Potsdam : „Wenig Basiswissen über den Forst“

Der Landesbetrieb Forst Brandenburg erntet im Landeswald jährlich rund eine Million Kubikmeter Rohholz.
Der Landesbetrieb Forst Brandenburg erntet im Landeswald jährlich rund eine Million Kubikmeter Rohholz.

Abgeordnete aus Regierung und Opposition kritisieren Landesrechnungshof.

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07. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Für den Landesrechnungshof war die Angelegenheit am Montag klar: Der Brandenburger Landesforstbetrieb könnte signifikant besser dastehen, wenn die Holzvermarktung besser liefe und generell mehr Holz ernten würde. „Das Ziel sowohl des Ministeriums als auch des Landesforstbetriebs muss sein, die Erlöse aus dem Verkauf von Holz unter Berücksichtigung aller Kosten im Rahmen der unter anderem ökologischen und waldbaulichen Vorgaben zu maximieren“, heißt es im Jahresbericht des Landesrechnungshofs, den Direktor Christoph Weiser am Montag in Potsdam der Öffentlichkeit vorstellte.

Doch die Potsdamer Politik ist offensichtlich nur wenig gewillt, diesen Vorgaben zu folgen. „Der Landesrechnungshof hat ganz offensichtlich wenig Basiswissen in Sachen Forst“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick, der selbst Förster ist, dieser Zeitung. Schon heute werde so viel Holz in den Brandenburger Wäldern eingeschlagen, wie es im Sinne der Nachhaltigkeit möglich sei. Zudem müsse man auch über mögliche Abnehmer nachdenken. „Wenn man mehr Holz verkaufen würde, würde auch der Preis sinken“, sagte Roick. „Das ist eine Frage des Marktes.“

Auch Oppositionsvertreter, die oft die Kritik des Landesrechnungshofs unterstützen, äußerten sich bei dem Prüfbericht zum Landesforstbetrieb differenziert. „Ich bin dem Landesrechnungshof sehr dankbar, dass er den Finger in die Wunde legt“, sagte der Grünen-Abgeordnete Benjamin Raschke. Offenbar seien über Jahre große Holzmengen vom gleichen Mitarbeiter an die immer gleichen Abnehmer zu Niedrigpreisen verkauft worden. „Damit hat der Umweltminister als oberster Dienstherr viel Geld verschenkt, das wir dringend brauchen.“ Ausdrücklich widersprechen müsse er aber „der Forderung des Rechnungshofes, wir müssten mehr Holz schlagen“, betonte der Spreewälder Landtagsabgeordnete. „Klasse statt Masse muss das Ziel sein, Wertholz und Nischenprodukte statt immer nur Kiefer für Laminatfabriken.“ Gegenüber dieser Zeitung verwies Raschke auf eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Spätsommer. Darin sprach sich eine Mehrheit der Befragten dafür aus, den Wald als zu schützenden Naturraum zu bewahren, statt mit Holzverkäufen Geld zu verdienen.

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