den Wildschweinen ist die Nahrungsgrundlage in den betroffenen Bereichen zu entziehen“, betont er. Sie dürften nicht weiter angelockt werden. Das nfüttern sei zu unterbinden. Müll dürfe nur in wildsicheren Behältern gelagert werden. „Womöglich müssen die Tiere nach Jahren der Gewöhnung auch erst einmal das Interesse verlieren“, meint er. Alle Präventionsmaßnahmen müssten auch durch die Behörden kontrolliert werden.

Sollte das Projekt zur Bogenjagd im Sommer starten, prüft nach Angaben des Ministeriums die Untere Jagdbehörde in Stahnsdorf im Einzelfall, ob Jäger eine Jagdgenehmigung und die notwendige Befähigung zur Jagd mit Pfeil und Bogen haben. Der Bogenjäger muss fünf von sechs Zielscheiben von der Größe eines Bierdeckels auf 25 Meter Entfernung treffen. Entschieden wird auch, in welchem Zeitraum und wo das Projekt läuft.

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