SPD–Landesliste : Unter ferner liefen

Harald Pohle
Harald Pohle

Die SPD-Landesliste schiebt Harald Pohle, den Direktkandidaten aus der Prignitz, auf einen hinteren Listenplatz ab

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10. April 2019, 05:00 Uhr

Mit insgesamt 72 Kandidaten will Brandenburgs SPD bei den Landtagswahlen am 1. September antreten. Das geht aus der am Montagabend einstimmig vom Landesvorstand beschlossenen Landesliste hervor, die am 11. Mai auf einer Landesdelegiertenkonferenz beschlossen werden soll. Der Prignitzer Direktkandidat Harald Pohle allerdings dürfte wohl keine Chance auf ein Landtagsmandat haben, sollte er bei den Wahlen im September den Wahlkreis nicht gewinnen. Er wird auf dem Vorschlag des Parteivorstands lediglich auf Listenplatz 29 geführt.

Deutlich besser platziert ist die im Nachbarwahlkreis antretende Innenstaatssekretärin Katrin Lange: Sie gehört schon lange zum engsten Team der rot-roten Landesregierung und ist obendrein stellvertretende Landesvorsitzende der SPD. Auf der Landesliste findet sie sich hinter Spitzenkandidat Dietmar Woidke, Landtagspräsidentin Britta Stark und Generalsekretär Erik Stohn auf Listenplatz vier wieder – noch vor dem Fraktionsvorsitzenden Mike Bischoff, der erst auf Listenplatz fünf antreten soll. Minister dagegen finden sich nicht unter den ersten Plätzen auf der Landesliste – ausgerechnet Agrarminister Jörg Vogelsänger, dem viele Beobachter attestieren, den politischen Zenit schon längst überschritten zu haben, findet sich als bestplatziertes Kabinettsmitglied auf Listenplatz sieben. Die Cottbuser Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Martina Münch, die bei den letzten Landtagswahlen noch unmittelbar hinter Dietmar Woidke auf Listenplatz zwei stand, muss sich dagegen auf Listenplatz 14 einsortieren.

Sicherer Listenplatz

Doch bedenkt man, dass die SPD in Umfragen derzeit bei etwas über 20 Prozent liegt, ist das noch ein recht sicherer Listenplatz. Das gilt auch für die in Vetschau kandidierende Verkehrsministerin Kathrin Schneider auf Listenplatz 16. Auch manche andere Listenplatzierung ist bemerkenswert: Während Stohn im Januar noch hervorhob, dass die Schwarzbacher Abgeordnete Gabriele Theiss eine „hervorrangende Wahlkreisarbeit“ mache, und der von ihr verteilte Christstollen aus dem Wahlkreis 38 in Potsdamer mittlerweile legendär geworden sei, findet sich die engagierte Abgeordnete heute nur auf Platz 28 der Landesliste der SPD.

Und auch die von der SPD bereits publizistisch vermarktete Elske Hildebrandt, die bekanntlich eine Tochter der legendären Sozialministerin Regine Hildebrandt ist, findet sich erst auf Listenplatz 36 und dürfte damit kaum eine Chance auf einen Einzug in den Landtag via Landesliste haben.

Männer und Frauen im Wechsel

Generalsekretär Erik Stohn indes hob gestern besonders hervor, dass die Liste der SPD eine junge Liste sei. „Auf den ersten 20 Plätzen sind mit Erik Stohn, Daniel Keller und Hanka Mittelstädt drei Kandidierende 35 Jahre und jünger“, sagte Stohn.

Zudem lasse sich aus dem Listenvorschlag auch ablesen, „wie wichtig der SPD die Stärkung der Arbeitnehmer und die Mitbestimmung“ sei. So fänden sich sowohl Gewerkschaftler als auch aktive Landwirte unter den ersten 20 Listenplätzen. Zudem sei die Liste alternierend aufgestellt, Männer und Frauen wechseln sich ab. Doch würde das neue Brandenburger Parité-Gesetz schon heute in Brandenburg gelten, könnte auch die SPD nicht mit 72 Kandidaten in das Rennen gehen. Denn ab Listenplatz 66 finden sich auch bei den Sozialdemokraten nur noch Männer auf der Liste.

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