Schutzanlagen : Wie Spezialgitter Biber aufhalten

Mitarbeiter der Ingenieur Wasser und Tiefbau GmbH bringen ein Gitter zur Biberabwehr in den Boden.
Mitarbeiter der Ingenieur Wasser und Tiefbau GmbH bringen ein Gitter zur Biberabwehr in den Boden.

An Wassergräben und Deichen verhindern senkrechte Matten in der Erde, dass sich die Tiere in den Boden graben

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07. Februar 2020, 05:00 Uhr

Wie bei einem Sandwich wird die Biberschutzmatte aus biegsamem Drahtgeflecht mittels Hydraulik zwischen zwei Stahlplatten geklemmt. Dann rammt ein Kran sie senkrecht bis 1,5 Meter tief unter die Sohle in die Böschung des Grabens an einer Straße im Oderbruch. „Danach ziehen wir die Platten raus, die Drahtmatte bleibt im Boden und hält den Biber auf“, erklärt der Chef der Ingenieur Wasser und Tiefbau GmbH Frankfurt (Oder), Kai Herrmann.

Im Frühjahr 2019 hatten er und seine 24 Mitarbeiter das von ihnen entwickelte Verfahren erstmals im Oderbruch ausprobiert. Mit Erfolg, bestätigt Julian Butschke vom Gewässer- und Deichverband Oderbruch. „Der Biber hat angefangen, sich in den Uferbereich des Grabens zu buddeln und dann aufgehört, weil er durch die Matten nicht durchkam und sie in der Tiefe auch nicht untergräbt. Von daher ist das eine sinnvolle Sache.“ Gerade an Böschungen, die an Straßen grenzen, würden die Spezialgitter Biber aufhalten, ergänzt Herrmann. Aber das Geflecht müsse überlappend aufgestellt werden, damit die kräftigen Tiere sie nicht doch auseinander drücken.

Werde die Grabenböschung nicht geschützt, wühlten sich die Tiere unter der Straße durch, die dann absacke - Alltag im Oderbruch. „Dieser Umstand war ausschlaggebend für uns, das Verfahren zu entwickeln“, sagt Firmenchef Herrmann, der im Oderbruch-Ort Groß Neuendorf (Märkisch-Oderland) wohnt. Allein auf dem aktuellen 900 Meter langen Grabenabschnitt habe er 22 Biberbauten in der Böschung entdeckt. Mehr als vier Kilometer Schutzmatten hat die Firma 2019 verbaut: nicht nur an Wassergräben, sondern auch an den Oderdeichen. „Da ist der Schutz noch viel dringender, weil Biber ihre Burgen sonst in die Dämme bauen und die Standsicherheit der Hochwasserschutzanlagen gefährden“, so der 56-Jährige.

Die Sprecherin des Brandenburger Umweltministeriums, Frauke Zelt, bestätigt das. „Bei fachgerechtem Einbau sind die Matten tatsächlich ein guter Schutz gegen Biberbauten in den Deichen. Die Stahlgitter können die Tiere nicht zerbeißen.“

In allen Fällen finanziere das Land den Einbau der Schutzmatten zu 100 Prozent, sagt Herrmann. In den vergangenen drei Jahren wurden mehr als 2,3 Millionen Euro in die Reparatur von Biberschäden, Präventions- und Sicherungsmaßnahmen in der Mark investiert.

Ein weiteres Schutzverfahren, das in Brandenburg angewendet werde, seien Stahlspundwände, erklärt der Sprecher des Landesumweltamtes, Thomas Frey. Es sei sinnvoll an sehr steilen Ufern, wenn der Schutz vor einem Unterwühlen noch tiefer in den Boden gehen müsse. „Nicht bewährt hat sich das Aufschütten von Steinen an Böschungen: Die untergräbt der Biber“, sagt Frey.

Frank Schütz, Bürgermeister der Oderbruch-Gemeinde Golzow, begrüßt das Installieren der Schutzmatten. „Das Verfahren löst die Probleme, die wir mit den vielen Bibern haben, aber nicht“, so Schütz.

Das Umweltministerium ging für 2018 von bis zu 3500 Bibern in der Mark aus, allein 2000 könnten im Oderbruch leben. Jüngere Erhebungen verzeichnen laut Landesumweltamt 358 Reviere im Oderbruch, das als die dichtbesiedelste Biberregion Brandenburgs gilt. Nach EU-Recht sind die vor Jahrzehnten fast ausgerotteten Biber streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmefällen getötet werden.

Dass seine Matten kein Allheilmittel sind, ist Firmenchef Herrmann bewusst. „Die Tiere verändern unsere Kulturlandschaft massiv. Es gibt ja kaum noch Bäume. Zudem haben die Tiere mangels Verfolgungsdruck ihre natürliche Scheu vor dem Menschen längst verloren, sitzen tagsüber auf der Straße, lassen sich fotografieren“, hat er beobachtet.

Nach dem Hochwasser 1997 seien Millionen in die Deichsanierung gesteckt worden. Jetzt würde das Land zuschauen, wie die Biber alles zunichtemachen würden, meint der Letschiner Bürgermeister Michael Böttcher.

Henrik Wendorff, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland, sieht das ähnlich. „Es gibt ungeachtet der Schutzmaßnahmen viele ungelöste Probleme in Sachen Biber.“ Zuletzt hatten die streng geschützten Nager selbst hölzerne Telefon- und Strommasten gefällt. „Wo er Probleme macht, muss der Biber auch abgeschossen werden dürfen“, fordert Wendorff und sieht das Land in der Pflicht. Ende März laufe die Brandenburger Biberverordnung aus, die die Gefahrenabwehr bei Biberschäden und Entschädigungen Betroffener regle. Es sei unklar, „ob sie rechtzeitig evaluiert wird und ob unsere zahlreichen Hinweise aus der Praxis dann Berücksichtigung finden.“

Tatsächlich gebe es viele Stellungnahmen auszuwerten und zu prüfen, sagt Ministeriumssprecherin Zelt. „Wir versuchen den zeitlichen Anschluss zu schaffen.“

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